Berlin Rebels gegen die Potsdam Royals - Zwei ungleiche Duelle

Mannschaft der Berlin Rebels vor Pyro-Show / MAGO / Jan Huebner
Bild: IMAGO / Jan Huebner

Das Football-Derby zwischen den Potsdam Royals und den Berlin Rebels galt stets als Duell auf Augenhöhe. In diesem Jahr sehen die beiden Derbys etwas anders aus, was an der Corona-Pandemie und einem neu gegründeten Konkurrenz-Wettbewerb liegt. Von Lukas Scheid

Ein ganzes Jahr wurde in der German Football League (GFL) kein Touchdown erzielt. Die Corona-Pandemie sorgte auch bei den beiden Vereinen aus Berlin und Brandenburg für eine Zwangspause. Seit Mitte Juni haben die Potsdam Royals und die Berlin Rebels ihren Spielbetrieb wieder aufgenommen. Doch die Nachwirkungen der Corona-Pause wiegen zumindest bei einem der Vereine vor den beiden Derbys am Sonntag (15 Uhr, Mommsenstadion) und am Sonnabend die Woche darauf (18 Uhr, K.-Liebknecht-Stadion) noch immer schwer.

"Wir haben erst drei Wochen vor dem eigentlichen Saisonbeginn vom Land Berlin das Okay bekommen, in Mannschaftsstärke trainieren zu können", erklärt Andreas Riedel, der 1. Vorsitzender der Berlin Rebels. Davor blieb dem Team nur das Einzeltraining, was eine gezielte Saisonvorbereitung nahezu unmöglich machte. "Das haben wir natürlich in den vergangenen Spielen gemerkt", sagt Riedel in Hinblick auf die Verletzungsanfälligkeit der Spieler und die dadurch fehlende Breite des Kaders. Nur ein Spiel aus den bisherigen sechs Saisonpartien konnten die Rebels gewinnen, verloren häufig deutlich.

Unterschiedliche Voraussetzungen vor den Derbys

Entsprechend verschieden sind die Voraussetzungen vor dem Lokalderby gegen den Rivalen aus Potsdam. Die dort ansässigen Royals durften schon früher in das Mannschaftstraining einsteigen und spielen eine gute Saison, ohne Verletzungsausfälle. Vier Siege in fünf Spielen – damit sind die Brandenburger auf einem guten Weg in die Playoffs. "Wir haben die Corona-Phase genutzt, um strukturell ein paar Sachen zu verbessern und uns breiter aufzustellen", sagt Jens-Torsten Müller, Präsident der Royals. Die Jugendabteilung des Vereins habe Nachwuchs in die Männermannschaft gebracht, erklärt er und blickt deshalb positiv auf die zweite Hälfte der Saison.

Das klare Ziel ist das Erreichen der Playoffs, was bei einem Derbysieg und entsprechenden Ergebnissen bei den anderen Spielen bereits am Sonntag erreicht sein könnte. Die Rebels dagegen haben kaum noch Chancen, sich für die Playoffs zu qualifizieren und sind demnach der klare Underdog im Derby. Der Respekt der beiden Vereine füreinander ist dennoch riesig. Riedel von den Rebels beschreibt es als "gutes nachbarschaftliches Verhältnis", welches die beiden pflegen. Müller hat seinen Kollegen in der Woche zwischen den Derbys sogar auf ein Treffen bei einem Getränk eingeladen, um sich mal wieder persönlich auszutauschen.

ELF erschwert die Lage zusätzlich

Bei diesem Treffen könnte auch die neugegründete European League of Football (ELF) und den darin antretenden Verein Berlin Thunder gehen. Die ELF hat die Arbeit mancher Football-Teams, die nicht in der neuen Liga spielen deutlich erschwert. Riedel musste acht Abgänge bei den Rebels verkraften, weil sich der Spielerpool der neuen Liga zu großen Teilen an den Spielern der GFL bedient. Das Verhältnis zwischen diesen Welten, die da aufeinanderprallen ist dementsprechend gespannt, sagt er: "Das eine ist die GFL mit all ihren Regularien, was Sport und Jugendarbeit betrifft. Das andere ist eine rein kommerzielle Liga." Jeder Verein in unmittelbarer Nähe eines ELF-Teams habe Probleme, erklärt der Rebels-Vorsitzende.

Ganz so drastisch sieht Müller die Situation für die Royals zwar nicht, sagt aber, dass auch sein Team "den ein oder anderen Abgang gerade aus der Offense-Line" zu verkraften hatte. Mithilfe der Jugendspieler konnten die Brandenburger die Wechsel jedoch kompensieren und sind laut eigenen Angaben mittlerweile "sehr gut aufgestellt". Darüber hinaus beschäftige man sich nicht mit der ELF oder Berlin Thunder, sondern konzentriere sich auf die eigene Leistung, sagt Müller.

Bei den beiden Aufeinandertreffen der Teams an den kommenden zwei Wochenenden, wird Berlin Thunder oder die ELF allerdings keine Rolle spielen. Der Fokus liegt dann auf den Spielzügen, der Taktik, Offense und Defense. Royals-Präsident Müller erwartet lauffreudige Rebels, sein Kollege aus Berlin rechnet mit einem schweren Fight gegen den übermächtig scheinenden Gegner.

Sendung: rbb Inforadio, 04.08.2021, 14:15 Uhr

Beitrag von Lukas Scheid

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