Nachwuchs-Wasserspringer Tom Waldsteiner - Von der Prüfungsphase ins Sprungbecken

Sprungturm in Rijeka, Kroatien / Ligue Européenne de Natation
Bild: Ligue Européenne de Natation

Mit 19 Jahren gehört Tom Waldsteiner zu Deutschlands besten Wasserspringern. Bei den Finals 2021 Anfang Juni holte er Silber, jetzt misst er sich bei der Junioren-EM mit der internationalen Konkurrenz. Dazwischen war er im Klausuren-Stress. Von Lukas Scheid

Home-Schooling ist für Tom Waldsteiner nichts Neues. Der Wasserspringer gilt seit seiner frühen Jugend als absolutes Top-Talent vom Turm. Unterricht am Bildschirm kennt er deshalb schon aus den Jahren davor, als er regelmäßig zu Lehrgängen oder Wettkämpfen reiste und parallel am Unterricht teilnahm. Doch die vergangenen Wochen waren auch für den 19-jährigen Berliner physisch und mental besonders kräftezehrend. Anfang Juni, als er bei den Finals 2021 in Berlin zusammen mit seinem Sprungpartner Ludwig Schäl Silber im Synchronspringen vom Turm holte, steckte er mitten im Prüfungsstress. Und auch nach dem Achtungserfolg des Nachwuchs-Duos gingen die Klausuren weiter, während Waldsteiner sich bereits auf den nächsten Wettkampf vorbereiten musste.

Inzwischen sind Sommerferien und alle Klausuren geschafft. Für Waldsteiner bedeutet das, dass er sich mit befreitem Kopf der Junioren-Europameisterschaft im kroatischen Rijeka widmen kann. Es wird seine letzte sein, denn im kommenden Jahr wird er nur noch bei den Erwachsenen antreten. "Es ist schön, dass ich das noch einmal mit der Mannschaft, die ich schon seit Jahren kenne, erleben kann", freut er sich auf die EM.

Tom Waldsteiner beim Sprung / picture alliance / DSV | Robert Michael
Bild: picture alliance / DSV | Robert Michael

Abschied vor Traumkulisse

Schöner könnte seine Abschiedskulisse kaum sein. Der zehn Meter hohe Turm, von dem Waldsteiner und Schäl am Donnerstag (24. Juni, 19:20 Uhr) beim Synchronspringen-Finale in die Tiefe rasen werden, steht im Freien – direkt an der Adria-Küste Kroatiens. "Es ist etwas komplett anderes, als in einer Halle zu springen", sagt Waldsteiner, "weil das Sonnenlicht je nach Tageszeit variiert". Man müsse sehr flexibel sein, doch die Kulisse sei beeindruckend, erzählt der 13-fache deutsche Jugendmeister: "Wenn man oben auf zehn Metern steht, kann man die Aussicht auf die Berge und das Meer genießen."

Allerdings hat die Kulisse auch Nachteile. Es ist deutlich heißer als es die meisten Springer gewohnt sind. Schon morgens, wenn die Vorkämpfe stattfinden, sind es satte 30 Grad. Am Donnerstag könnte es bis zu 35 Grad warm werden. Auch Regen kann im Freien ein Problem sein, denn für Sonntag (27. Juni, 18:30 Uhr), wenn Tom Waldsteiners Einzelwettkampf stattfindet, ist leichter Niederschlag angekündigt. "Das hatte ich noch nie. Ich muss gucken, wie ich damit klarkomme," sagt der Bronzemedaillen-Gewinner der letzten Junioren-EM.

"Würde mich über Gold freuen"

Waldsteiners Sprünge zählen zu den schwierigsten im gesamte Starterfeld in Rijeka. Das heißt, wenn er sie sauber bis ins Becken bringt, hat er sehr gute Chancen aufs Podium und vielleicht sogar auf den Platz ganz oben. "Das Ziel ist erstmal, die Bronzemedaille zu verteidigen", gibt er sich noch vorsichtig optimistisch. Das Starterfeld sei stark und man müsse sehen, wer am besten mit den Bedingungen klarkommt, "aber natürlich würde ich mich über Gold freuen", gibt er schließlich zu.

Dass Waldsteiner nicht in Tokio bei den Olympischen Spielen dabei sein kann, hat seinem Selbstbewusstsein allerdings kein bisschen geschadet. "Ich habe es eigentlich von vorneherein schon gewusst, dass es nicht reichen wird, deshalb sehe ich es nicht so eng. Ich bin noch jung und habe Zeit." Sein neuer Traum heißt nun Paris 2024. Bis dahin möchte er sich mit seinem Synchron-Sprungpartner in der internationalen Konkurrenz etablieren und auch im Einzel weiter Erfahrung bei den Erwachsenen sammeln. Und dann wären da noch die Abiturprüfungen im kommenden Jahr. Glücklicherweise hat Tom Waldsteiner viel Erfahrung, wie man Wettkämpfe, Training und Klausurenvorbereitung unter einen Hut kriegt.

Sendung: rbb Inforadio, 22.06.2021, 13:15 Uhr

Beitrag von Lukas Scheid

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