Kutzmutz wiedergewählt - Kemme scheitert im Kampf um Präsidentschaft bei Turbine Potsdam

Sa 19.06.21 | 15:08 Uhr
  11
Tabea Kemme scheitert im Kampf um die Präsidentschaft bei Turbine Potsdam. / imago images/Eibner
Audio: radioeins | 19.06.2021 | Interview mit Tabea Kemme | Bild: imago images/Eibner

Sie wollte die erste Frau an der Spitze eines Frauenfußball-Bundesligisten werden - und ist knapp gescheitert: Tabea Kemme fehlten bei der Wahl um das Führungsamt bei Turbine Potsdam am Freitag wenige Stimmen. Der Amtsinhaber darf weitermachen.

Es war ein verbissener Zweikampf um das Spitzenamt bei Turbine Potsdam - mit dem besseren Ergebnis für den Amtsinhaber: Rolf Kutzmutz hat sich am späten Freitagabend auf der Mitgliederversammlung gegen Tabea Kemme durchgesetzt und bleibt Präsident des Frauenfußball-Bundesligisten. 110 Stimmen entfielen auf den 73-Jährigen, Kemme bekam 100.

Kemme: "Für mich persönlich enttäuschend"

"Auch wenn das Wahlergebnis für mich persönlich enttäuschend ist, zeigt es doch die Notwendigkeit, den Verein Turbine Potsdam zu erneuern", schreibt die 29-jährige ehemalige Turbine- und Nationalspielerin in einem Statement, das rbb|24 vorliegt. "Das Ergebnis ist nun auch Auftrag an die neu gewählten Gremien [...], die offen zu Tage getretenen Spaltungen zu beseitigen."

Ihre Kandidatur habe offengelegt, "dass der Generationswechsel im Verein nicht mit dem notwendigen Ernst angegangen wird." Das knappe Abstimmungsergebnis zeige, "dass Fairness und Transparenz, sportlicher Ehrgeiz und Verantwortungsbewusstsein endlich angekommen sind."

Angetreten für modernere Strukturen

Kemme hatte im März ihre Kandidatur angekündigt und wollte dem Verein modernere Strukturen verleihen. Für diese warb sie vor allem auch in den sozialen Netzwerken. "Wir wollen wieder international spielen mit Turbine Potsdam. Die Grundlagen dafür hat der Verein, aber wir müssen sie optimieren", hatte die 29-Jährige am Tag vor der Wahl rbb|24 gesagt.

Die Nachwuchsarbeit müsse verbessert werden, die jungen Talente dürften nicht weggehen. "Auch die erste Mannschaft muss wieder für internationale Spielerinnen attraktiv sein." Die "100 Stimmen für den sportlichen Aufbruch" machten sie nun stolz, schrieb sie nach der Wahl - zum Sieg reichten sie aber eben nicht ganz.

Kutzmutz: "Ich biete allen die Zusammenarbeit an"

Stattdessen geht Rolf Kutzmutz in seine dritte Amtszeit. Der 73-Jährige ist seit 21 Jahren bei Turbine Potsdam und seit sechs Jahren Präsident des Klubs. "Das Ergebnis hat mich sehr mit Freude erfüllt, weil wir sehr gekämpft haben und ich auch persönlich", sagt er im Gespräch mit rbb|24. Nun steht er vor der Aufgabe, den in dem wochenlangen Machtkampf zerstrittenen Verein zu einen. "Ich biete allen diese Zusammenarbeit an. Ob sie mich gewählt haben oder nicht. Es geht nämlich um Turbine und nicht um einzelne Personen."

Tabea Kemme wird vorerst nicht Teil der Zukunft von Turbine sein. Sie selbst nehme den Ausgang der Wahl sportlich und werde sich weiter für den Frauenfußball engagieren, schrieb sie in ihrem Statement. In Potsdam ziehe sie sich aber zurück, bestätigt sie am Samstagmittag dem rbb. Sie zeigte sich frustriert über den Umgang bei Turbine - auch am Freitagabend bei der Mitgliederversammlung. Sie beklagte mangelnde Fairness bis zum Schluss.

Sendung: Inforadio, 19.06.2021, 15:15 Uhr

11 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 11.

    Eine Fehleranalyse des Ist-Zustandes und die Lieferung eines Konzeptes ist das eine, aber knapp zu verlieren und aus dieser Position heraus sich als sehr starke Stellvertreterin Expertise einzubringen, ist das Zweite und hätte spätestens in drei Jahren oder sogar recht bald zu einem haushohen Sieg als Nachfolgerin geführt. So was nennt man Plan B einer Strategie. Frau Kemme, sie sollten einige Berater wechseln, denn die Hand des Siegers wegzuschlagen, ist sehr naiv. Warum haben sie nicht sofort als Vizepräsidentin kandidiert ? dann wäre die Tür nicht mehr von innen verschlossen . Eine Revolte war das nicht, Herr Meck (FAS/jetztFocus) und Herr Müller ( JF Company) . Schade um die Programmatik ihrer Pläne, Frau Kemme. Ich bin sehr traurig.Bleiben sie lernfähig und aktiv. Die Entwicklung bleidt rasant und fordert alle, auchb den vermeintlichen Sieger.

  2. 10.

    Mehr Weltfremdheit kann es ja kaum geben. Ein Fußballverein ist keine Austragungsstätte im Geschlechterkampf, sondern ein Verein, in dem Fußball gespielt werden sollte…

  3. 9.

    sehr trauriger Wahlausgang, der extrem nachdenklich macht. Ein über 70jähriger hält krampfhaft an seiner Macht fest und blockiert damit einen notwendigen Generationen- und auch Perspektivwechsel innerhalb des Vereins. So wird halt weiterhin vor sich hin gewurstelt und Turbine wird auch zukünftig maximal auf Platz 4 der Buli einlaufen, wenn überhaupt.

  4. 8.

    Was soll diese Wahl? Ein Frauenfußballverein gehört von einer Frau geführt, Punkt.

  5. 7.

    Herr Kutzmutz, Sie müssen sich schon die Frage gefallen lassen warum der Verein zerstritten ist. Alte Männer wollen keinen Führungswechsel? Die Ü 70 Generation bestimmt über den Sport der jungen Generation? Fehler erkannt? Und noch ein Kutzmutz Zitat: "Ich halte an diesen Posten nicht fest". Na ja, wer es glaubt. Manche Menschen verstehen nicht, das ihre Zeit vorbei ist.

  6. 6.

    Frau Kemme ist ein Vorbild.
    Der ehrenwerte alte Herr hätte auch sagen können: "Gute Idee, mach das, ich geh auch hier in Rente aber unterstütze dich wo ich kann." Schade...
    Dranbleiben, Tabea!

  7. 5.

    Auch ein Platzregen beginnt mit einem ersten Wassertropfen. Der Sport braucht mehr Tabea's!!! Nicht aufgeben bitte.

  8. 4.

    Das war es dann wohl mit turbine. Altherren-Verein

  9. 3.

    Schade. Aber trotzdem ein richtungsweisendes Ergebnis! Ich hoffe, dass nun alle an einem Strang ziehen und das optimale für Turbine rausholen. Toi, toi, toi für die neue Saison. Kopf hoch!

  10. 2.

    Ein Verein wird nicht von denjenigen verändert, deren Macht er stützt. Es ging zuletzt um Macht und Kontrollverlust und nicht darum, wie der Fußball in Potsdam in Zukunft sein soll. Ein Generationswechsel wurde nie angegangen , nie gedacht und nie danach gehandelt.
    Kenne hat das schonungslos offengelegt und Angebote zur Veränderung gemacht.
    Dazu braucht es dringend Persönlichkeiten wie Tabea Kemme, die neue Ideen mitbringen. Die für Werte wie Transparenz und Offenheit, Gleichberechtigung und Fairness einstehen. Kenne gewinnt Menschen, die das ausstrahlen, was den Fußball ursprünglich ausmacht: Spielfreude und Teamgeist. Turbine hat eine große Chance vertan.

  11. 1.

    Ich bedauere es sehr, dass Tabea es nicht geschafft hat. Es beweist auch das gewisse ältere Vorstandsmitglieder nichts von Erneuerung halten geschweige von Frauen in Führungspositionen.

Nächster Artikel