Frances Herrmann auf dem Weg nach Tokio - "Sich international zu messen, ist unbezahlbar"

Speerwerferin Frances Hermann beim
Audio: Antenne Brandenburg | 01.06.2021 | Andreas Friebel | Bild: IMAGO / Beautiful Sports

Mit einer Silber-Medaille hat die Cottbuser Para-Sportlerin Frances Herrmann ihr Ticket für Tokio gelöst. Keine Selbstverständlichkeit nach einer längeren Auszeit: erst wegen eines Babys - dann wegen Corona.

Frances Herrmann ist eine echte Kämpferin. Zwei Medaillen hat die Cottbuserin bei Paralympischen Spielen gewonnen. Im Sommer in Tokio soll eine dritte dazukommen. Am Dienstag qualifizierte sich die 31-Jährige dafür - mit Silber bei der Europameisterschaft der Para-Leichtathleten im polnischen Bydgoszcz.

Zuvor hatte sie sich nach der Geburt ihres Kindes eine längere Auszeit genommen. Herrmann muss schon ein bisschen grübeln, angesprochen auf ihren zuvor letzten Wettkampf. "Das war die Weltmeisterschaft Ende 2019. Das ist also doch schon eine Weile her." Zu diesem Zeitpunkt war sie im vierten Monat schwanger. Nur ganz wenig Menschen wussten davon. Weil ihre Ärztin aber grünes Licht gab, fuhr die Speerwerferin zur WM und verpasste eine Medaille knapp.

Coronabedingt fiel die Baby-Auszeit dann sogar etwas länger als geplant, denn Wettkämpfe gab es nicht. "Wir haben die Zeit gut gemeistert. Ich konnte mich sogar mehr auf ihn konzentrieren, als es mir lieb war. Aber es war schön, auch wenn es anders geplant war." Denn bei der Geburt ihres Sohnes ging Herrmann noch davon aus, dass Tokio im Sommer 2020 stattfinden würde. "Im Nachhinein kam mir die Verschiebung doch sehr entgegen."

Mit 17,16 Metern zu Silber

Doch nun ist die Pause vorbei. Wochenlang trainierte die gehbehinderte Powerfrau im Cottbuser Sportzentrum. Um nach Tokio zu kommen, musste ihr Speer bei knapp 17 Metern landen. Das ist die Qualifikations-Norm. "Das muss ich auch werfen, um international an meine Leistungen anknüpfen zu können. Wenn ich nur 15 Meter werfe, gewinne ich keinen Blumentopf", sagte sie vor dem Wettbewerb am Dienstag. Es wurden 17,16 Meter Silber - nur überholt von der Finnin Marjaana Heikkinen (17,85).

In einem speziellen Stuhl, der im Boden verankert ist, wirft die Cottbuserin den Speer hunderte Male pro Woche. Viel lieber würde sie aber den Diskus werfen. Damit gewann die Sozialarbeiterin 2008 bei Paralympischen Spielen Silber. Doch ihre Klasse wurde vor einigen Jahren gestrichen. Herrmann fokussiert sich jetzt also auf den Speer und holt damit 2016 in Rio Bronze.

Und in Tokio? So weit will die Lausitzerin noch nicht schauen - denn 2021 hat nicht gut für sie begonnen. Sie erkrankte an Corona. "Durch meine eigene Corona-Erkrankung bin ich nicht auf dem Punkt, wo ich eigentlich sein wollte", sagte Herrman. "Ohne Pause wäre ich weiter. Aber ich glaube, dass es trotzdem noch gut werden kann." Aber das war vor der Silber-Medaille.

"Ich freue mich auf die EM", blickt Herrmann nach vorne. "Nach so langer Pause wieder in einem Stadion vor Leuten zu sein und sich international zu messen, ist unbezahlbar. Und etwas ganz anderes, als fast allein im Sportzentrum zu trainieren."

Sendung: rbb Inforadio, 31.05.2021, 15:15 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

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