Neuer Alba-Trainer Israel Gonzalez - Gelernt bei einer Lichtgestalt

Israel Gonzalez
Video: rbb UM6 | 18.08.2021 | Dennis Wiese | Bild: imago images/camera4+

Mit Israel Gonzalez stellte Alba Berlin am Mittwoch den neuen Cheftrainer vor. Der steht nun vor der Herausforderung, den überaus beliebten und erfolgreichen Vorgänger Aito zu beerben. Im Vereinsumfeld sagen die Leute: Der schafft das. Von Shea Westhoff

Zunächst wirkte es ein wenig phrasenhaft, wie Israel Gonzalez die Journalisten knapp begrüßte. "Hallo zusammen, ich bin der neue Trainer", sagte der gebürtige Spanier am Mittwochmorgen auf der von Alba Berlin einberufenen Pressekonferenz.

Gonzalez, der neue Trainer. Bereits am Dienstag hatte der Verein das öffentlich gemacht und schon lange vorher hatte festgestanden, dass der 46 Jahre alte Gonzalez eines Tages das Amt des Cheftrainers übernehmen würde. Trotzdem war es nicht ganz überflüssig, den versammelten Pressemenschen diese Botschaft noch mal in Erinnerung zu rufen: Der neue Trainer - das bin nun ich.

Wie soll man aus Aitos Schatten treten?

Zu intensiv wirken die Eindrücke seines Vorgängers Aito Garcia Reneses nach, der im Verein in den vergangenen vier Jahren als regelrechte Lichtgestalt wahrgenommen wurde. Der 74-Jährige gilt als einer der einflussreichsten Basketball-Lehrer Europas. Mehrere aktuelle und ehemalige NBA-Spieler wurden von ihm ausgebildet, sie schwärmen von Aito, der neben großem Verständnis für das Spiel über eine gleichsam wertschätzende wie lebenskluge Führungsgabe verfügen soll. Nicht zuletzt konnte er mit Alba Berlin zwei Meisterschaften, einen Pokalsieg und den Einzug ins Eurocup-Finale feiern.

Zu Wochenbeginn verkündete Aito seinen Rücktritt. Und weil Lichtgestalten lange Schatten werfen, stellt sich die Frage: Wie kann Israel Gonzalez da hinaustreten?

Für Marco Baldi eine Frage, die sich gar nicht stellt: "Es geht nicht darum, Israel mit Aito zu vergleichen", sagte der Alba-Geschäftsführer auf der Pressekonferenz. Und zu Gonzalez gerichtet: "Das ist ein Trainer mit Erfahrung, einer eigenen Persönlichkeit, einem eigenen Temperament, das muss er auch ausleben können - und nicht irgendeinem Schema hinterher laufen, das in den letzten Jahren super erfolgreich war."

Klar ist jedenfalls, dass Gonzalez stark von Aito beeinflusst wurde. Sieben Jahre lang arbeitete er ihm zu, erst als Assistenztrainer bei CB Gran Canaria und Alba Berlin, später noch als "Associated Headcoach". In Berlin hat Gonzalez die offensive, schnelle Spielweise mitentwickelt.

Solide Erfolgsquote als Interimstrainer

Dieses Spielverständnis will Gonzalez in der kommenden Saison weiterverfolgen: "Zügig spielen, schnelle Gegenangriffe, schnelles Umschaltspiel, das liegt uns", sagt er. "Und das ist schön anzusehen fürs Publikum. Diesen Fan-Basketball wollen wir weiter pflegen."

Im Zuge von Aitos Corona-Infektion zu Jahresbeginn leitete Gonzalez das Alba-Team in der abgelaufenen Saison bereits in elf Spielen als Cheftrainer und führte es trotz zahlreicher verletzungsbedingter Ausfälle zu sieben Siegen - unter anderem gegen die favorisierten Klubs Vitoria und FC Bayern.

Alba-Kapitän war zu dieser Zeit Niels Giffey, der im Sommer nach Litauen zu Zalgiris Kaunas wechselte. Er denke gerne an Gonzalez zurück, sagt er: "Ich mag ihn als Person. Er hat eine gute Gelassenheit und einen trockenen Humor." Außerdem erinnert sich Giffey, dass Gonzalez sehr gut auf die Emotionen einzelner Spieler eingehen kann. "Er ist von Aito geprägt", sagt er. Trotzdem werde Gonzalez seinen eigenen Stil als Headcoach finden, zeigt Giffey sich überzeugt.

Unterstützung durch Jaleen Smith?

Cheftrainer eines Basketballvereins zu werden, sei schon sein Traum gewesen, als er in Gran Canaria Sportwissenschaften studiert habe, sagt Gonzalez. Nun sei er stolz, diese Möglichkeit bei Alba Berlin zu bekommen: "Ich werde meinen Job erledigen und versuchen dafür zu sorgen, dass wir so gut spielen wie wir können."

Auf der Pressekonferenz gefragt, was er kommende Saison in der Mannschaft verändern wolle, antwortete Gonzalez schmunzelnd: "Ich glaube, ich habe einen sehr schönen Anzug - wenn ich das Team als Anzug betrachte." Die Farbe sei schön, der Stil gefalle ihm. "Aber vielleicht muss man den Anzug an der einen oder anderen Stelle noch anpassen."

Eine Botschaft an den ebenfalls anwesenden Kader-Planer Himar Ojeda? Dieser vermeldete auf der Pressekonferenz offen: "Wir wünschen uns einen Spieler auf der Position des Guards." Es müsse aber der beste Spieler sein, der gerade verfügbar sei. Auf Nachfrage bestätigte Ojeda, dass jener Spieler aktuell Jaleen Smith ist, der zuletzt für den Liga-Konkurrenten Riesen Ludwigsburg aktiv war und zum wertvollsten Spieler der abgelaufenen Spielzeit gewählt wurde. Mehr als ein Kandidat sei Smith derzeit allerdings nicht, stellte Ojeda klar.

Bessere Spieler bilden ein besseres Team

Hinaustreten aus Aitos Schatten - vielleicht hat Isreal Gonzalez das am Ende gar nicht nötig. Symbiotisch wirkte die Arbeit der beiden Spanier ohnehin. Gonzalez hatte ja auch seinen Teil zum Erfolg der Berliner beigetragen.

Den wichtigsten Ansatz für die Premieren-Saison, übernehme er trotzdem von Aito, sagt Gonzalez: Es gehe darum, geduldig zu sein mit jedem Einzelnen. "Das Spiel baut auf den Spielern auf. Es geht nicht darum, ihnen irgendein System beizubringen, sondern ihnen Dinge nahezubringen, die sie in der Zukunft gebrauchen können. Wenn du bessere Spieler hast, hast du auch ein besseres Team."

Sein persönliches Vorhaben für die kommende Saison formulierte Israel Gonzalez mit einer Metapher: "Ich muss jetzt loslaufen, dann sehe ich, wie der Weg verläuft." Knapp formuliert, aber definitiv nicht phrasenhaft.

Sendung: rbb UM6, 18.08.21, 18.00 Uhr

Nächster Artikel