Interview | Viktoria-Investor Zeljko Karajica - "Bitte kein Mäzenatentum"

Zeljko Karajica bei Pressekonferenz (Quelle: imago images/CONTRAST/O. Behrendt)
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Audio: Inforadio | 17.07.2021 | Interview mit Zeljko Karajica | Bild: imago images/CONTRAST/O. Behrendt

Viel Geld, aber wenig Geduld - Investoren haben im Fußball nicht den besten Ruf. Zeljko Karajica will mit Viktoria Berlin einen nachhaltigen Weg gehen. Im Interview spricht er über die neue Heimstätte im Jahn-Sportpark und seine Ziele mit dem Verein.

Herr Karajica, ich habe mich mit Ihnen in die Mitte des Jahn-Stadions gestellt und das hat natürlich einen Grund. Wie fühlt es sich für Sie an, zu wissen, dass Viktoria Berlin nach langen Verhandlungen eine Heimspielstätte gefunden hat?

Zeljko Karajica: Wir haben schon vor einem Jahr gesagt, wenn wir aufsteigen würden, wäre so ein Stadion, wie das Jahn-Stadion hier, die exakt richtige Stätte für Viktoria Berlin. Wenn wir das Thema dritte Kraft tatsächlich ernst nehmen wollen, dann muss man ein Stück weit auch irgendwo dahin, wo sich eine dritte Kraft auch etablieren kann. Das ist für uns der Jahn-Sportpark hier.

Wenn man sich hier hinstellt und von der Seite rüber guckt, den Alex im Hintergrund sieht, plus eigentlich 20.000 Sitzplätze – wir starten nur mit 10.000 am Anfang – ist das schon ziemlich perfekt. Insofern haben sich die ganzen Verhandlungen und Gespräche, die wir jetzt drei, vier Monate geführt haben, tatsächlich auch gelohnt.

Zur Person

Zeljko Karajica ist ein Manager und Unternehmer aus Hamburg. Er war Geschäftsführer von DSF und Sport1, später von der ProSiebenSat. 1 TV Deutschland GmbH und 7Sports. 2020 verließ er den Konzern, um sich selbstständigen Tätigkeiten zu widmen.

Zusammen mit seinem Bruder Tomislav Karajica gründete er die SEH Sports & Entertainment Holding, die Anteile an den Fußballklubs SK Austria Klagenfurt und dem FC Viktoria 1889 Berlin hat. Karijica ist außerdem CEO der neugegründeten European League of Football.

Sie haben die Verhandlungen gerade angesprochen. Um den Jahn-Sportpark gibt es große Diskussionen. Die Genehmigung ist ausgelaufen, man war sich nicht sicher, wie es weitergeht. Wie schwierig waren denn die Verhandlungen von Ihrer Seite aus?

Ich glaube, man muss zwei Dinge trennen. Das eine ist die gesamte Gemengelage, die vorherrscht mit Bürgerentscheid und -befragung und all den Themen, die da im Vorfeld stattgefunden haben und den eigentlichen Verhandlungen mit dem Senat.

Ich glaube, in das erstere können wir uns nicht einmischen, weil wir da auch schlicht und ergreifend nichts zu sagen haben. Unser Prozess fing im Grunde mit dem Aufstieg an, als wir begonnen haben mit dem Senat zu reden. Wir waren mit anderen Stadien im Gange, die Lizenz haben wir übers Olympiastadion bekommen, wir waren im Mommsenstadion unterwegs. Wir haben viele Alternativen angeguckt, nur irgendwann hat der Senat gesagt, dass es doch im Jahn-Sportpark geht.

Und wie es beim Fußball so ist, muss manchmal auch an der richtigen Stelle stehen, wenn der Ball kommt, um ihn reinzumachen. Wir haben ihn reingemacht und die Gespräche mit dem Senat sind relativ schnell und sehr, sehr konstruktiv gewesen.

Für die verschiedenen Ligen müssen Stadien bestimmte Bedingungen erfüllen. Hier sind die Flutlichtmasten das große Thema. Da hatte der BFC damals seine Probleme und musste wirklich alles mobil aufbauen. Jetzt soll es neue Masten geben. Die aktuellen sieht man von weitem und weiß, dass es der Jahn-Sportpark ist. Wie wird das dann am Ende aussehen?

Das, was Sie heute sehen, wird demontiert und darauf kommen neue Flutlichter. Ungefähr in der gleichen Gegend. Das, was in den nächsten Wochen passieren wird, ist, dass Kubikmeter für Kubikmeter ausgegraben werden wird, dann werden neue Fundamente gegossen werden und dann werden an den Positionen, die wir heute sehen, irgendwann mal neue Lichter brennen.

Offengestanden haben wir uns noch nicht für die Flutlichtanlage entschieden. Fakt ist natürlich, dass die Charakteristik grundsätzlich erhalten bleiben wird, weil wir es nicht provisorisch im Stadion machen wollen. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich gucken, dass wir den Auflagen gerecht werden. So eine Flutlichtanlage muss bestimmten Ansprüchen genügen. Sowohl von den Sicherheitsbedingungen als auch von den DFB-Auflagen. Das heißt, aus all dem wird es ein Kompromiss sein.

In Berlin haben vorher schon viele versucht, einen Verein zur dritten Kraft zu machen und es hat nicht funktioniert. Warum haben Sie sich für Viktoria entschieden? Was haben Sie in diesem Verein gesehen?

Es gibt immer verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen. Ich meine, man kann schon über Viktoria mit mehr Downs als Ups in der jüngsten Geschichte sagen, was man will, aber wenn man sich anschaut, wie der Verein gestartet ist: der hat Historie, der hat Leidenschaft, der hat Wurzeln gelassen in der Stadt. Es ist der größte fußballspielende Verein in Deutschland. Es ist nicht Bayern München. Es ist nicht Borussia Dortmund. Es gibt keinen Verein in Deutschland, in dem mehr Menschen tatsächlich Fußball spielen.

Auch ohne großes Zutun von irgendjemandem hat dieser Verein eine unfassbar gute Jugendarbeit in den letzten Jahren hervorgebracht. Die jungen Leute sind heute noch da und haben Bock bei Viktoria Fußball zu spielen. Da sind viele Spieler aus dem Umkreis von Viktoria hervorgekommen. Und wenn sie langfristig denken über nachhaltiges Arbeiten, dann spielt das eine Rolle. Der Unterbau ist da.

Und dann ist es natürlich ein Hauptstadtklub. Machen wir uns nichts vor, wir sind mitten in Berlin. Jetzt mal rein makroökonomisch gesehen, war Berlin vor Covid der Hotspot in Europa. Der hat Barcelona, Madrid oder Rom den Rang abgelaufen. Die Leute wollen hier sein und Zeit verbringen. Wir haben in Berlin zwei Erstligisten, aber wir haben danach irgendwie acht Regionalligisten gehabt und dazwischen war gar nichts. Und wir haben gesagt, wenn wir das Ding angehen und hoffentlich einen guten Job machen, dann haben wir hier die Chance, nachhaltig eine dritte Kraft zu etablieren.

Und dann gab es noch diese besondere Situation mit der Insolvenz. Dass man relativ schnell aktiv werden und kurz abwägen musste. Die eine Hälfte war Ratio und die andere war tatsächlich Emotion. Und wir haben uns eigentlich, wenn man ehrlich ist, aus beiden Beweggründen für Viktoria entschieden.

Wenn ich Ihnen zuhöre, fällt das Wort "nachhaltig" häufig.

Ich habe damals in einem Interview gesagt, mir ist es lieber, die U17 und U19 steigen zuerst in die Bundesliga auf, bevor die erste Mannschaft den Weg in die dritte Liga macht. Genau das ist passiert. Jetzt stehe ich heute hier, wir haben ein Stadion und es geht in die dritte Liga und beim Medientraining spielen die drei Spieler aus der U19 schon mit.

Und wenn wir ein bisschen Glück haben, sie mit uns und wir mit ihnen, dann haben wir tatsächlich den Weg für junge Sportler geschaffen, um in den Profifußball zu gehen. Und offen gestanden ist das aus meiner Sicht der einzige Weg, wie so ein Verein wie Viktoria Berlin ohne Mäzenatentum oder irgendwelche Investorenmodelle, die dann doch relativ wild sind, langfristig überleben kann. Das Investment in 13-, 14-, 15-Jährige, die gerne Fußball spielen und dann nachhaltig in den Profifußball wechseln können, ist aus meiner Sicht nachhaltiger und deutlich günstiger, als dann ältere Spieler ohne die Gewähr einzukaufen, ob sie jemals hier funktionieren werden.

Trotzdem braucht es eine Zielsetzung. Ich habe gelesen, als langfristiges Ziel wurde die zweite Liga ausgegeben. Was geben Sie denn diesem Verein, dieser Mannschaft, den Verantwortlichen vor? Sagen Sie, irgendwann in zwei Jahren muss es so weit sein oder halten Sie sich dann doch zurück und sagen Schritt für Schritt?

Wir haben jetzt gar nicht den Druck zu sagen, dass wir in die zweite Liga wollen. Da bedarf es dann verschiedener Parameter, die wir uns noch angucken müssen. Jetzt im Nachhinein zu sagen, wir haben strategisch was geplant... Ja, haben wir. Wir haben auf Jugend gesetzt. Dann kam Covid. Konnte da irgendjemand darüber reden, dass die Saison abgebrochen wird?

Wir haben einen guten Job gemacht, sicherlich. Aber wir haben auch Glück gehabt, da muss man ehrlich sein. Und wir reden über Sport. Wenn ich mich jetzt hinstelle und sage, wir werden in zwei Jahren in der zweiten Liga spielen und dann verlieren wir vielleicht im Playoff-Elfmeterschießen. Haben wir deswegen einen schlechten Job gemacht? Ich glaube nicht.

Wir sind zu lange im Sport, um nicht zu wissen, dass beim Sport zeitlich kurze Vorgaben manchmal nicht wirklich der richtige Berater sind. Bitte kein Mäzenatentum. Das, was auf dem Spielfeld stattfindet, muss sich auch in der Organisation hinter der Mannschaft widerspiegeln. Nur wenn du das parallel mit glattziehst, hast du eine richtige Chance, um mit Rückschlägen umzugehen. Und wenn es dann ein Jahr länger dauert, fliegt der Verein trotzdem nicht auseinander, weil er nicht vom Gutdünken einer Person abhängig. Bis dahin haben wir vielleicht viele Partner, viele Fans, die sich dann auch gerne das Spiel angucken wollen und dabei ein Bier trinken.

Das alles zahlt dann hoffentlich am Ende auf den langfristigen Erfolg ein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Stephanie Bacyzk, rbb sport.

Sendung: Inforadio, 14.07.2021

2 Kommentare

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  1. 2.

    Dann werden Sie schnell "Klatschpappeneventie" vom FC Chemonade Leipzig - Makranstädt 2009 e.RB, eine sterile, seelenlose "Konzernsportgemeinschaft"! Da haben Sie aber ihren Spitzenfussball - mit viel Kommerz, ohne historische Verankerung in der Region.
    Welchen Weg Victoria geht, kann ich (noch nicht) beurteilen.

  2. 1.

    Ich mag Investoren und hoffe dass noch ganz ganz viele mit ganz ganz viel Geld kommen und nein das ist kein Sarkasmus, wir brauchen in Berlin endlich ein paar fähige Spitzenmannschaften !

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