Hertha-Rückkehrer Kevin-Prince Boateng - "Berlin ist definitiv meine letzte Station"

Kevin Prince Boateng (Quelle: imago images/Jan Huebner)
Audio: Inforadio | 02.07.2021 | Dennis Wiese | Bild: imago images/Jan Huebner

Nach 14 Jahren ist Kevin-Prince Boateng zurück bei Hertha BSC. Der Berliner soll der jungen Mannschaft mit seiner Erfahrung helfen, freut sich auf seine Rückkehr ins Olympiastadion und will in der Hauptstadt auch seine Karriere beenden.

Manches ist immer noch so wie damals, als Kevin-Prince Boateng Hertha BSC 2007 verließ. "Zecke ist noch da", sagt der 34-Jährige über Co-Trainer Andreas "Zecke" Neuendorf und lacht. 14 Jahre später ist auch der Stürmer zurück in seiner Heimat. Und er will etwas zurückgeben - dem Verein und der Stadt.

Boateng kennt die Philosophie des Vereins und soll Hertha mit seiner Erfahrung vor einer weiteren schwierigen Saison bewahren. Trotz zahlreicher Stationen im Ausland und großer Erfolge sieht er sich als ein Teil der großen Mannschaft. "Ich bin hier nicht hergekommen und sage: Ich bin Prince Boateng, der Chef. Ich muss jedes Spiel spielen", erklärte er in einer Medienrunde am Freitag. Nach vielen Jahren des Reisens will er zu Hause zur Ruhe kommen, sich in Berlin sogar eine Wohnung kaufen und auch hier seine Karriere beenden. Nach den ersten Trainingseinheiten mit Hertha BSC spricht er außerdem über ...

... seinen ersten Eindruck:

Es ist eine junge Truppe, die braucht Führung. Das wusste ich auch schon vorher und da freue ich mich drauf.

... seine Rolle und Aufgabe als Führungsspieler:

Es kommt immer darauf an, was für ein Charakter in der Mannschaft steckt. Ich glaube, die Jungs brauchen Hilfe. Sie sind alle jung und hatten letztes Jahr eine sehr schwierige Saison. Am Ende haben sie das stark gemacht und Charakter gezeigt. Aber in diese Situation wollen wir natürlich nicht nochmal kommen und deswegen brauchen die Jungs vielleicht manchmal Hilfe von mir, vom Trainer oder von erfahrenen Spielern, die wissen, was man in welcher Situation machen muss. Das wird sich dann herauskristallisieren.

... seine Rückkehr zu Hertha BSC:

Wir arbeiten seit knappen fünf Jahren daran. Ich wollte schon vorher nach Hause kommen und habe jetzt auch gelesen, dass Pal mich vor vier Jahren haben wollte. Er hätte mich einfach anrufen können. (lacht) Aber es gab bei Hertha ein paar Köpfe, die das nicht so gesehen haben oder nicht daran geglaubt haben, dass es klappen könnte oder gut wäre. Daran hat es leider gehakt. Ich war schon vor fünf Jahren bereit, hierher zu kommen.

... den Ablauf des Wechsels

Wir haben vor anderthalb Jahren angefangen, intensiv mit Hertha zu reden, wo wir mit Preetz [Herthas ehemaliger Manager, Anm. d. Red.] Kontakt hatten. Der war aber nicht so überzeugt, was auch okay ist. Dann kam Fredi [Bobic, jetziger Geschäftsführer, Anm. d. Red.] und es war natürlich einfacher, weil wir uns sehr gut kennen. Er hat gesagt, es gibt eine Möglichkeit und dann ging es auch ganz schnell. Ich habe zu ihm gesagt: Ich habe einen Traum, mir nochmal dieses Trikot im Olympiastadion überzustreifen. Dann hat er gesagt, sie werden alles dafür tun, um diesen Traum wahrzumachen.

... seine Zukunftspläne in Berlin:

Ich habe vor, ein bisschen länger zu bleiben. Ich weiß nicht, wie lange es geht, aber es ist definitiv meine letzte Station. Ich habe keine Lust mehr rumzureisen.

... die Entwicklung von Hertha BSC:

Das Positive ist, dass sie sehr viel auf die Jugend bauen, sie ausbilden und ihnen die Chance geben, in jungen Jahren die große Bühne zu sehen. Das war früher nicht so. Wir mussten die Besten in ganz Deutschland sein, um mal die Chance zu haben, bei Hertha zu spielen. Das ist heute anders. Natürlich kommt damit auch etwas Negatives, denn du hast nicht immer die Erfahrung oder Durchschlagskraft auf dem Platz. Hertha hat gesagt, sie wollen in naher Zukunft in Europa spielen. Da brauchst du ein bisschen Erfahrung, Tiefe im Kader. Daran arbeiten alle.

... seine vielen Wechsel und wie ihn diese Zeit verändert hat:

Ich hatte nie Angst, etwas Neues zu machen. Gefühlt habe ich alle sechs Monate den Verein gewechselt. Ich bin auch müde, das muss ich ehrlich sagen (grinst). Ich habe Kulturen und Sprachen kennengelernt, bin erwachsener geworden und habe viele neue Freunde gewonnen. Dieses Rumreisen ist super schön, aber es schlaucht auch irgendwann. Man muss sich adaptieren. Das Glück haben wir als echte Berliner. Wir sind Chamäleons. Das sage ich immer zu meinem großen Bruder George. Wir können uns anpassen, wo auch immer die Reise hingeht. Da habe ich das Glück, dass ich ein Chamäleon bin. (lacht)

Sendung: Inforadio, 02.07.2021, 17:46 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    "Ich bin auch müde, das muss ich ehrlich sagen (grinst)." - hoffendlich pennt er nicht auf der Bank ein.
    Letztlich ist das ganze Interview ein Schmank'l - Die Hertha muss froh sein, einen Spieler zu bekommen, der glaubt, "die Jungs brauchen [seine] Hilfe". Eine solche Einstellung passt zur Überheblichkeit des selbsternannten "Big-City-Club".

  2. 11.

    Ach neeee, der Prinz kommt aus Wedding und das ist der Unterschied zu Khedira?
    Nun, alles andere stimmt dann wohl: lukrativer Ruhesitz in Berlin, statt in der Türkei, China oder USA, Leistungszenit überschritten (sichtbar an der Zeit der Verletzungen und dem Einsatz [Khedira] und nach internationalen 1.Liga-Vereinen endet es in der 2.
    An was erinnert mich Prinz Boateng noch?
    Ach ja, an das brutale Foul an Ballack.

  3. 10.

    Er heißt Kevin-Prince oder kurz Prince. Ist nicht so schwer Gustl, oder ?

  4. 9.

    Boateng war kein Ankauf. Der kommt ablösefrei. Und mit internationaler Erfahrung. Und ja, die Boatengs sind aus dem Wedding. Vergleiche mit Sami K. sind unsinnig. Auch wenn andere hier alles in einen Sack tüten.

  5. 8.

    Andere werben mit Hauptstadt…. Gibt es alles. Big City ist normal. Klingt halt für nichtenglischsprachige etwas fremd. Aber Big Apple, Big Orange sind auch große Städte. Kam der Begriff nicht von Klinsmann? Egal, ist Schnee von Gestern.

  6. 7.

    Nun, was Bobic in Frankfurt machte, hatte nichts mit dem Ankauf von Altkadern zutun.
    Das der Prinz alle hier kennt, kann nur bedeuten, dass er seinen Altenteil Vitamin B zu verdanken hat.
    Nun, nach der Blässe der restlichen Mannschaft, glänzt geradezu der Prinz mit seiner spielerischen Vergangenheit und Vereinen.
    Bleibt zu hoffen, dass er besser ist als Formtief-Krankenstand-Formtief-4min Aunsatz- Formtief-Krankenstand-7min Einsatz-Khedira. (habe ich etwas vergessen?)
    Egal, man redete wenigstens über Khedira ergo über Hertha. Leistnungsmäßig hielten sie ihr Niveau das nicht für die Bundesliga, noch für die 2. reichte.
    Unterstes Mittelmaß.

  7. 6.

    Steile These...

    Demnach wären z.B. alle Kleingartenvereine B C C's... zumindest von einem würde ich behaupten dass ihm dieser selbstverliebte und -verliehene Titel eher peinlich wäre.

    Sei's drum...

    Kliemann
    Bonhof
    Rahn
    Khedira...

    ...der Prince?

    ...mal gucken...

  8. 5.

    Ihr werdet Euch wundern.Er ist ein Berliner Junge.Ist eine starke spielerische und charakterliche Persönlichkeit mit enormer Erfahrung und Präsenz.Menschlich gereift und als Kommentator machte er eine sehr gute fachlich fundierte Figur..Er kennt Hertha,Dardai,Zecke Neuendorf,Bobic und andere .Und siehe Italien, wo so manch alter Haudegen in der Vergangenheit junge Spieler mitreissen konnte und selbst noch auf Spitzenniveau spielen konnte.Dass Preetz damals dagegen war, als er kommen wollte wundert mich nicht.Ich habe von Preetz menschlich und fachlich nie viel gehalten.Er war immer sehr selbstgefällig und hat oft die falschen Personalentscheidungen getroffen.Dardais rückversetzung ins zweite Glied, was ich damals nie verstanden habe.Gegenbauers Liebling eben.Übrigens Bobic weiss was er macht .Das hat er in Frankfurt bewiesen.Wenn er so eine Charaktermannschaft hier zusammenstellt ,dann wird Hertha das, was sich viele über Jahre vergeblich wünschten zur Realität.

  9. 4.

    Wird Hertha zum Gnadenhof? Bin gespannt, ob Boateng in der kommenden Saison wenigstens 5 Minuten länger spielt als Khedira.

  10. 3.

    Worte, die ich schon vor einem Jahr aus dem Mund von Sami Khadira gehört habe.
    Gut, Berlin ist besser, als sein Gnadenbrot in der Türkei, den USA oder in China zu verdienen. Letztlich sind die dortigen Vereine auch schlauer geworden und verpflichten keine abgewrackten Spieler aus Europa mehr.
    Nun, für die Hertha wird auch diese Verpflichtung Lehrgeld sein - wie bei Khedira.
    Der Heiland ist tot, es lebe der Heiland!

  11. 1.

    Der Big City Club ist ja schon seit Jahrzehnten dafür bekannt, dass es auf der Zielgraden der Karriere bei Hertha noch einmal üppig was zu verdienen, bzw. abzugreifen gibt...

    ...bin echt gespannt, ob er noch was bringt....

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