Viktoria Berlin vor dem Drittliga-Start - Gelassen abwarten

Benedetto Muzzicato, Trainer von Viktoria Berlin (imago images/Daniel Lakomski)
Video: rbb UM6 | 24.07.2021 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Daniel Lakomski

Es wird das erste Ligaspiel seit über neun Monaten. Dabei kommen mit dem Aufstieg in die Dritte Liga schon genug Probleme auf Viktoria Berlin zu. Vor allem Trainer Benedetto Muzzicato lässt sich davon aber keinesfalls aus der Ruhe bringen. Von Ilja Behnisch

Dafür, dass Benedetto Muzzicato vor seinem ersten Spiel als Trainer einer Profi-Mannschaft steht und dafür, dass diese Mannschaft seit dem 23. Oktober 2020 keine Ligaspiel mehr absolviert hat, wirkt der Coach von Drittliga-Aufsteiger Viktoria Berlin ziemlich gelassen. "Im Großen und Ganzen bleibt es Fußball", sagt Muzzicato. Und man weiß nicht, was in diesem Moment fester sitzt: sein Basecap, das die lang gewachsenen Haare im Zaun hält oder sein entschlossener Blick.

Dabei ist er keinesfalls grimmig, dieser 42-Jährige, gebürtig aus Bremerhaven, der in sein drittes Jahr geht bei Viktoria und der den Verein in der vergangenen, abgebrochenen Saison der Regionalliga Nordost zu elf Siegen in elf Spielen und ins Berliner Pokalfinale geführt hat. Muzzicato ist schlicht und einfach überzeugt. Vom Verein. Und von sich selbst: "Das ist die Dritte Liga, wir freuen uns. Aber ich hoffe, dass das für mich nicht das Ende ist."

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Trainer Muzzicato will mutig sein

Viktorias Sportdirektor Rocco Teichmann sieht das ähnlich. In der Woche vor dem Auftaktspiel gegen Viktoria Köln (Sonntag, 25. Juli, 13 Uhr im Jahnsportpark) sagt er: "Wir sehen schon, dass der Kader noch optimiert werden muss. Wir haben oft davon gesprochen, dass wir für den vorderen Bereich noch jemanden dazunehmen wollen. Aber grundsätzlich vertrauen wir unserem Kader." Man müsse abwarten, wo man stehe, wolle sich aber "in der Dritten Liga etablieren.“

Bis man weiß, wo man stehe, könne es durchaus ein wenig dauern, so Trainer Muzzicato: "Ich glaube schon, dass man dem ein oder anderen anmerkt, dass er lange ohne Rhythmus war." Zudem sei das Niveau in der neuen Liga natürlich ein anderes, es gäbe viele "gute Klubs, die eigentlich gar nicht in die Dritte Liga gehören." Er wolle trotzdem "unseren Fußball sehen. Ich will, dass meine Jungs agieren. Ich will, dass wir mutig sind."

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Der Torjäger fehlt

Dabei überzeugte in der vergangenen Saison vor allem die Defensive. Lediglich neun Gegentore kassierte Viktoria in den elf Spielen, die vor dem Abbruch der Saison absolviert werden konnten. Eine gute Defensive, sagte der ehemalige Trainer von Juventus Turin und dem FC Chelsea, Maurizio Sarri, einmal, könne man nicht kaufen, die müssen man trainieren.

In der Offensive ist das anders. Weshalb sich die 26 Tore in elf Spielen der Saison 2020/21 zwar anständig lesen aber dennoch aufmerken lassen, bedenkt man, dass Viktorias erfolgreichster Torschütze Kimmo Hovi gerade einmal auf Rang sechs der Torjägerliste lag. Immerhin, mit Tolcay Cigerci kam der zweiterfolgreichste Torschütze der Regionalliga-Saison von der VSG Altglienicke und mithin ein Spieler, dessen Anlagen schon mit geringer Fantasie auch über die Dritte Liga hinausragen.

Das Trainingsgelände ist "eine große Sache"

Von Linksaußen Pasqual Verkamp (von Carl Zeiss Jena) einmal abgesehen, sind die übrigen vier Neuzugänge zwar ebenfalls allesamt ablösefrei, allerdings für die Defensive vorgesehen. Ein Fingerzeig für eine neue Gangart in der neuen Liga soll das allerdings nicht sein, so Muzzicato: "Destruktiv Fußball spielen, um irgendwie Punkte zu sammeln, das wird es nicht geben." Und auch wenn sich im Sturm vermutlich noch etwas tun wird bei Viktoria, der wichtigste Neuzugang ist das inzwischen fast vollständig ausgebaute Trainingsgelände des Vereins, über das der Cheftrainer sagt: "Ich glaube, dass wir damit den nächsten Schritt gemacht haben. Es ist eine große Sache."

Dann setzt er wieder diesen festen Blick auf, die Kiefer zermalmen die folgenden Wörter fast: "Auch wenn noch nicht alles passt. Mit dem Rasen schimpfe ich jeden Tag." Dann lächelt er sanft. Benedetto Muzzicato ist am Ende eben doch vor allem eines: ziemlich gelassen.

Sendung: rbb24, 23.07.2021, 22 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    “(…)und ins Berliner Pokalfinale geführt hat.” Im Pokalfinale der abgebrochenen Saison hat BFC Dynamo gegen BAK gewonnen. Von Viktoria habe ich da nichts gesehen.

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