Berliner Skateboarderin Lilly Stoephasius - "Wenn der Contest losgeht, fällt alles von mir ab"

Die Skateboarderin Lilly Stoephasius bei einem Event 2019. Bild: imago-images/Moritz Müller
Bild: Video: Abendschau | 11.06.2021 | Friedrich Roessler

Die Berliner Skateboarderin Lilly Stoephasius hat sich mit der Qualifikation für die Olympischen Spiele einen Traum erfüllt. Als 14-Jährige ist sie schon dreimalige deutsche Meisterin und hat noch höhere Ziele. Von Friedrich Rößler

Ihre dunkelblonden schulterlangen Haare wehen unter ihrem Helm im Fahrtwind, wenn Lilly Stoephasius sich die Rampe auf ihrem Skateboard herunterstürzt. Elegant geht die gerade erst 14 Jahre alt gewordene Berlinerin in die Knie und holt Schwung für den nächsten Absprung. Mit einer vollen Körperumdrehung fliegt sie über einen Vorsprung in der Skatehalle Berlin-Friedrichshain und setzt sofort zum nächsten Trick an. Die pure Fahrfreude steht ihr ins Gesicht geschrieben, auch wenn sie sich sehr auf ihr Training konzentriert.

Lilly Stoephasius

Deutsche Meisterin Disziplin Park 2018, 2019 und 2021

Zweite bei der Vans Park Series 2019

Dritte bei der World Skate Vert WM 2019

- Deutsche Meisterin Disziplin Park 2018, 2019 und 2021
- Zweite bei der Vans Park Series 2019
- Dritte bei der World Skate Vert WM 2019
- Deutsche Meisterin Disziplin Park 2018, 2019 und 2021
- Zweite bei der Vans Park Series 2019
- Dritte bei der World Skate Vert WM 2019
- Deutsche Meisterin Disziplin Park 2018, 2019 und 2021
- Zweite bei der Vans Park Series 2019
- Dritte bei der World Skate Vert WM 2019

Backside Air und Kickflip Indy

Ihr Lieblingstrick sei gerade der "Backside Air", erzählt Lilly. Dabei springt die Skateboarderin aus der Anlage heraus, greift in der Luft mit der Hand an ihr Board, während sie eine halbe Körperdrehung macht, und setzt dann ihre Fahrt fort. Je höher der Sprung, desto besser die Bewertung dieses Standardelementes.

"Ich würde gern den Kickflip Indy beherrschen", ergänzt die Teenagerin, gelandet habe sie ihn schon mal. Bei diesem Stunt dreht sich das Skateboard in der Luft um die Längsachse und vor der Landung muss das Brett mit der Hand angefasst werden. "Ich hoffe, dass ich den Trick sicher schon in Tokio zeigen kann", sagt Lilly.

Gerade was das Erlernen und Beherrschen von Skate-Elementen betrifft, zeigt die Berlinerin laut Selbstauskunft eine erstaunliche Ausdauer. "Wenn ein Trick beim 100. Mal nicht geklappt hat, dann habe ich ihn nochmal und nochmal gemacht." Bis sie es eben geschafft hat.

Ihre Skate-Leidenschaft wurde sehr früh geweckt. Während andere Kinder mit Fußball oder Volleyball ihre erste Sportart entdecken, stand Lilly Stoephasius schon mit elf Monaten zum ersten Mal bei ihrem Papa mit auf dem Brett. Mit drei Jahren fuhr sie dann alleine los.

Spaß am Skaten nie verloren

"Angefangen hat es damit, dass wir zusammen Skateboard gefahren sind und ich ihr das ein bisschen beigebracht habe", erinnert sich Lillys Vater Oliver Stoephasius. Die vierköpfige Familie springt auch mal auf dem Trampolin rum oder fährt Snowboard im Winterurlaub - alles ideale Bedingungen für ein gutes Gleichgewichts- und Skate-Gefühl. "Dann wurde sie irgendwann sehr schnell sehr viel besser, auch als ich es je war", erzählt Oliver Stoephasius weiter.

Mittlerweile trainiert seine Tochter zusammen mit dem Bundestrainer Jürgen Horrwarth bis zu 15 Stunden in der Woche in der Skatehalle Berlin-Friedrichshain. Horrwarth beschreibt Lillys Skatestyle als "locker, solide und eine gute Mischung aus verschiedenen Skateelementen". Den Spaß am Skaten hat sie aber nie verloren. "Skaten ist für mich in aller erster Linie ein Hobby, was ich gern mache, mein Lifestyle." Neben ihres Frühstarts bringt sie vor allem eine erstaunliche Fokussierung auf den Wettkampf mit sich. Lilly liefert immer unter Druck am besten ab. "Im Contest bin ich immer voll entspannt und stelle meistens meinen ersten Run gleich hin."

Befreites Fahren im Wettkampf

Bei Wettkämpfen haben Skateboarder*innen oft nur wenig Zeit, sich an den Wettkampfort zu gewöhnen. Nach einer kurzen Einfahrzeit geht es oft zügig in den Qualifikationslauf. In 40 Sekunden muss dann alles sitzen, um eine Runde weiterzukommen. Wer nicht liefert, fliegt raus. "Wenn der Contest losgeht, fällt auf einmal alles von mir ab und ich fahre ganz befreit." Warum das so sei, könne sie sich nicht erklären, sagt Lilly.

Diese Gabe hat der Berlinerin schon drei deutsche Meistertitel in der Disziplin Park eingebracht und auch international machte sie auf sich aufmerksam. 2019 wurde sie in Spanien Dritte bei der WM und Zweite bei der EM in Frankreich. "Das ist ja auch ein großes Plus, wenn man relativ jung schon einsteigt und keine Berührungsängste haben muss, dass man jetzt mit den Besten der Welt an den Start geht", sagt Bundestrainer Horrwarth.

Mit der Olympia-Qualifikation von Lilly haben beide ihre selbst gesteckten Ziele längst übertroffen. Den Ton im internationalen Ranking geben sonst andere Nationen wie die USA, Australien, Brasilien oder Japan an. "Ich möchte dann in drei Jahren mal um eine Medaille fahren oder bei einer WM was holen", sagt Lilly.

Kleine Überraschung

Momentan herrscht viel Trubel um die junge Berlinerin. Da sind Trainer und Eltern gefordert, der Berliner Skateboard-Hoffnung Ruhe zu verschaffen, damit sie sich bestens auf die Olympischen Spiele vorbereiten kann. Druck machen ihr weder die Eltern noch der Bundestrainer. Aber für eine kleine Überraschung möchte sie dann schon in Tokio sorgen. Kein Wunder, bei so viel Freude am Fahren.

Sendung: Abendschau, 11.06.2021, 19.30 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Richtig cool das Mädel. Ich wünsche ihr viel Spaß und Erfolg.

  2. 1.

    Sehr cooles Mädel - Hauptsache, sie hat viel Spass an der Sache, wenn sie dabei auch noch Erfolg hat, umso besser :-))

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