Neue Verantwortliche bei Hertha BSC - Auf wen Bobic baut

Fredi Bobic, Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC. / imago images/Team 2
Bild: imago images/Team 2

Seitdem Fredi Bobic bei Hertha BSC der Geschäftsführer Sport ist, baut er das sportliche Führungsteam gehörig um. Es gibt neue Verantwortliche, vom Kaderplaner bis zum Spielanalysten. Wer sie sind - und was sie mitbringen. Von Johannes Mohren

Seit dem 1. Juni ist Fredi Bobic Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC. Und er kommt nicht alleine: Der 49-Jährige hat bereits mit dem Umbau der sportlichen Führungsmannschaft begonnen, der vor allem ein Ausbau ist. Zum 1. Juli werden auf zahlreichen Positionen neue Verantwortliche ihren Dienst beim Fußball-Bundesligisten antreten.

Rund um die bekannten Größen wie den Nach-wie-vor-Cheftrainer Pal Dardai (Bobic: "Darüber bin sehr froh. Das war auch meine Empfehlung.") und Arne Friedrich ("Ein Sportdirektor mit seinen Fähigkeiten tut uns richtig gut.") gilt es also, viele neue Mitarbeiter zu integrieren. Helfen könnte dabei: Bobic selbst kennt die meisten schon bestens.

Dirk Dufner (Quelle: imago images/Joachim Sielski)
Bild: imago images/Joachim Sielski

Dirk Dufner (Kaderplaner)

"Ich weiß, was er kann", sagt Fredi Bobic über Dirk Dufner. Seit 25 Jahren kennen sich die beiden - mehr als das: Sie sind befreundet. Und auch die berufliche Wertschätzung ist groß. So lobt Bobic: "Er hat ein unfassbar großes Netzwerk, ist ein fleißiger Arbeiter und loyal." Diese Eigenschaften soll Dufner nun bei Hertha BSC einbringen. "Er wird Strukturen im Bereich Kaderplanung und Scouting bauen", so Bobic.

Es ist eine Position, die der 53-jährige Dufner in dieser Form noch nie bekleidet hat. Aber: Er hat jahrelange Erfahrung als Sportdirektor und zuletzt Spielerberater bei der Arena11-Sports-Group, die zahlreiche internationale Top-Spieler vertritt. Überzeugende Referenzen für Bobic: "Er hat einen überragenden Job gemacht bei 1860 München und in Freiburg. In Hannover ein bisschen schwieriger gehabt, aber da ist es auch nicht so einfach - das weiß man ja auch." Noch wichtiger als der Rück- ist Bobic aber der Ausblick: "Er kommt nicht umsonst hierher. Auch er will was erreichen. Angetrieben von dem Ehrgeiz, besser werden zu wollen."

Babacar Wane (Chef-Scout)

Dufner zur Seite stehe "noch ein Top-Mann", so Bobic. Die Rede ist von Babacar Wane. Bei Hertha wird er zum Chef-Scout. Es ist ein Feld, in dem der 56-Jährige seit vielen Jahren angestellt ist. Bobic holte Wane nach gut neun Jahren im Breisgau 2019 vom SC Freiburg nach Frankfurt. Bei den Hessen arbeitete er unter dem - bei der Eintracht sehr geschätzten und inzwischen beförderten - Ben Manga. Auch für Wane selbst bedeutet der Wechsel einen beruflichen Aufstieg: In Berlin soll er nun selbst die Führungsrolle im Scouting-Bereich übernehmen.

Pablo Thiam, neuer Chef bei Herthas Nachwuchs. / imago images/regios24
Bild: imago images/regios24

Pablo Thiam (sportlicher Leiter der Akademie)

In der Familie Thiam ist man vom Wechsel des Vaters Pablo zu Hertha BSC noch nicht restlos überzeugt. "Er hat zu mir gesagt: 'Papa, du tauschst Champions League mit Abstiegskampf - was soll das?'", erzählt der 47-Jährige in der "B.Z." von der Reaktion seines achtjährigen Sohnes. Doch Thiam selbst hat sich gut überlegt, nach fast zwei Jahrzehnten beim VfL Wolfsburg nach Berlin zu wechseln und den Chefposten in der Nachwuchsakademie der Niedersachen gegen den in der Hauptstadt einzutauschen. Nun in einer Doppelspitze mit Benjamin Weber.

"Nach vielen Jahren in Wolfsburg freue ich mich sehr auf die Aufgabe bei Hertha BSC. Das ist eine spannende Herausforderung, die ich mit großer Lust und mit einem großartigen Team meistern möchte", wird er in der Wechsel-Mitteilung zitiert. Der 311-fache Bundesliga-Spieler kommt - wie sein neuer Vorgesetzter Fredi Bobic - in die (Wahl-)Heimat. Seine Familie lebt in Berlin. Bei Hertha freut man sich auf Thiam: "Mit seiner Erfahrung, aber auch seinen Ideen und frischem Input wird Pablo unsere Fußball-Akademie bereichern und in die Zukunft führen", so Bobic.

Hertha-Urgestein Ante Covic(Quelle: imago images/Sven Simon)
Bild: Image images/Sven Simon

Ante Covic (U23-Trainer)

Kein neues Gesicht, sondern ein - gar nicht so alter - Bekannter. Über Ante Covic muss man im Hertha-Kosmos nicht allzu viele Worte verlieren. Der 45-Jährige bereitet die U23 bereits auf die kommende Saison in der Regionalliga vor. Eine Rolle, die er bestens kennt: Sechs Jahre lang füllte er sie ab 2013 bereits aus - ehe er in der Saison 2019/20 zum Profi-Trainer befördert wurde, sich jedoch nur zwölf Spieltage auf diesem Posten hielt.

Bei all den - maßgeblich von ihm geholten - Neuzugängen von außen stellt Bobic bei Covic eben seine enge Verbundenheit zum Klub heraus: "Wir freuen uns sehr, dass wir mit Ante einen Ur-Herthaner und absoluten Fachmann für diese Aufgabe zurückgewinnen konnten. Er hat bewiesen, unsere Talente bestmöglich auf die Anforderungen des Profi-Fußballs vorbereiten zu können". Beim Rückkehrer selbst klingt das ganz ähnlich: "Für mich ist der Club eine Herzensangelegenheit. Wir verfolgen alle das Ziel, die Erfolgsgeschichte unserer Nachwuchsarbeit fortzuschreiben und hoffentlich noch viele Talente an den Profikader heranzuführen."

Matthias Borst (Spielkonzeption)

"Über Spielphilosophie kann man viel reden. Man muss sie erstmal entwickeln", sagt Bobic vor nun fast drei Wochen bei seiner Präsentation - und mahnt zu Geduld: "Das braucht seine Zeit und geht nicht auf die Schnelle". Zwei Jahre habe dieser Prozess bei Eintracht Frankfurt gedauert. Und Bobic hat den Mann gleich aus Hessen mitgebracht, der ihn verantwortete: Matthias Borst. Der 39-Jährige soll in Zusammenarbeit mit vielen anderen maßgeblich "Profile, Trainingsinhalte und Spielsysteme entwickeln" - sprich: die spielerische Identität bei Hertha BSC von den Klein-Kickern in der U9 bis zu den Profis in der Bundesliga zukünftig herausbilden.

Sebastian Zelichowski, neuer Technischer Direktor bei Hertha BSC. / imago images/Jan Huebner
Bild: imago images/Jan Huebner

Sebastian Zelichowski (Technischer Direktor)

... war schon in Frankfurt einer der ganz engen Vertrauten von Fredi Bobic. Erstmals kennen lernten die beiden sich sogar bereits beim VfB Stuttgart. In Schwaben war Zelichowski Videoanalyst - sein Arbeitstitel zuletzt bei der Eintracht: persönlicher Referent des Sportvorstandes. Nun folgt er seinem Chef nach Berlin. In fünf Jahren in Frankfurt hat er sich einen Namen gemacht: Als jemand, der seine Arbeit im Hintergrund so gut erledigt, dass es auffällt. Vor zwei Jahren schrieb die "Frankfurter Rundschau" einen Artikel über den heute 38-Jährigen, der beschreibt, "wie der Chefanalyst Sebastian Zelichowski Eintracht Frankfurt digital auf Vordermann brachte".

Zunächst als Leiter Analyse und Sporttechnologie "setzte er [...] einen Renovierungsprozess in Gang", heißt es da. Weg mit den Aktenordnern, weg mit den USB-Sticks, weg mit der Vielzahl an nicht kompatiblen Programmen. Mit wirtschaftlicher Power aus dem eigenen Bundesland - dem Software-Giganten SAP - sorgte er für eine Bündelung aller sportlich relevanten Daten an genau einem Ort: dem Smartphone von Spielern, Trainern oder Therapeuten. "Sebastian ist ein entscheidendes Puzzleteil bei uns. Wir sind so erfolgreich, weil wir Leute wie Sebastian haben, die im Hintergrund mit einem exzellenten Team eine sehr wertvolle Arbeit machen", sagt Bobic damals in der "FR". Ein eben solches soll er nun auch bei Hertha werden.

Gabor Ruhr (Spielanalyst) und Thomas Westphal (Team-Manager)

... gehören neben Wane, Borst und Zelichowski zum Quintett, dass Bobic direkt von der Eintracht mitbringt. Über die beiden ist deutlich weniger bekannt. Der 32-jährige Ruhr - studierter Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule in Köln - arbeitete schon als Video- und Spielanalyst beim DFB, Hansa Rostock, dem 1. FC Köln und zuletzt seit Januar 2019 in Frankfurt.

Thomas Westphal kann auf eine lange Zeit als Team-Manager zurückblicken - unter anderem auch in der Region: Der gebürtige Potsdamer übte diese Rolle um die Jahrtausendwende bereits bei Tennis Borussia aus. Danach ging es für den heute 48-Jährigen über Hannover 96, den Hamburger SV, RB Leipzig und Frankfurt nun zurück in Richtung Heimat zu Hertha BSC.

Andreas Menger, Torwart-Trainer auf dem Zettel von Hertha BSC. / imago images/Team 2
Bild: imago images/Team 2

Andreas Menger (Torwart-Trainer / noch unbestätigt)

Sein Name geistert nun schon seit Wochen in Berlin umher: Andreas Menger, aktuell als Torwart-Trainer beim 1. FC Köln unter Vertrag, will wohl zu Hertha BSC - und Bobic will ihn. Der 48-Jährige würde damit eine Stelle besetzen, die seit der Freistellung von Zsolt Petry nur interimsmäßig besetzt war. Menger ist gebürtiger Berliner und ebenfalls ein alter Bekannter von Bobic: Zwischen 2011 und 2015 machte er die Keeper des VfB Stuttgart fit - zu der Zeit, zu der auch Herthas neuer Geschäftsführer Sport bei den Schwaben in der Verantwortung war. In Köln hatte er den Job seit Anfang 2018.

Sendung: Inforadio, 18.06.2021, 11:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

3 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 3.

    Dirk Dufner, mit diesem Namen geht es ab sofort steil bergauf!

  2. 2.

    Das System Preetz gehört nun der Vergangenheit an. Bobic hat woanders schon bewiesen, dass er ein positiver Typ ist und mit seinem System zum Erfolg kommt. Nächste Saison kann sich die Mannschaft endlich um den Fußball kümmern und wird nicht durch Vereinskram abgelenkt.

  3. 1.

    Bobic bester Mann, weiter so

Nächster Artikel