Energie Cottbus vor dem Saisonstart - Wollitz zum Dritten

Saisonvorbereitung bei Energie Cottbus. / imago images/Fotostand
Video: rbb UM6 | 23.07.2021 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Fotostand

Aller guten Dinge sind drei: Das könnte auch auf den Trainer von Energie Cottbus zutreffen. Claus-Dieter Wollitz hat ein drittes Mal beim Regionalligisten angeheuert. Am Sonntag startet die neue Saison. Eine Bestandsaufnahme. Von Andreas Friebel

Ein Mann der leisen Worte war Claus-Dieter Wollitz noch nie. Konflikten aus dem Weg gehen oder mit seiner Meinung hinter dem Berg halten - das ist nicht sein Ding. Als er im Dezember 2019 Energie nach einem großen Streit verließ, schien ein Comeback völlig ausgeschlossen. Doch er ist wieder da. Denn die alte Klub-Spitze ist weg. "Hier haben Leute mitgeredet, die von diesem Geschäft nichts wissen", sagt Wollitz. "Man könnte sie auch als Totengräber des Vereins bezeichnen."

Sportlich und wirtschaftlich: tiefrot

Um es konkret zu machen. Gemeint ist das alte Präsidium um Matthias Auth, das kurz vor Weihnachten abgelöst wurde. Energie, wirtschaftlich schon länger angeschlagen, habe vor der Pleite gestanden, macht der neue Präsident Sebastian Lemke schon wenige Wochen nach Amtsantritt deutlich. Auf der Mitgliederversammlung Ende Juni folgte noch einmal eine schonungslose Aufarbeitung, des sportlich wie wirtschaftlich enttäuschenden Jahres 2020.

Dass das Geschäftsjahr mit einem Minus von nur rund 130.000 Euro endete, lag an Corona-Hilfen des Landes, Kurzarbeit bei den Profis - und an Geld, das die neue Klub-Spitze in den Verein investiert hatte.

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Inzwischen ist der FC Energie halbwegs stabilisiert. Auch dank neuer Sponsoren sollte eine ordentliche Saison möglich sein. "Bis hierhin sind wir alle zufrieden", sagt Wollitz. "Die Mannschaft tritt überragend auf. Der Verein unterstützt uns überall. Und in der Stadt hat sich die Stimmung wieder zum Positiven hin verbessert."

Wollitz weiß, wie Neuaufbau geht

Das hat auch viel mit ihm selbst zu tun. Auch wenn er ein Trainer ist, der polarisiert, ist er zugleich ein Coach, der in Cottbus erfolgreiche Arbeit abgeliefert hat. Und der weiß, wie ein Neuaufbau eines Teams funktioniert. 2016 und 2019 war Wollitz beim FC Energie in einer ähnlichen Situation. Nach dem ersten Abstieg aus der dritten Liga, brach die Mannschaft im Sommer 2016 komplett auseinander.

2018 erfolgte die Rückkehr in den Profi-Fußball. Nach dem zweiten Abstieg im Jahr 2019 standen die Lausitzer zur Winterpause auf Platz ein in der Regionalliga Nordost. Dann verließ Wollitz den Klub. "Ich glaube, dass die Basis sogar besser ist als damals. Das gibt aber keine Garantie, dass es wieder so läuft wie 2016 oder wie nach dem Abstieg 2019."

 

Guter Kader für die Regionalliga

Mit Basis meint der 56-Jährige seinen Kader. Der ist für Regionalliga-Verhältnisse recht gut besetzt. Tragende Säulen wie Kapitän Jan Koch, Abwehrspieler Matthias Rahn oder Niclas Erlbeck blieben in Cottbus. Dazu kommen erfahrene Kräfte wie Joshua Putze oder Shawn Kauter.

Wobei es um Kauter ein paar Irrungen und Wirrungen gab. Der Berliner tauchte beim Trainingsauftakt aus privaten Gründen nicht auf. Zwei Wochen später kam er dann doch nach Cottbus und entschuldigte sich. "Wir haben alles geklärt. Jeder hat eine zweite Chance verdient", so Wollitz zu dieser Personalie.

Drei, vier Spieler hätte der Coach gern noch, wie er sagt. Denn die Saison ist mit 38 Spieltagen plus Landespokal sehr lang. "Aber viele Jungs warten und schauen, was auf dem Transfermarkt noch passiert." Bis Ende August sind Wechsel möglich.

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Start gegen Luckenwalde

Doch die Konkurrenz hat die Augen offen und schon zugeschlagen. So werden unter anderem Altglienicke und die ehemaligen Drittligisten Chemnitz und Jena sicher vorne mitspielen. "Es wird eng. Es wird knistern", sagt Wollitz. "Deshalb sollten wir abwarten und von Spiel zu Spiel sehen."

Und möglichst gewinnen. Das dürfte in der anstehenden Saison mit dem neuen, alten Trainer deutlich häufiger klappen als in der abgelaufenen Spielzeit, in der Energie zwischenzeitlich sogar auf einem Abstiegsplatz lag. Auch wenn diese durch den coronabedingten frühen Abbruch wenig Aussagekraft hatte.

Der Startschuss für die neue Spielzeit erfolgt am Sonntag (25. Juli, 13 Uhr). Cottbus hat dann gleich ein Heimspiel gegen Luckenwalde. Beide Teams standen sich zuletzt Anfang November gegenüber. Nach dem damaligen 1:1 ging die Regionalliga Nordost in die Zwangspause. Der Rest ist bekannt.

8.000 Zuschauer zugelassen

Nun treffen sich beide Mannschaften wieder im Stadion der Freundschaft. "Alle erwarten einen Sieg. Ich auch. Aber wir müssen sehr schlau sein", warnt Claus Dieter Wollitz. Denn Luckenwalde hat in der Vorbereitung bei Zweitliga-Aufsteiger Rostock zwischenzeitlich sogar geführt, auch wenn es am Ende 1:3 hieß. Außerdem wurde Liga-Konkurrent Fürstenwalde mit 5:1 besiegt.

Fans werden am Sonntag übrigens auch im Stadion sein. Das Gesundheitsamt der Stadt Cottbus hat die Freigabe für 8.000 Besucher erteilt. Ganz so voll wird es aber sicher nicht werden. Energie erwartet zwischen 4.000 und 5.000 Anhänger, die sich aber an strenge Hygienevorschriften halten müssen.

Sendung: rbb UM6, 23.07.2021, 18:15 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich möchte hier mal ein Lanze für Wollitz brechen.Welcher Trainer mutet es sich zu eine Mannschaft vollkommen neu aufzubauen bei dieser recht konfusen Vorgeschichte des Clubs. Viele Trainer wäre das zu riskant und mühsam. Denn dazu gehört schon viel Mut und bedingungslose Liebe zum Fussball. Ich drücke dem Club und " Pele " , wie immer du zu diesem Namen kamst fest die Daumen

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