Hertha legt Vereinsstrategie vor - Aus der Marke soll eine Identität werden

Hertha Pressekonferenz / Hertha BSC via City-Press
Bild: picture alliance/dpa/Hertha BSC via City-Press GmbH | Jan-Philipp Burmann

Hertha BSC will moderner, professioneller und vor allem erfolgreicher werden. Dafür hat sich der Verein in diesem Jahr nicht nur personell neu aufgestellt, sondern nun auch eine langfristige Strategie vorgestellt.

Das Wort Wachstum steht bei der Vorstellung der neuen Strategie des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC über fast allem. Größer, besser und innovativer soll alles werden. Auf dem Weg dorthin sollen neue Talente eingestellt werden und eine Leistungskultur etabliert werden. So haben es der Vorsitzende Geschäftsführer Carsten Schmidt, Sportvorstand Fredi Bobic und Finanzvorstand Ingo Schiller am Donnerstag erklärt.

Zu dieser Leistungskultur gehört allen voran der sportliche Erfolg. "Ich gebe mich auf Dauer nicht damit zufrieden, einfach nur vor mich hinzuarbeiten", sagte Bobic: "Irgendwann wollen wir ins obere Tabellendrittel rein. Dieses Ziel muss man haben." Mit einem ganzen Maßnahmenpaket, bestehend aus sechs Handlungsfeldern und insgesamt 40 Initiativen, will Hertha in den nächsten vier bis fünf Jahren sportlich sowie wirtschaftlich zum oberen Drittel der Bundesligaclubs aufschließen. Dafür müsse der Verein langfristig auf allen Feldern wachsen, so Bobic: "Es geht im Fußball um Nachhaltigkeit."

Hertha will auf die Berliner Jugend setzen

Mit einer eigenen Spielphilosophie wollen die Verantwortlichen bei Hertha in Zukunft dafür sorgen, dass der Verein eine Identität bekommt, mit dem sich Spieler, die Stadt und vor allem die Jugend in Berlin identifizieren kann. Das Wort "Marke" soll dabei nicht mehr verwendet werden, so Klubchef Schmidt. Er selbst habe vor seiner Anstellung in Berlin nicht viel mit dem Verein verbunden. Das solle sich nun ändern, sagte der Manager. Die Spielphilosophie soll deshalb keine Kopie von anderen erfolgreichen Vereinen sein, sondern etwas Eigenes. Berlin sei eine andere Stadt mit einer eigenen DNA, so Bobic, der vorher Eintracht Frankfurt zu sportlichem sowie wirtschaftlichem Erfolg verhalf.

Hertha will innerhalb dieser sportlichen Identitätsentwicklung vordergründig auf die Berliner Jugend setzen, auf der künftig ein größerer Fokus der Scouting-Abteilung liegen soll. Talente sollen ausgebildet und gefördert werden und die zweite Mannschaft soll mehr Rückhalt erhalten. Auch die Kaderplanung soll mit einem größeren Blick auf die Jugend professionalisiert werden. Dadurch erhoffen sich Bobic und Co., dass der Verein auch positiver bei den Berlinerinnen und Berlinern wahrgenommen wird.

Hertha will Pokalmannschaft werden

Zwar ist der vorgestellte Strategieprozess langfristig angelegt, doch einen Einblick in die sportlichen Ziele für die kommende Saison ließen die Herthabosse dennoch zu. Pokalexperte Bobic, der in seiner Karriere als Sportvorstand in Frankfurt und Stuttgart insgesamt drei Mal am Endspiel in Berlin teilnahm, kündigte an, dass auch Hertha künftig eine Pokalmannschaft werden wolle. Zwar mit Demut, aber durchaus mit Ambitionen müsse der Verein seine Ziele setzen. "Wir müssen immer den Traum haben", sagte Bobic. "Wir wollen in dieses Finale, das in unserem Stadion gespielt wird."

Apropos Stadion: Von einem Stadion-Neubau, welchen der Verein seit vielen Jahren anstrebt, ist in dem neuen Strategieprozess nicht die Rede. Das erklärt der Geschäftsführer für Finanzen, Ingo Schiller, mit der fehlenden Einigung über einen Standort. Zwar gebe es auch eine Arbeitsgruppe für das neue Stadion, doch es sei unrealistisch, dass dieses Ziel in den nächsten vier bis fünf Jahren abgeschlossen werden könne, so Schiller. Der Neubau wird vereinsintern jedoch weiter vorangetrieben. "Im Hintergrund arbeiten wir intensiv an Lösungen", heißt es. Aus dem ursprüngliche Plan, bis 2025 in einem eigenen Stadion spielen zu können, wird allerdings nichts.

Hertha BSC startet also abermals mit großem Optimismus und großen Ambitionen in eine neue personelle Ära. Gleichzeitig bremst das Trio vor zu hohen Erwartungen an sofortigen Erfolg. "Wir müssen jetzt erst einmal beginnen", sagt Bobic. Ob und wie der neue Strategieprozess funktioniert, will die Hertha-Chefetage in regelmäßigen Abständen überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

Sendung: rbb Inforadio. 01.07.2021, 16:15 Uhr

9 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 8.

    Union hat schon lange keine Identitätsperson mehr im Kader. Den schwingen auch schon die Millionen um die Ohren. Höhenluft kann oben schon mal ausgehen. Wir haben unsere Jugend für unsere Zukunft und ihr eine abgefackelte Bretterbude. Blau Weisse Grüße aus Lichtenberg. Hier ist der Himmel auch blau

  2. 7.

    ist die strategie" big city club" nicht erst kläglich gescheitert.? die leute, die sich diese strategien ausdenken haben letzte saison nicht ein spiel gesehen, zumindest nicht von hertha

  3. 6.

    Ein wahrer Berliner :)
    Sehe ich im übrigen genauso und freue mich für beide und hoffe auf zwei geile Stadtderbys mit vollen Zuschauerrängen.

  4. 5.

    Und es geht wieder los, alles was bei Hertha passiert ist schlecht und was Union macht ist wunderbar. Das ganze nervt nur noch. Es gibt einen extremen Hype um
    Union oder ist es schon Marketing und bei Hertha wird immer drauf gehauen.
    Soll jeder für sich sein Ding machen und den anderen in Ruhe lassen.
    Und der rbb sollte diese Saison gerne neutral über beide Vereine berichten und nicht wie letzte Saison.

  5. 4.

    Hauptsache, keine identitäre Bewegung ...

  6. 3.

    Artikel richtig lesen !!!!
    Von Marke wird nicht mehr geredet.
    Unioner kümmert euch um eure Baustellen nicht das es schneller runter geht als euch lieb ist.

  7. 2.

    Vielleicht sollten die Fußballbonzen aus Charlottenburg erstmal lernen, dass man nie zu einer Identität kommt, wenn man überhaupt schon mit Begriffen wie "Marke" anfängt. Das wird doch direkt der nächste Luftschuss und die Förster aus Köpenick lachen sich ins Fäustchen.

  8. 1.

    Generell ja mal nicht schlecht. Man müsste nur mal aus dem Tief herauskommen; wir sind ja nicht die Nationalmannschaft.. ;-)) Ansonsten hoffe ich auf eine geile Saison für Hertha und Union!

Nächster Artikel