Interview | Hockey-Nationalspieler Martin Häner - "Ich genieße es, deswegen habe ich meine Karriere verlängert"

Martin Häner bejubelt ein Tor im Trikot der Nationalmannschaft. Bild: picture alliance/dpa | Frank Uijlenbroek
Audio: Inforadio | 11.06.21 | Karsten Steinmetz | Bild: picture alliance/dpa | Frank Uijlenbroek

Zum Karriereende ist Martin Häner noch einmal zu Hochform aufgelaufen. Am Donnerstag, beim 3:2-Sieg im Halbfinale gegen England, traf der 32-Jährige zur deutschen Führung. Zuvor hatte der Berliner die Nationalmannschaft mit seinem Siegtreffer beim 6:5-Sieg gegen Frankreich im letzten Vorrundenspiel überhaupt erst in die Runde der letzten Vier gebracht. Das Turnier in Amsterdam ist für Häner der vorletzte Auftritt im Nationalmannschaftstrikot.

Nach den Olympischen Spielen in Tokio wird der Verteidiger vom Berliner Hockey Club seine Laufbahn beenden - auch im Verein. Vor dem Finale am Samstag (12:30 Uhr) gegen Gastgeber Niederlande spricht Martin Häner im Interview mit rbb|24 über die Chancen auf den EM-Titel, seine Rolle in der Nationalmannschaft als "ganz alter" Spieler und die Zeit nach seiner Karriere.

Zur Person

Der Berliner Martin Häner (Jahrgang 1988) durchlief die Jugendmannschaften des Deutschen Hockey Bunds und wurde 2005 Teil der Herren-Nationalmannschaft. Für den Großteil seiner Karriere spielte er für den Berliner Hockey-Club. Er wurde 2009 Juniorenweltmeister und 2011 Europameister. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London holte die Mannschaft Gold. In Rio erreichte die Mannschaft den dritten Platz. Häner plant seine Karriere nach den Olympischen Spielen in Tokio zu beenden.

rbb24: Herr Häner, es ist das erste EM-Finale seit 2015 für die deutsche Herren-Nationalmannschaft. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Martin Häner: "Wir sind natürlich sehr happy, dass wir es endlich mal wieder geschafft haben, ein Halbfinale zu gewinnen. Wir haben uns hier vorgenommen, während der EM zu einer Siegermannschaft zu werden, auch mit Blick auf die Olympischen Spiele. Aber jetzt ist erstmal der absolute Fokus auf die EM und da wollen wir natürlich den Titel gewinnen."

Wie sehen Sie denn die Chancen: Sind die Niederländer im Finale schlagbar?

"Auf jeden Fall! Wir haben im Gruppenspiel ein sehr starkes Spiel gegen die Holländer gemacht, haben zwar 2:0 hinten gelegen aber dann noch 2:2 gespielt. Wir haben auch im März schon zwei Mal gegen sie gespielt und da zwei Mal gewonnen. Es ist eine Mannschaft, die sicherlich mit uns auf Augenhöhe ist und die wir auch schlagen können."

Sie selbst sind ja schon lange dabei und haben viel Erfahrung. Wenn Sie damit jetzt auf die aktuelle Mannschaft schauen, was macht diese aus?

"Ich glaube, wir haben es über das letzte halbe Jahr geschafft , ein absolutes Team zu entwickeln, bei dem die Mannschaft im Vordergrund steht und nicht einzelne Persönlichkeiten. Vielleicht auch sogar durch Corona, wo man sehr viel unter sich war, nur mit der Mannschaft trainiert hat und wenig Länderspiele hatte (Anm. d. Red.: für Kaderathleten war das Gruppentraining auch während des Lockdowns teilweise erlaubt). Wir haben viel Spaß daran, zusammen auf dem Platz zu stehen und zu performen. Das merkt man in den Spielen, auch gestern gegen die Engländer. Da war ein absoluter Siegeswille, mit viel Kampf. Vielleicht war es in der zweiten Halbzeit nicht das beste Spiel von uns, aber man hat gesehen, dass sich jeder für den anderen reingehangen hat und deswegen sind wir gerade auch so erfolgreich."

Wieviel Spaß haben Sie persönlich?

"Ich genieße das auf jeden Fall, deswegen habe ich meine Karriere auch verlängert. Weil es einfach schön ist, in dieser Mannschaft zu spielen und wir noch die Europameisterschaft und die Olympischen Spiele vor der Nase haben. Mit dieser Mannschaft, mit diesen Spielern, die sich alle dafür einsetzen, miteinander zu spielen, macht es sehr viel Spaß."

Welche Rolle nehmen Sie persönlich innerhalb des Teams ein, fungieren Sie auch als Ansprechpartner für Spieler und Trainer?

"Wir haben eine gewählte Gruppe, die heißt "Captains Corner". In die wurde aus allen Altersbereichen, von den ganz Alten, den Mittleren und Jungen jeweils einer gewählt, und da bin ich auch mit drin. Ich bin mit meiner Erfahrung, vor allem mit Blick auf Olympia, was ja für viele noch sehr neu ist, natürlich ein Ansprechpartner. Aber auch in meiner Rolle auf dem Platz: Im Hockey gibt es meistens einen freien Innenverteidiger, der die Ansagen über taktische Sachen macht. Da habe ich natürlich ein sehr lautes Auftreten auf dem Platz und es gibt immer wieder junge Spieler, die sich an mich wenden. Wir sind aber mittlerweile so gefestigt, dass die jüngeren Spieler auch so sehr gut performen."

Wenn die Mannschaft so gut funktioniert bei dieser EM, kann man mit Ihnen dann auch bei den Olympischen Spielen rechnen?

"Es ist schon erstmal so ein kleiner Wink. Wir hatten wenig Länderspiele und wussten nicht so richtig, wo wir stehen. Wenn man sich jetzt das Halbfinale anguckt, dann waren das vier von sechs Ländern aus unserer Gruppe bei den Olympischen Spielen (Anm. d. Red: Das deutsche Team mit eingerechnet). Wir haben mit England, Belgien, Holland eine sehr europäische Gruppe. Und da sehen wir jetzt, dass wir auf jeden Fall auf Augenhöhe sind, mit dem Finaleinzug. Vielleicht sogar vor einigen Ländern, bei denen wir noch vor einem halben Jahr gedacht hätten, dass die etwas stärker sind. Aber Olympische Spiele sind schon nochmal etwas anderes. Die Bedingungen werden ganz anders sein. Es sind auch noch ein paar Wochen, da wird es noch ein paar Entwicklungen geben. Um bei Olympia erfolgreich zu sein, müssen wir sicher auch noch einen Tick besser spielen, als hier."

Wie geht es für Sie persönlich nach Olympia weiter?

"Danach habe ich mal Zeit für meine Familie. Ich werde definitiv sowohl im Verein, als auch in der Nationalmannschaft meine Karriere beenden und dann endlich Zeit für die Familie haben und auch in meinem Beruf, ich bin ja Assistenzarzt in der Unfallchirurgie des Martin-Luther-Krankenhauses, da will ich natürlich auch mal etwas mehr anwesend sein."

Ein Leben ohne Hockey, ist das denn wirklich denkbar?

(Zögert kurz) Ja. Es wird komisch werden, aber ich freue mich auch, um ehrlich zu sein. Ich hatte mich vom Kopf her ja schon letztes Jahr vorbereitet, da war es eigentlich geplant nach den Olympischen Spielen aufzuhören. Jetzt hat sich das um ein Jahr verzögert, in der Zwischenzeit bin ich ein zweites Mal Vater geworden. Also, es gibt genug, worauf ich mich freue. Es wird sicherlich komisch, aber ich freue mich wirklich auf die Zeit danach."

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview führte Karsten Steinmetz, rbb sport.

Sendung: Inforadio, 11.06.2021, 12.15 Uhr

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