Olympia in Paris 2024 - Wie Breakdancer in Berlin-Kreuzberg für Olympia trainieren

Bundeskader Breaking beim Battle bei den Flying Steps 8Quelle:rbb)
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Video: rbbUM6 | 30.08.2021 | Friedrich Rößler | Bild: rbb

Von der Straße auf die olympische Bühne: Beim Breakdance geht es künftig um Medaillen. Selbst der neue Bundestrainer muss sich an den Gedanken erst gewöhnen. In einem Kreuzberger Hinterhof zeigen sie schon mal, was sie können. Von Dennis Wiese

Es geht zur Sache in der Flying Steps Academy im Kreuzberger Hinterhof. Ein Crew Battle steht an. Berlins beste Breaker auf der einen Seite, die restlichen deutschen Kadertänzer auf der anderen. Einer nach dem anderen geht in die Mitte und hat seinen Moment, seine Bühne. Die Berlinerin Jilou, 28, mit Pferdeschwanz und Basecap, liebt genau diese Auftritte: "Bei unseren Battles ist viel Feuer drin.

Genau das ist das Spiel, das es ausmacht. "Man kann eine andere Energie haben als draußen auf der Straße. Man kann alles rauslassen, was sich im Alltag anstaut. Aber es ist immer fair. Und hinterher geben wir uns die Hand."

Jilou ist Teil des neu formierten Bundeskaders. Acht Frauen und acht Männer gehören dazu. Auch einen Bundestrainer gibt es für das Breaking. Der Lehrgang in Kreuzberg ist also die Tanzversion davon, wie Fußball-Bundestrainer Hansi Flick seine Kicker alle paar Monate zum gemeinsamen Training zusammentrommelt. Für die "Breaking Athletes" ist es erst der dritte Battle.

Im Dezember 2020 wurde Breaking, das seinen Ursprung in der Hip-Hop-Szene hat, in das olympische Programm aufgenommen. Im Sommer 2024 in Paris wird das erste mal um Medaillen getanzt. Anders als beim Lehrgang in Berlin tritt dann immer ein Tänzer gegen einen anderen an. Bewertet werden etwa die tänzerische Ausführung, Musikalität und die Persönlichkeit des Tänzers.

Bundestrainer Baaden: Vom Hamburger Straßentänzer zum Festangestellten

Erster Bundestrainer im Breaking ist der Hamburger Marco Baaden. Wie viele andere war auch er nicht sofort angetan von der Tatsache, dass ihr Tanz, ihre Kultur, ihre Kunst nun in ein olympisches Korsett gezwängt werden. Wichtig ist den Breakern, dass sie von Anfang an daran beteiligt waren, Breaking olympisch zu machen.

Auch beim Bewertungssystem und der Zusammenstellung der Jury will die Community, so gut es geht, mitreden. Baaden hat sich langsam mit dem Gedanken angefreundet: "Am Anfang war ich kritisch. Ich habe mit Freunden in Hamburg Streetshows gatanzt. Einfach aus Spaß. Da kam dann mal einer auf mich zu und hat gesagt: Toll, was ihr da alles macht, aber wollt ihr nicht mal was Anständiges machen?"

Da habe der heutige Bundestrainer, festangestellt beim Deutschen Tanzsportverband, die Chance gesehen, die die Olympischen Spiele dem Breaking bieten: "Wir haben die Bühne, um zu zeigen, dass das was wir machen nicht nur Graffiti an der Wand ist. Wir können den Leuten zeigen, was für Werte und Normen wir mit unserer Hip-Hop-Kultur haben und ausstrahlen." Breaking sei nämlich nicht einfach nur ein Sport, sondern eine Lebenseinstellung: "Ich gehe damit schlafen und stehe damit auf", so der Bundestrainer.

Im oberen Drittel der Breaking-Welt

Nun geht es also darum, diese Lebenseinstellung für die Olympischen Spiele in Leistungen auszudrücken, für die es am Ende der Wettkämpfe Medaillen gibt. Natürlich gibt es auch jetzt schon internationale Wettbewerbe, Olympische Spiele aber sind komplett neu. Zu sagen, wo sich das deutsche Team mit insgesamt drei Berlinern einordnet, fällt auch dem Bundestrainer noch schwer: "Ich glaube schon, dass wir viel Potential haben. Ich sehe uns im oberen Drittel der Welt. Wir bauen jetzt Strukturen auf, wollen ganz erfahrene Tänzer für das Trainerteam gewinnen. Wenn das alles so klappt, kann das richtig gut werden."

Die Berlinerin Jilou ist dabei als Breaking Athlete ganz besonders wichtig, so Baaden: "Sie hat so viel Erfahrung, hat Vorkenntinsse in der Leichtathletik und im Circus. Sie soll eine tragende Rolle bei uns spielen."

Täglich trainiert Jilou drei bis vier Stunden im Studio der Flying Steps in Kreuzberg an ihrem Tanz, das Meiste aber passiert aus dem Moment heraus: "Viel passiert im Kopf. Es geht draum, dass man etwas Neues kreiert. Dass man auf die Bühne geht und gaubt: ich bin die Beste. Dann glauben das auch die anderen." Vielleicht gellingt das ja sogar bei der Olympia-Premiere 2024.

Sendung: rbbUM6, 30.08.2021, 18 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

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