Spiel- und Datenanalyse im Sport - Die Trainerflüsterer

Herthas Assistenztrainer analysiert Daten (Quelle: imago images/Matthias Koch)
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Audio: Inforadio | 09.07.2021 | Dennis Wiese | Bild: imago images/Matthias Koch

Im Sport spielen Daten in den letzten Jahren eine immer größere Rolle. Wer die richtigen Schlüsse aus der Analyse der Zahlen zieht, kann die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen. Ein Potsdamer Institut erklärt, worauf es dabei ankommt.

Ohne Smartphone und Tablet geht heute nichts mehr - auch im Sport. Bei den Trainingseinheiten der Profis wird jeder Lauf, jeder Pass und jede Chance erfasst und analysiert. Denn die Zahlen geben Aufschluss über viele Dinge. Und: Erfolg ist auch eine Frage der Wahrscheinlichkeit. "Natürlich können Datenpunkte im Einzelfall danebenliegen. Aber auf lange Strecke erhöhst du einfach die Erfolgswahrscheinlichkeit deiner Entscheidung und schlägst im Prinzip immer unsystematisches Handeln", erklärt Dr. Karsten Görsdorf.

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Lieber kurze Videosequenzen statt lange Analysen

Der 42-Jährige gehört zu einem fünfköpfigen Team im Institut für Spielanalyse. Das Unternehmen aus Potsdam arbeitet mit Profisportlern, aber auch mit Nachwuchsabteilungen unter anderem vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), der Basketball- und Volleyballbundesliga zusammen. Er bezeichnet sich und sein Team als Trainerflüsterer. Die Coaches und Spieler kann er mit seiner Datenanalyse unterstützen. Umsetzen müssen es aber schließlich die Spieler auf dem Platz.

Ein gefragtes Mittel dabei: Videoanalysen. Statt eine Stunde lang mit der ganzen Mannschaft verschiedene Szenen auszuwerten, empfiehlt der Sportwissenschaftler aber, den einzelnen Profis lieber kurze Sequenzen zu zeigen. "So ist die Generation heutzutage. Wenn du es ihnen sagst, glauben sie es nicht. Aber wenn sie es sehen, wie auf dem Handy, dann – oh ja, erwischt", weiß auch Fredi Bobic, seit diesem Sommer Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC.

Hertha-Geschäftsführer Bobic: "Da kannst du sehr viel rausholen."

Bobic hält viel von der Arbeit mit den Zahlen, hat damit bereits bei seinem Ex-Verein Eintracht Frankfurt gute Erfahrungen gesammelt. "Da kannst du sehr viel rausholen. Die Trainer finden das immer spannender", meint der 49-Jährige, betont aber auch: "Es gibt eine Datenflut, aber du musst die richtigen Daten für dich rausziehen."

Bobic beobachtet durch die quartalsweise Analyse der Daten, ob und wie sich seine Spieler entwickeln. "Das ist ich nicht nur wichtig für die Profis, sondern auch für die Jugendabteilung."

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Bei Union-Stürmer Max Kruse täuschen die Statistiken

Schlechte Werte allein bedeuten aber nicht gleich einen schlechten Spieler, so Görsdorf. Bestes Beispiel: Union-Stürmer Max Kruse. "Er gehört nicht zu den schnellsten Spielern, er hat nicht die meisten Ballkontakte und ist nicht am meisten auf dem Feld unterwegs", so der Sportwissenschaftler. In den meisten Statistiken war Kruse in der letzten Saison nur unterer Bundesliga-Durchschnitt.

Und doch erzielte der Union-Stürmer letzte Saison in 22 Spielen elf Tore und bereitete weitere fünf vor. Wie kann das sein? "Weil er sich zu bestimmten Timings in bestimmten Räumen aufhält, die sowohl für ihn persönlich als auch für das Team sehr viel Mehrwert bringen", erklärt Görsdorf die gute Ausbeute von Kruse.

In anderen Statistiken schneidet der 33-Jährige zudem sehr gut ab. Denn Kruse zählt zu den Bundesliga-Spielern, die in der letzten Saison am meisten daran beteiligt waren, Torabschlüsse zu kreieren. Dabei schauen die Analysten noch weit vor den Assist. Und dort gebe Kruse Impulse, damit andere Treffer vorbereiten und erzielen, erklärt Görsdorf. Bei jeder Statistik kommt es eben immer darauf an, die richtigen Daten zu betrachten - und vor allem die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Sendung: Inforadio, 09.07.2021,11:15 Uhr

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