Vor dem Start des Tennis-Turniers - Satellit Rittner lotst die Tennis-Elite nach Berlin

Barbara Rittner schaut in die Luft auf der Tribüne des Steffi-Graf-Stadions. Bild: imago-images/Behrendt
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Am Samstag startet das Berliner Rasen-Tennisturnier in seine Premiere. Zum ersten Mal seit 2008 geht es im Steffi-Graf-Stadion um Ranglistenpunkte. Das hat der Tennis-Standort auch Barbara Rittner zu verdanken. Die Turnierdirektorin ist bestens vernetzt in der Szene.

Barbara Rittner hat schon einiges erlebt im Tennis. Als Spielerin gewann sie 1992 an der Seite von Steffi Graf und Anke Huber den "Federations-Cup" mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien, 22 Jahre später führte sie die deutschen Damen um Angelique Kerber als Teamchefin noch einmal ins Finale des Wettbewerbs. Inzwischen ist Rittner im deutschen Tennis omnipräsent. Ob als Bundestrainerin, als TV-Expertin oder in ihrer neuesten Rolle: Als Turnierdirektorin beim WTA Turnier in Berlin.

WTA Turnier in Berlin

Das Steffi Graf Stadion bei einem Spiel. Bild: imago-images/Bernd König
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Berlin als Austragungsort für ein hochklassiges Damen-Tennisturnier hat Tradition. Bereits von 1979 bis 2008 fanden die German Open im Stadion des LTTC Rot-Weiß im Grunewald statt, damals wurde noch auf Sand gespielt.

Ab 1986 dominierte Steffi Graf das Turnier, sie gewann es neun Mal in elf Jahren. 2004 wurde das Tennisstadion auf der Anlage auch deshalb in Steffi-Graf-Stadion umbenannt. Darin wird auch jetzt wieder gespielt, nur der Belag hat sich geändert: Das neue Turnier findet auf Rasen statt.

Die "bett1open" finden erstmals vom 12.-20. Juni statt, ab 11 Uhr beginnen die Spiele im Steffi-Graf-Stadion.

Rittner holt die Topspielerinnen nach Berlin und freut sich auf Kerber

Mit einem Jahr Verspätung durch die Corona-Pandemie feiert das neue Damen-Tennisturnier im Grunewald ab Samstag (Spielbeginn um 11 Uhr) seine Premiere. Am Wochenende finden noch die Qualifikationsrunden statt, Montag beginnt das Turnier so richtig, am 20. Juni findet das Finale statt. Für eine Woche sind im Steffi-Graf-Stadion einige der besten Spielerinnen der Welt zu Gast - immerhin fünf aus den aktuellen Top-Ten der WTA-Rangliste. Dafür ist Barbara Rittner maßgeblich verantwortlich. Denn sie ist der Satellit des neu geschaffenen Rasen-Turniers: Direktorin, wichtigste Presse-Ansprechpartnerin und Kontaktperson für die Spielerinnen. Sie ist bekannt auf der Tennistour und hat ein gut gefülltes Telefonbuch.

Besonders wichtig waren ihr neben den internationalen Topstars auch "local heroes". Mit Angelique Kerber und Andrea Petkovic schlagen deshalb die wohl bekanntesten deutschen Tennisspielerinnen in Berlin auf. Auch wenn die beiden nicht in ihrer besten Karrierephase sind, war ihre Teilnahme Barbara Rittner besonders wichtig - aus Markensicht und persönlich: "Mit denen verbindet mich viel, ich kenne sie seit 15 Jahren", sagt Rittner und ergänzt: "Wenn Angie Kerber im Steffi-Graf-Stadion aufschlägt hat das ja schon alleine von den Namen etwas Großes: Das sind die Namen zweier Deutscher Wimbledon Siegerinnen." Und Wimbledon ist auch das Turnier, an das sich die Veranstalter des neuen Berliner Turniers andocken wollen. Beide Turniere finden auf Rasen statt, der Grunewald soll sich als perfekter Vorlauf zum heiligen Rasen etablieren auf der Tour.

Für die Top-Spielerinnen verkleinerte Rittner das Turnier

"Unser Finale ist eine Woche vor Wimbledon. Viele Spielerinnen wollen unmittelbar vor Wimbledon gar nicht mehr so viel spielen, weil das Spiel auf Rasen eine besondere Beanspruchung des Körpers ist", erklärt Rittner. Sie ist deshalb überzeugt, dass das Turnier in Berlin eine ideale Position im engen Terminkalender der Tennis-Tour hat und verspricht: "deshalb wird das Turnier auch immer gut besetzt sein." Als in diesem Jahr die French Open vom Veranstalter spontan um eine Woche nach hinten verschoben wurden (die Finals finden an diesem Wochenende statt), entschied Rittner kurzerhand, das Teilnehmerinnen-Feld von 32 auf 28 Spielerinnen zu verkleinern.

"Damit die ersten vier der Setzliste, die ja in Paris vielleicht noch bis zum Schluss dabei sind, ein Freilos haben. Sie hätten dann hier theoretisch erst am Donnerstag ihr erstes Match", erklärt sie. Das sei eben die Erfahrung, die sie in ihrer eigenen Karriere als Spielerin und Trainerin gemacht habe, sie wolle "mitdenken", an Dinge, die Spielerinnen wichtig sind. Berlins Rückkehr als Ausrichter für Spitzentennis nach 13 Jahren soll ein Erfolg werden. Das Teilnehmerinnen-Feld, das Rittner und ihr Team für die Premiere in Berlin präsentieren können, ist durchaus hochklassig, auch wenn die ganz großen Namen, Ashleigh Barty und Naomi Osaka kurzfristig abgesagt haben. Das Hauptfeld soll am Sonntag ausgelost werden, Topfavoritin dürfte die Weißrussin Aryna Sabalenka sein. In der aktuellen Nummer vier der Welt sieht Rittner gar eine künftige Grand-Slam-Turniersiegerin.

Angelique Kerber (links) mit Barbara Rittner (rechts) bei einem Fed-Cup-Spiel. Bild: imago-images/Rahn
Gute Beziehungen: Die deutsche Fed-Cup-Spielerin Angelique Kerber hat Bundestrainerin Barbara Rittner höchst persönlich nach Berlin gelotst.Bild: imago-images/Rahn

Eine solche ist neben der bereits erwähnten Angelique Kerber auch die Spanierin Garbine Muguruza. Sie hat ebenfalls schon auf dem heiligen Rasen vom Wimbledon triumphiert. Und ihre Trainerin Conchita Martinez könnte ein Grund sein, wieso sie da ist. Immerhin ist Martinez noch so eine alte Bekannte von Barbara Rittner. Gegen die Spanierin spielte sie 1992 in ihrem Doppel-Match beim Federations-Cup. Der Kontakt ist noch da. "Es werden auch noch ein paar andere ehemalige Spielerinnen hier sein und alle freuen sich, dass dieses Steffi-Graf-Stadion endlich wieder auflebt", freut sich Rittner. Sie wird auch an den Turniertagen von Berlin viel Funkkontakt haben - um im Satellitenbild zu bleiben. Immer da, in Kontakt zu Medien, Sponsoren, Spielerinnen und Freund:innen.

Berliner Organisatoren konnten beim Show-Turnier im vergangenen Jahr lernen

Neben den prominenten Gästen dürfen aber auch immerhin 500 Zuschauer:innen das Tennisturnier an den ersten Tagen besuchen - natürlich unter den inzwischen bekannten Voraussetzungen: getestet, geimpft oder genesen. Zum Wochenende (am 18., 19. und 20. Juni), wenn es um den Titel geht, werden sogar 1.000 Zuschauer:innen erlaubt sein. Für die Turnier-Organisatoren um Barbara Rittner sind die Hygiene-Bedingungen in diesem Jahr schon fast "Routine". Nach der Absage des Turniers 2020, wegen der Corona-Pandemie, hatten sie in Berlin ein Ersatz-Event geschaffen. Es war eine der ersten Veranstaltungen mit Zuschauern, mit strengen Auflagen und futuristisch anmutenden Desinfektionsduschen am Eingang.

"Da konnten wir natürlich enorm viel lernen. Wir hatten damals ein gutes Hygienekonzept und daran haben wir jetzt nochmal gefeilt", erklärt Rittner. Ob in diesem Jahr zur echten Premiere Zuschauer kommen dürfen, stand für sie deshalb nicht in Frage, nur wie viele. Jetzt müssen die erlaubten Plätze nur noch voll werden. Noch sind im Onlineshop Karten zu haben. Ein gut besuchter erster Aufschlag wäre wichtig für die künftige Marke des Turniers und zur Beruhigung seiner Direktorin. Schließlich hat Barbara Rittner für den Turnierstart ein klares Ziel: "Ich werde es einfach nur genießen, wenn es hier endlich los geht." Ans Berliner Tennis-Stadion hat sie auch persönliche Erinnerungen. Auf der Anlage hat sie selbst noch als Jugendspielerin gespielt und strebte einer großen Karriere entgegen. Jetzt soll sie der Tennisanlage im Grunewald zu neuem Glanz verhelfen.

Auch ehemalige Kontrahentinnen wird die Tennis-Networkerin in Berlin wieder treffen. Conchita Martínez zum Beispiel, ihre Gegnerin im Doppel beim Federations-Cup-Endspiel 1992. Die Spanierin betreut eine weitere ehemalige Wimbledon-Siegerin, die in Berlin aufschlägt: Garbiñe Muguruza.

Sendung: Inforadio, 11.06.2021, 11:15 Uhr

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