Interview | Basketballer Niels Giffey - "So ein bisschen das Gefühl von Vollendung"

Basketballer Niels Giffey senkt lachend den Kopf (Quelle: IMAGO/camera4+)
Bild: IMAGO/camera4+

Niels Giffey hat Alba Berlin entscheidend mitgeprägt. Nun verlässt der Basketballer den Verein in Richtung Litauen. Doch vorher macht der 30-Jährige noch einen Abstecher zu den Olympischen Spielen nach Tokio.

rbb|24: Niels Giffey, Sie sind Teil des ersten deutschen Basketballteams seit 2008, das sich für Olympia qualifiziert hat. Was bedeutet diese Olympiateilnahme für Basketball-Deutschland und auch für Sie persönlich?

Niels Giffey: Es ist riesig. Ich glaube, gerade für unsere Gruppe, die ja als neue Generation vor ein paar Jahren angefangen hat, im Sommer immer wieder zusammenzukommen und zusammengewachsen ist, bedeutet das extrem viel. Das ist ein extrem wichtiger Schritt und zeigt auch, dass viele von uns bei immer besseren Vereinen spielen oder sogar in der NBA sind.

Ich bin mega gespannt darauf, wie die Erfahrung wird. Ich freue mich auf die Gruppe und unser Team. Für mich selbst muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich es nie auf meiner To-Do-List oder Wishlist hatte. Das war schon eine Art von Überraschung. Ich war nie jemand, der gesagt hat: 'Olympia ist mein absolutes, ultimatives Ziel.' Das war fast außer Reichweite.

Nach dem Finale gegen Brasilien hat man gesehen, wie Bundestrainer Henrik Rödl die ein oder andere Träne verdrückt hat. Und er gilt auch als einer Ihrer Förderer noch aus der Nachwuchs-Bundesliga NBBL. Können Sie erahnen, was ihm das bedeutet?

Für ihn hat es so viel Wert, das mit dieser Truppe zu machen, die in den letzten Jahren so viel in dieses Ziel investiert hat. Er hat es jetzt zu Olympia als Coach und als Spieler geschafft. Das können auch nicht viele Leute sagen. Ich glaube, das ist ein Riesenschritt für ihn.

Jetzt hört man aus Japan immer wieder von neuen Richtlinien wegen der Pandemie. Es wird ein Wettbewerb ohne Zuschauer sein. Hemmt das ein bisschen die Vorfreude?

Auf jeden Fall. Ich finde es sehr schade, aber es ist total verständlich. Da braucht man gar nicht diskutieren. Es ist einfach schade, dass es zu diesem Zeitpunkt immer noch so ist und es wird die Erfahrung, die wir als Athleten haben, natürlich ganz schön einschränken. Wir werden aber trotzdem das Beste daraus machen und wir hoffen so viel von diesem olympischen Spirit wie möglich mitzunehmen und trotzdem noch in Kontakt mit anderen Athleten zu sein.

Wir können uns leider nicht die anderen Spiele live angucken. Man hört die Geschichten von anderen Olympiateilnehmern, die sagen, dass es einer der besondersten Momente war, anderen Topathleten zuzuschauen und ein bisschen 'Greatness' sehen zu können.

Was ist sportlich gesehen fürs Team möglich?

Das Ziel für uns wird sein, das Beste aus unserer Mannschaft rauszuholen und den besten Basketball zu spielen, den wir als Gruppe spielen können. Ich glaube, wir haben uns jetzt im Qualiturnier gesteigert. Wenn wir erfolgreich und auch länger bei Olympia sein wollen, dann müssen wir jetzt nochmal einen riesigen Schritt machen.

Sobald du ausscheidest, musst du zwei Tage später schon wieder das Land verlassen. Das ist eine Extramotivation für uns, um in die nächste Runde zu kommen und auch Olympia weiter wahrnehmen zu können.

Als Ihr Wechsel von Berlin nach Litauen verkündet wurde, haben Sie gesagt: "Ich kann für mich selbst sagen: 'The job is done.'" Worauf hat sich das bezogen und worauf sind Sie besonders stolz in Ihrer Zeit in Berlin?

Ich war jetzt sieben Jahre zusammen mit Alba im Profibereich. Davor war ich als Jugendspieler bei Alba. Es war schon so, dass wir als Verein und als Gruppe, die dort länger war, lange darauf hingearbeitet haben, wieder eine Meisterschaft zu feiern und wieder in die EuroLeague zu kommen. Diese Sachen sind dann wirklich in den letzten zwei, drei Jahren passiert. Wir haben extrem guten Basketball gespielt. Ich hatte so ein bisschen das Gefühl von einer Vollendung. Dass man das Ziel erreicht hat. Dass man es zweimal erreicht hat. Ich hatte da eine ziemlich große Zufriedenheit.

Ihr neuer Verein ist Zalgiris Kaunas. Das ist ein ziemliches Schwergewicht aus Litauen, das ein Serienmeister ist und eine solide Position im europäischen Pokal hat. In Berlin ist Ihr Job erledigt. Welche Rolle werden Sie dort übernehmen?

Auch eine Rolle als älterer und erfahrenerer Spieler. Es ist auch spannend, diese Position als Ausländer mal zu fühlen, weil sich dabei vielleicht auch mal andere Drucksituationen aufbauen. Mir war es wichtig, in ein anderes Team zu gehen, das auch eine gute Kultur hat. Darauf freue ich mich auch sehr.

Inwieweit hat Zalgiris-Trainer Martin Schiller, den Sie auch noch aus der Nationalmannschaft kennen, bei der Entscheidung eine Rolle gespielt?

Er hat eine große Rolle gespielt, weil wir eine gute Beziehung haben. Wir hatten schon eine Vertrauensbeziehung, wo ich weiß, was mich dort erwartet. Ich glaube, dass er weiß, was er von mir bekommen wird. Deshalb war die Entscheidung, ihm da zu vertrauen und auch mit ihm diesen Weg zu gehen sehr, sehr einfach.

Nicht nur Sie verlassen Alba. Vor ein paar Tagen wurde verkündet, dass Petyon Siva auch wechselt. Was bedeutet das für den Verein für die kommende Saison?

Ich glaube, so wie das Programm auch aufgebaut ist, gibt es Jugendspielern immer die Chance zu wachsen. Jetzt haben wir mit mir und Peyton auch Leute, die abseits vom Feld eine Führungsposition hatten. Ich glaube, da werden jetzt Jungs ihren nächsten Schritt machen können. Was das ganze Teamgefüge angeht, gibt es da Jungs, die so ein bisschen die Kultur weitertragen und sich auch einbringen können. Das ist ganz cool.

Herr Giffey, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Shea Westhoff, rbb sport.

Sendung: rbb UM6, 21.07.2021, 18 Uhr

Nächster Artikel