Nach UEFA-Absage für München - Berliner Olympiastadion erstrahlt zum Deutschlandspiel in Regenbogen-Farben

Das Olympiastadion in Regenbogenfarben. (Quelle: olympiastadion.berlin)
Audio: rbb|24 | 22.06.2021 | Christoph Meyer | Bild: olympiastadion.berlin

Das Münchner Stadion darf beim EM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn nicht in Regenbogen-Farben leuchten. Für die UEFA ist das ein politisches Zeichen und verstößt gegen Richtlinien. In Berlin wird dieses Zeichen dagegen am Mittwoch gesetzt.

Neben mehreren deutschen Fußballstadien werden auch das Berliner Olympiastadion und die Mercedes-Benz-Arena während der EM-Partie zwischen der deutschen Nationalmannschaft und Ungarn am Mittwoch (23.06) in Regenborgenfarben erstrahlen. "Wir setzen uns gerne für Menschenrechte ein und wollen, wenn es um das Thema Homophobie geht, ein Zeichen setzen", sagte der Sprecher der Olympiastadion GmbH, Christoph Meyer, am Dienstag dem rbb.

Ab Mittwoch, 21 Uhr in Regenbogen-Farben

Wie Meyer erklärte, soll das Olympiastadion zum Anpfiff um 21 Uhr in buntes Licht getaucht werden. Dies ermögliche die im vergangenen Jahr neu eingebaute LED-Anlage im Stadion-Dach. Das Olympiastadion verfüge deutschlandweit über das erste vollfarbige Flutlicht. Die Entscheidung sei der Geschäftleitung leicht gefallen, da sich das Olympiastadion sich nicht das erste Mal an so einer Aktion beteilige. "Wir waren schon beim letzten Christopher-Street-Day dabei und haben das Stadion in Regenbogenfarben getaucht", so Meyer.

Auch Hertha und Union wollen sich beteiligen

Auch Bundesligist Hertha BSC will sich mit einer Aktion beteiligen [herthabsc.com]. Schon in der vergangenen Woche hatte der Verein vor der Geschäftsstelle eine Regenbogenfahne gehisst. "Wir werden aber auch die Aktion morgen Abend ebenfalls über unsere Social-Media-Kanäle unterstützen", sagte Hertha-Sprecher Markus Jung dem rbb.

Der 1. FC Union Berlin kündigte an, sich ebenfalls mit kleinen Aktionen beteiligen zu wollen, so Union-Sprecher Hannes Hahn. Welche das sein sollen, darüber werde noch beraten.

Senat befürwortet Beleuchtungsaktion

Sport- und Innensenator Andreas Geisel (SPD) stehe hinter den geplanten Aktionen. "Ein starkes Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit. Ein Zeichen, dass hoffentlich weit über Berlin hinausstrahlt", sagte er dem rbb. "Es ist gut und richtig, dass das Berliner Olympiastadion zum EM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn in Regenbogenfarben erstrahlt. Damit setzt Berlin anders als die UEFA ein Zeichen für Vielfalt, Akzeptanz und Menschenrechte", fügte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hinzu.

Keine Regenbogen-Beleuchtung am Brandenburger Tor

Dagegen wird das Brandenburger Tor während der EM-Begegnung der deutschen Fußball- Nationalmannschaft in München gegen Ungarn nicht in Regenbogen-Farben erstrahlen. Das teilte Senatssprecherin Melanie Reinsch am Dienstagabend mit. "Die Stadt hat
heute ein wichtiges Signal gegen jegliche Form von Homophobie gesetzt: Berlin wird zum Deutschlandspiel am Mittwoch das Olympiastadion in den Regenbogenfarben erstrahlen lassen." Die Stadt stehe für Freiheit und Weltoffenheit. "Ausgrenzung und Diskriminierung hat hier keinen Platz". Das Brandenburger Tor wird demnach aber nicht illuminiert.

Die "Berliner Zeitung" hatte zuvor berichtet, dass der Senat über die Beleuchtung nachdenke. Auf einer Sitzung des Senats am Dienstag sei darüber nicht diskutiert worden, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) auf einer anschließenden Pressekonferenz. Dass es in Berlin einen Regenbogenkiez gebe und der U-Bahnhof Nollendorfplatz mehr oder weniger permanent in Regenbogenfarben erstrahle, schmücke diese Stadt, sagte Kollatz.

Protest gegen ungarisches Gesetz

Hintergrund des geplanten Protestes ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt und das erst am Dienstag vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. Das Gesetz gilt als besonderes Anliegen von Ministerpräsident Viktor Orban. Entsprechend laut war die Forderung nach einem klaren Zeichen bei der Fußball-EM in Deutschland geworden.

Berliner Sportsoziologe kritisiert UEFA

"Dieses Gesetz in Ungarn ist dezidiert dazu da, um Schwule und Lesben zu diskriminieren", sagte der Berliner Sportsoziologe Gunter Gebauer dem rbb. Es sei wichtig, dass die anderen Länder Europas dagegen aufstünden. Man wisse, dass es im Publikum Fraktionen gibt, die Schwule verächtlich machten, so der ehemalige FU-Professor. Es sei ganz wichtig - und da stehe normalerweise jeder vernünftige Fußballverband und -verein dahinter, "dass man die schwulen Spieler, die sich in großen Teilen gar nicht zu outen wagen, schützt und ihnen die Möglichkeit gibt, ihren Fußball auszuüben", sagte Gebauer. Es gehe um Freiheit und Persönlichkeitsrechte.

Die Proteste von Sportlern gegen Rassismus und Diskriminierung hätten in letzter Zeit zugenommen. Wohl auch, so Gunter Gebauer, weil Sportereignisse vermehrt in Länder vergeben würden, die nicht demokratisch seien. Es sei für die großen Verbände wie UEFA, FIFA und IOC ein sehr leichtes Unterfangen, autokratisch regierte Länder zu finden, die um jeden Preis diese Spiele haben wollten und auch bereit seien, dafür alles zu tun. "Sie tun das aber nicht für die Menschenrechte und das ist eine gefährliche Politik, die vonseiten der großen Sportverbände betrieben werden", so Gebauer weiter.

Sendung: Inforadio, 22.06.2021, 12:00 Uhr

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141 Kommentare

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  1. 141.

    "Soll nun der FCB rechtswidrig einspringen und entgegen dem Mieterwunsch handeln?"
    Ja.
    Das macht ja Zivilcourage oder zivilen Ungehorsam aus.

  2. 140.

    Nein lieber Lothar/Lotte... das war kein Eigentor... das war sowas von Abseits von sabubu... Wir stehen noch ganz am Anfang was die Gleichstellung ALLER Menschen angeht.

  3. 138.

    Was für ein Krimi... und jetzt noch kurz das Stadion mit Regenbogen... danke. :-D

  4. 137.

    Selber Mumpitz, das Gesetz ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. https://www.tagesschau.de/ausland/europa/orban-eu-em-101.html

  5. 136.

    Bis der Schiri eine regenbogene statt der gelben Karte zieht... :-DDD 1 x hätte er schon.

  6. 135.

    ich hoffe, nun haben alle sexuell irgendwie denkenden ihr plattform gehabt.
    das olypiastadion ist für mich jedenfalls kein ort um diese sachen auszutragen.
    ich sage da auch "pfui" für dieses "regenbogengehabe".
    sport ist sport sowie es auch die uefa sieht. alles andere kann ja gerne "irgendwo" ausgetragen werden.
    wie sieht eigentlich die heterofahne aus? ....und wo wird diese einmal gehisst? - oder ist dies schon "out"?

    gruß

  7. 134.

    So, Schluss mit Politik, jetzt wird gespielt.

  8. 133.

    Mumpitz, es sollte eine ganz konkrete Kritik gegenüber Ungarn sein. Und zwar gegen ein Gesetz des dortigen Parlaments. Das hat leider nichts mit allgemeinen Einschreiten für Menschenrechte zu tun, sondern ist sehr konkret, und daher politisch. Und warum soll die UEFA gegen ein ungarisches Gesetz ein deutsches Stadion leichten lassen?

  9. 132.

    Zitat: "Und wenn Ungarn die Gesetze jetzt dahingehend ändert, dass Homsexuelle so wie in Katar oder Saudi-Arabien
    behandelt werden, müsste eigentlich wieder Stille einkehren. Denn Katar und Saudi-Arabien werden von der EU ja nicht mit dieser Vehemenz angegangen wie Ungarn."

    Mir zumindest ist nicht bekannt, dass Katar und Saudi-Arabien Mitglieder der EU sind und dementsprechende Verträge wie Ungarn unterschrieben haben, die diskriminierende Gestzgebungenm, wie sie gerade vom Ungarischen Parlament beschlossen wurden, auschließen. Aber vlt. wissen Sie ja mehr darüber, Peter.

  10. 131.

    "...wenn wir bei jedem sportlichen Wettstreit in einer Wertedebatte die Nationen missionieren wollen, ..."

    Sie empfinden das einfordern der allgemeinen Menschenrechte als "missionieren"?

    Ich glaube sie müssen noch viel über Menschenrechte lernen.

  11. 130.

    Man kann hier sehr klar sehen wie der deutsche Medienrummel in unserem Land die Macht übernommen hat, diese Fußballhasser versauen einem sogar die EM.

  12. 129.

    Das Stadion gehört der Tochterfirma des FCB. München kann da kein Licht anknipsen. Der OB hat es beim aktuellen Mieter beantragt. Soll nun der FCB rechtswidrig einspringen und entgegen dem Mieterwunsch handeln? Bleiben Sie doch mal bei Recht.

  13. 128.

    Und wenn Ungarn die Gesetze jetzt dahingehend ändert, dass Homsexuelle so wie in Katar oder Saudi-Arabien
    behandelt werden, müsste eigentlich wieder Stille einkehren. Denn Katar und Saudi-Arabien werden von der EU ja nicht mit dieser Vehemenz angegangen wie Ungarn.

  14. 127.

    Warum steht dieser Artikel überhaupt noch auf der Sportseite? Mit Sport hat das alles nichts mehr zu tun, es gab mal eine Zeit da war Sport noch da um Menschen zusammenzubringen.

  15. 126.

    Ist ja alles schon bunt. aber mal so nebenbei. Was kostet dieser Spass ?

  16. 125.

    Fußball! Ganz genau! Es reichen schon die die vielen Menschen, die da zusammen kommen in der corona ( ja! Wir haben niedrige Zahlen und wann kommt Delta) Zeit. Politik nicht auch noch da. Man kann ja immer außerhalb eine Demonstration anmelden und damit Flagge zeigen. Aber bitte Corona geschützt.

  17. 124.

    Nee - Köpenick geht nicht...
    ...aber nicht das Thema...

    Ich meine, dass bunt-angeleuchtete Stadien ein gutes und wichtiges Zeichen sind...

    ...ein viel besseres und stärkeres Zeichen wäre es aber, wenn ALLE Zuschauer die Regenbogenfahne schwenken würden. Bunt in den Stadien - prima...

    ...und nucht umsonst taucht braun im Regenbogen nicht auf...

  18. 123.

    Die Aktion ist okay.
    Ich habe gestern Abend den "total geknickten" Münchner OB im Fernsehen gesehen, wie er fast unter Tränen bedauert, dass die "böse" UEFA das Anstrahlen verbietet.
    Ich wäre so stolz auf ihn und vielleicht sogar Herrn Söder gewesen, wenn sie gesagt hätten: "Liebe UEFA, ihr könnt uns mal!".

    Das wäre Zivilcourage auf höchster Ebene gewesen. (Von Otto Normalverbraucher wird diese ja immer wieder mal gefordert.)

    Was hätte die UEFA denn schon machen können?
    Das Turnier abbrechen?
    Eine Strafzahlung gegen den DFB aussprechen?
    Das deutsche Team von der weiteren EM ausschließen?
    Oder was sonst?
    Der Mut, es einfach mal darauf ankommen zu lassen, fehlt eben allen Beteiligten.

    Jeder Spieler könnte für sich die Entscheidung treffen, nur aufzulaufen, wenn das UEFA-Verbot aufgehoben wird.
    Klar, es würde ein bisschen wehtun. Aber so ein Protest wäre ehrlicher als das seichte Gerede auf einer PK.

    Übrigens: Ich bin Fußballfan und drücke den Unseren die Daumen!

  19. 122.

    Jeder soll so leben wie er will, nur Kaspertheater hat beim Fußball nichts zu suchen. Die sollen das tun für was die antreten bei der EM. Die sollen die Nation stolz machen und den Titel holen.
    Mit welchen Recht will Deutschland ständig andere Nationen bevormunden?

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