Interview | Sportdirektor Maximilian Zimmer - "Energie Cottbus gehört in den Profifußball"

Sportdirektor Maximilian Zimmer leicht seitlich, lächelnd (Quelle: imago images/Fotostand/Weiland)
Bild: imago images/Fotostand/Weiland

Energie Cottbus will einen Neuanfang mit alten Gesichtern. Ex-Spieler Maximilian Zimmer ist als Sportchef zurückgekehrt. Claus-Dieter "Pele" Wollitz ist wieder Trainer. Zusammen wollen sie Verein und Mannschaft wieder auf Kurs bringen.

rbb|24: Maximilian Zimmer, seit einigen Wochen sind Sie zurück bei Energie Cottbus als Sportchef. Sie sind noch nicht mal 30 Jahre alt. Haben Sie sich schon eingegroovt?

Maximilian Zimmer: Engegroovt habe ich mich. Es gab keine lange Anlaufzeit und ging relativ schnell los. Da wurde ich ins kalte Wasser geschmissen und habe bisher alles ganz gut gemanagt bekommen. Also schätze ich mal (lacht).

Zur Person

Maximilian Zimmer, geboren 1992 in Berlin, ist seit März 2021 Sportchef bei Energie Cottbus. Von 2017 bis 2019 stand er selbst für Energie auf dem Platz. Mit dem Verein stieg er 2018 in die 3. Liga auf. Mit 27 Jahren beendete er nach seinem dritten Kreuzbandriss seine aktive Karriere.

Gibt es denn jemanden, der Sie als "Berufsanfänger" unterstützt? Als Ex-Fußballer kommen Sie aus dem Metier, aber die Rolle selbst ist neu.

Klar, hat man Leute, die einen an die Hand nehmen. Wir arbeiten ja auch im Team. Das mache ich nicht alles alleine. Es gibt Leute, die einen auch unterstützen und einem helfen. Das ist ja selbstverständlich. Da sind wir schon gut aufgestellt und ich hoffe mal, dass wir das dann gut hinbekommen.

Eine der ersten Amtshandlungen war die Rückholaktion von Claus-Dieter Wollitz als Chefcoach. Das ist seine dritte Amtszeit in Cottbus. Was hat Sie und den Verein zu dieser Entscheidung bewogen?

Er kennt diesen Verein wie kein anderer. Was er hier geleistet hat, kann man nicht von der Hand weisen. Von daher waren wir davon total überzeugt. Ich weiß auch, dass er hier für eine Aufbruchstimmung gesorgt hat und wie er eine Mannschaft begleitet. Er kann auch neue Spieler schnell zu einer Truppe zusammenfügen. Und das waren viele Argumente, die dafür gesprochen haben. Als er dann signalisiert hat, dass er sich das auch nochmal vorstellen kann, kamen wir da relativ schnell zueinander.

Er hat schon kurz nach seinem Abgang aus Cottbus gesagt, dass es ein Fehler seinerseits gewesen sei, Cottbus zu verlassen. Der Abschied 2019 ist ja auch nicht ganz geräuschlos abgelaufen. Sind alle Unstimmigkeiten von damals aus der Welt geräumt?

Pele und ich kennen uns ja sowieso richtig gut. Wir verstehen uns gut und wissen, wie der andere tickt. Von den Leuten, von denen es vielleicht ein paar Nebengeräusche gab, sind nicht mehr viele da. Deswegen ist das gar kein Thema, Wir freuen uns, dass es jetzt wieder losgeht und wir zusammenarbeiten können.

Wie laufen denn die Vorbereitungen für die neue Saison und wie muss man sich das Zusammenspiel zwischen Ihnen vorstellen?

Ich glaube, wie bei jedem anderen Arbeitsduo auch. Wir sind da auf Augenhöhe, sprechen über Spieler, führen die Gespräche zusammen. Das ist eigentlich nichts Außergewöhnliches. Da wird immer ein bisschen mehr hineininterpretiert, als es dann wirklich ist. Der Pele ist außerhalb des Fußballs wirklich ein 1A-Typ. Es ist auch nie Thema, dass ich der Jüngere bin. Da gibt es überhaupt gar keine Probleme.

Wie einfach oder schwer ist es denn, Spieler für Energie zu gewinnen? Gerade vor finanziell sicherlich überschaubaren Möglichkeiten.

Einfach ist es nicht. Aber das wusste ich und Pele weiß es auch. Da muss man schon viele Gespräche führen und Überzeugungsarbeit leisten, um den Jungs Cottbus schmackhaft zu machen. Ein, zwei Jungs haben wir auch schon überzeugt, aber gerade ist es ein bisschen ruhiger. Im Hintergrund laufen die Gespräche, damit man dann bald wieder etwas präsentieren kann.

Wie sind denn die Ziele für Energie in der nächsten Saison?

Wir wollen schon oben mitspielen, aber wir würden nie vom Aufstieg reden. Da gehört ganz, ganz viel dazu. Klar wünscht man sich mehr als letzte Saison. Das war sowieso schwierig durch Corona, aber auch die Ergebnisse haben nicht gestimmt. Da wollen wir einfach Vieles ändern und ein komplett neues Gesicht auf den Platz bringen, damit sich die Leute auch wieder freuen, ins Stadion zu gehen.

Die Perspektive für Energie kann ja eigentlich nur die 3. Liga sein. Ob jetzt in ein, zwei oder drei Jahren.

Das ist natürlich so. Energie Cottbus gehört in den Profifußball. Aber nur durch die Strukturen und die Fans ist das noch kein Selbstläufer. Man hat Druck. Andere Mannschaften wollen das auch. Da muss man klug zusammenarbeiten und auch ein bisschen Ruhe bewahren, aber ich bin da guter Dinge, dass wir da auf einem guten Weg sind.

Welchen Einfluss hat denn die Corona-Pandemie bei den aktuellen Planungen?

Es ist kompliziert, aber es ist ja nicht nur in Cottbus und im Fußball so. Alle Firmen haben das Problem, dass so eine Pandemie nicht spurlos an einem vorbeigeht. Wir müssen etwas mehr aufpassen und die Gelder sitzen nicht mehr überall so locker. Ich bin aber auch kein Fan davon, rumzuheulen und alles schlecht zu reden. Cottbus ist immer noch Fußballstadt. Wir haben geile Bedingungen und geile Strukturen. Wenn ein Spieler nicht nur aufs Geld guckt, sondern auch merkt, wie er hier begleitet wird und was er hier hat, dann kriegt man trotzdem ein paar anständige Jungs hierher.

Sie haben als Sportchef auch mit den Sponsoren zu tun. Spüren Sie da auch eine große Unterstützung und den Willen, den Verein langfristig zu begleiten?

Das ist schon Wahnsinn, wie die Sponsoren und alle drumherum den Verein unterstützen. Nur so ist das tragbar und sonst wäre der Verein nicht mehr da, wo er jetzt ist. Die Strukturen, die man immer lobt, müssen auch aufrechterhalten werden und das macht man nicht mit Luft und Liebe. Dafür braucht man Geld und wir werden immer wieder unterstützt. Da merkt man auch, wie die Region den Verein lebt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lars Becker, rbb sport.

Sendung: Inforadio, 08.06.2021, 16 Uhr

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