Präsidentschaftswahl am Freitagabend - Ist Turbine Potsdam bereit für den Machtwechsel?

Die Präsidentschaftskandidaten vor Turbine Potsdam: Rolf Kutzmutz und Tabea Kemme (Fotomontage rbb, Quelle: imago/Jan Huebner, imago/Eibner)
Bild: Fotomontage rbb, Quelle: imago/Jan Huebner, imago/Eibner

Der amtierende Präsident Rolf Kutzmutz, 73, steht für Altbewährtes. Vereinsikone und Champions-League-Siegerin Tabea Kemme, 29, für den Neuanfang. Die Mitglieder von Turbine Potsdam entscheiden, wer den Verein künftig führen soll. Von Dennis Wiese

 

Als ehemalige Abwehrspielerin hat Tabea Kemme viele Zweikämpfe geführt. Sie weiß, dass das wehtun kann. Ebenso weiß sie, dass Verbissenheit einen auch ganz nach oben führt.

Mit eben dieser Verbissenheit einer Spitzensportlerin führt Kemme nun den Zweikampf um das Präsidentenamt bei Turbine Potsdam. Dieser wird am Freitagabend im Rahmen der Mitgliederversammlung des Frauenfußball-Bundesligisten entschieden. Im März hatte sie ihre Kandidatur öffentlich gemacht. In den letzten Wochen hat die Olympiasiegerin von 2016 vor allem in den sozialen Medien kräftig für sich und ihre Vision geworben.

Ihre Vorstellungen beschrieb Kemme am Donnerstagnachmittag im rbb-Interview so: "Wir wollen wieder international spielen mit Turbine Potsdam. Die Grundlagen dafür hat der Verein, aber wir müssen sie optimieren", so die 29-Jährige. Die Nachwuchsarbeit müsse verbessert werden, die jungen Talente dürften nicht weggehen. "Auch die erste Mannschaft muss wieder für internationale Spielerinnen attraktiv sein."

"Team Tabea" setzt auf moderne Trainingsmethoden und auf Hertha BSC

Als 14-jährige kam Kemme einst an die die Potsdamer Sportschule und damit zum Turbine-Nachwuchs. Zwölf Jahre lang trug sie das Trikot des einstigen Serienmeisters. Dann wechselte sie zum Arsenal Ladies Football Club. In London, aber auch bei der Nationalmannschaft und nun, in umtriebigen Zeiten nach dem Karriereende, lernte die Polizeikommissarin die Mittel und Möglichkeiten des modernen Fußballs kennen. Die will sie nun auch bei Turbine Potsdam einführen, sollte sie zur neuen Präsidentin gekürt werden: "Wir brauchen im Training optimale Leistungsdiagnostik, Datenanalyse." Dabei will sie auch von der schon bestehenden Kooperation mit Hertha BSC profitieren. Sie wolle die Zusammenarbeit mit Leben füllen. Einen ersten Austausch habe es schon gegeben.

Ein verbessertes Marketing solle zudem für mehr Attraktivität bei Sponsoren sorgen. Klingt nach einem Rundum-Sorglos-Paket, das die viermalige Deutsche Meisterin da schnüren will. Bislang hat es noch keine Frau an die Spitze eines Bundesligaclubs geschafft. Auch Kemme berichtet von wenig Kooperationsbereitschaft. Also hat sie ein Kompetenzteam mit Experten aus Wirtschaft, Politik und Sport um sich vereint. Seit einem Dreivierteljahr arbeitet "Team Tabea" an einer Vision.

Präsident Kutzmutz: "Ich klebe nicht an meinem Amt"

Kemmes Gegenüber ist Rolf Kutzmutz, der aktuelle Präsident, 73 Jahre alt und in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil: Mann gegen Frau, alt gegen jung, Ost gegen West. Kutzmutz war SED-Funktionär in der DDR, führte später viele Jahre lang die Fraktion der Linken im Potsdamer Stadtparlament. Seit 21 Jahren ist er bei Turbine Potsdam, seit sechs Jahren Präsident. Kutzmutz gilt als bestens vernetzt in der Wirtschaft.

Der Wirbel der vergangenen Monate, so merkt man ihm im rbb-Interview an, nervt: "So eine Situation wie jetzt habe ich, auch in der Intensität, noch nicht erlebt. Mit der ständigen Suche nach Fehlern bei Anderen. Oder in der rechtlichen Prüfung und Androhung, was es so alles gegeben hat." Es ist tatsächlich ein Machtkampf um das Präsidentenamt in Potsdam. Dabei sagt Kutzmutz, er klebe nicht an seinem Amt. Solle er es aber abgeben, dann an jemanden mit einer gewissen Erfahrung: "Ich würde es gerne in Hände übergeben, von denen ich weiß: Da ist schon mal ein Vorstand geleitet worden, eine Versammlung geleitet worden. Da hat man Kenntnis über Finanzen, da weiß man, wie eine Lizenz beantragt wird".

Hingabe für Veränderungen

Niemand solle glauben, dass Kutzmutz, nur aufgrund des fortgeschrittenen Alters, Neuem gegenüber verschlossen sei. Er habe in den letzten 20 Jahren für den Verein mit der Hingabe für Veränderungen gearbeitet: "Ich habe noch nie einen Vorschlag abgelehnt, weil mir die Person nicht gefällt. Wenn, dann habe ich geprüft, ob das in unsere Vereinsstruktur passt, ob das in unsere Finanzen passt und nicht nur kurzfristig ist." Die Nähe zu Fans, Partnern und Sponsoren zeichne ihn aus, so Amtsinhaber Kutzmutz.

Trainer Chahed wünscht sich Tabea Kemme im Verein, in welcher Rolle auch immer

Turbine-Trainer Sofian Chahed will sich aus dem "Machtkampf" heraushalten. Im rbb-Interview sagt er aber, er würde Tabea Kemme gerne wieder bei Turbine Potsdam sehen: "Ich würde mich freuen, wenn Tabea im Verein was machen würde. Weil sie eine Ikone ist, sie ist Olympiasiegerin, hat lange hier gespielt." In welcher Rolle, das sagt der Trainer nicht. Klar scheint aber zu sein: Entweder wird Tabea Kemme neue Präsidentin oder sie kehrt vorerst nicht zu ihrem Verein zurück. Eine Zusammenarbeit mit Rolf Kutzmutz wird es nicht geben. Dafür war der Machtkampf der vergangenen Monate zu aufreibend. Kemme oder Kutzmutz? Die Mitglieder von Turbine Potsdam haben die Wahl. Freitagabend fällt die Entscheidung.

Sendung: Brandenburg aktuell, 18.06.2021, 19.30 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

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