Ende der Wechselperiode - Der große Transfer-Knaller bleibt bei der Hertha aus

Mi 01.09.21 | 10:32 Uhr
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Fredi Bobic
Audio: Inforadio | 01.09.2021 | A. Kretschmer | Bild: imago images/Noah Wedel

Nach Herthas verpatztem Saisonstart galt der Spielermarkt als rettender Strohhalm. Erwartet wurde ein herausragender Transfer, doch der blieb aus. Jetzt ist das Transferfenster geschlossen. Hat der Kader genug Qualität, um die Wende zu schaffen? Von Shea Westhoff

Wenn Transferperioden sich dem Ende neigen, richten sich die Blicke der Fußballbranche gebannt auf die Bundesligisten. Schlagen sie noch mal auf dem Wechselmarkt zu? Auf welchen Positionen wird noch mal mit einem verheißungsvollen Spieler ausgeholfen? Welchen Star zaubert der Manager diesmal aus dem Hut?

Tatsächlich war der Berliner Hertha am Dienstag genau diese Bühne bereitet: am sogenannten Deadline-Day, dem letzten Tag der Sommer-Transferperiode. Nach dem Bundesliga-Fehlstart mit drei Niederlagen galt es als sicher, dass am Hertha-Kader noch mal gehörig gefeilt würde.

Franzose Maolida kommt aus Nizza

Noch am Dienstagnachmittag trat Pal Dardai zuversichtlich vor die Kameras und berichtete vielsagend, dass er Kontakt hatte mit Manager und Kaderplaner Fredi Bobic: "Heute morgen hatten wir ein gutes Gespräch gehabt. Und wir sind informiert über viele Dinge", sagte Dardai, während ihm die Augustsonne ins Gesicht schien. "Morgen sehen wir, wie es in unserem Kader aussieht."

Wenige Stunden später stellte sich heraus: Im Kader sieht es ähnlich aus wie zuvor. Die Transfer-Ausbeute des Geschäftsführers Fredi Bobic - mau. Nur beim 22 Jahre alten Myziane Maolida vermeldete der Klub erfolgreichen Vollzug. Der Franzose hat beim Fußball-Bundesligisten einen Vertrag über vier Jahre unterschrieben. Der Offensivspieler, der sich vor allem auf der linken Seite besonders wohl fühlt, spielte zuletzt bei OGC Nizza.

Dardai freute sich über den Neuzugang: "Er hat ein Riesenpotenzial. Er ist, kann man sagen, ein guter Flügelstürmer-Angreifer", sagte er. Dardai hofft nun, dass er und der Verein "alles herauskitzeln können aus seiner Kapazität. Weil er hat wirklich was drauf."

Was hatte es mit den 22 Prozent auf sich?

Dabei ging man noch von weit größerem Zuwachs bei der "Alten Dame" aus - und der Verein nährte diese Erwartungen ja auch. Nach Maolidas Verpflichtung zeigte der Klub-Twitteraccount einen Grafik-Balken an, der einen Transfer-Fortschritt von 22 Prozent anzeigte. Dass es sich mathematisch als schwierig erweisen würde, die restlichen 78 Prozent auf volle Spielerverpflichtungen umzumünzen - geschenkt. Fest schien zu stehen: Da kommt noch was.

Am Rande des Testspiels in Steglitz gegen Oberligist SFC Stern (14:0 für den Bundesligisten) hatten sich nachmittags mehrere Journalisten versammelt, sie warteten auf den großen Transfer-Knall. Doch es blieb ruhig. Erst gegen 17:30 Uhr kursierten Medienberichte, denen zufolge der Wechsel von Samu Castillejo, Rechtsaußen beim AC Mailand, unter Dach und Fach sei. Eine Bestätigung des Vereins blieb aus. Laut eines Berichts der Bild-Zeitung hatte man sich bis zur Transfer-Deadline (18 Uhr) nicht mit den Italienern einigen können.

Transfermarkt als willkommene Krücke

Mit der Ankunft von Fredi Bobic und seinem großen Team an Mitarbeitern kam auch die Hoffnung zurück nach Berlin, dass neue Strukturen geschaffen würden und ein zukunftsfähiges Konzept aufgestellt wird.

Wenige Wochen später führen die Herthaner mit null Punkten eine tiefrote Abstiegslaterne mit sich. Trainer Pal Dardai teilte seine Frustration am Wochenende sogar öffentlich in einer Medienrunde: "Wenn einer da ist, ein ganz großer Trainer, geht Pal sofort zurück und trainiert die U16. Ich will hier keinem eine Last sein." Die Reserven schienen aufgebraucht.

Nun galt insbesondere der Transfermarkt als willkommene Krücke für den eigentlich ja sehr zahlungsfähigen Verein aus Charlottenburg.

Welche Taktik verfolgt die Kaderplanung?

Stattdessen verließen mit Matheus Cunha, Jhon Cordoba und Dodi Lukebakio mehrere namhafte Profis den Verein - Spieler, die im Hertha-Trikot zwar durchaus schwankende Leistungen zeigten, aber in der vergangenen Saison eben doch entscheidend dabei halfen, die Klasse zu halten.

Bei den Abgängen dürfte mancher Hertha-Fan unruhig geworden sein: Welche Taktik verfolgt die Kaderplanung? Statt namhafter Zugänge kursierten insbesondere Namen, die sich nicht dem Hautpstadt-Klub anschlossen: neben Castillejo auch Moussa Niakhaté, Ismael Doukouré, Mitchell Weiser.

Die Bühne für den vermeintlichen "Big City Club" war an diesem Tag bereitet. Die Zuschauer gingen ratlos nach Hause - und wachten am nächsten Morgen auch noch mit weiteren Abgängen auf: Tief in der Nacht verkündete Hertha BSC die leihweisen Wechsel der Offensivspieler Javairo Dilrosun und Daishawn Redan.

Der ominöse Grafik-Balken zeigte danach immerhin 100 Prozent an. Jedoch aus ganz anderen Gründen, als sie sich die Fans erhofft hatten.

 

Sendung: rbb24, 31.08.2021, 22 Uhr

27 Kommentare

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  1. 26.

    War das nicht der Große Knaller den Prinzen aufzunehmen?
    Und das 4-Millionen-Schnäppchen aus Nizza?

  2. 25.

    Da war ja selbst Preetz besser !
    Egal ,ob auf dem Platz oder im Management , der BCC
    gibt zur Zeit ein trauriges Bild ab !

  3. 24.

    @restless: Unfug! Über Hertha wird doch nur so viel geredet, weil sich mittlerweile jeder halbwegs Sportinteressierte fragt, was aus dem Verein geworden ist.

  4. 23.

    Hertha ist das neue Schalke. Man denkt, man ist ein großer Verein, gehört aber eigentlich in die zweite Liga.

  5. 22.

    Viel Feind, viel Ehr. Über Hertha wird wenigstens diskutiert, weil der Verein jeden interessiert. Über Union reden nicht mal die eigenen Fans. Die Unionfans feiern nur sich selbst, egal wie Union spielt. Und natürlich das alberne Weihnachtssingen im eigentlich gottlosen Osten ;-))) Also, reden wir alle lieber über Hertha, da ist noch was los und es geht um Fußball. Union oder Hertha, völlig egal. Aber Hertha bewegt eben die Menschen. Weil es der Berliner Verein ist.

  6. 21.

    Bobic und Dufner stellen sich nun als Flop heraus. Nur das Prinzip Hoffnung wird derzeit groß geschrieben, ein guter strukturierter Plan hingegen ist leider nicht vorhanden. Das Versprechen hieß, es soll vieles besser werden als noch zuvor. Pustekuchen! Ein Puls von 60 ist für den Fan besser als ein von 120. Ein kompetenter Manager allerdings auch besser als ZWEI Pflaumen, sowie EIN kompetenter Trainer besser ist als FÜNF, wie wir es in letzter Zeit hatten und noch haben. Irre Hertha, einfach nur IRRE!

  7. 20.

    An der Wortwahl erkennt man immer sehr leicht, aus welcher Richtung der Kommentar kommt. Also, regt euch ab Leute. Hertha und Union werden niemals eine Fanfreundschaft haben. Ignoriert am besten den jeweils anderen Verein, bevor es noch in eine Feindschaft ausartet.

  8. 19.

    ... und was hat Ihr Bericht mit dem Transfermarkt zu tun?? Sticheln können Sie ganz gut aber ob Ihr Kommentar an dieser Stelle richtig ist, mag ich stark bezweifeln.

  9. 18.

    Also grundsätzlich hätte ich auch gedacht dass man da noch was mehr bewegen kann.
    Dass man Spieler wie Redan und Dilrosum (der auch immer wieder mit Verletzungen zu tun hatte) verleiht ist auch in Sinne der Spieler mMn völlig nachvollziehbar.
    Die Verkäufe von Cunha und Cordoba mit einem satten Transferplus sind wohl auch richtig zumal Cunha sowie nach der Olympiade schon mit Hertha abgschlossen hatte und die Euroscheine in seinen Augen unübersehbar waren.
    Ich hätte mir gewünscht dass man in Sturmzentrum nachlegt aber gut.

    Sicher wird Bobic nicht das Geld mit vollen Händen rauswerfen und jeden Preis für Spieler bezahlen die sie nicht Wert sind.
    Und ja, es müssen auch Löcher der Pandemie gestopft werden. es ist nun einmal ein kleiner Unterschied ob ich als Verein nur eine 1. Mannschaft und sagen wir mal ein durchschnittlich arbeitendes Nachwuchleistungszentrum betreibe oder z.B. eine Akademie am Leben erhalten will die regelmäßig Spieler in den Profibereich bringt.

  10. 16.

    Big City Club heißt Großstadtverein . Damit hab ich kein Problem wenn man es nur negativ deutet. Aber was will man von den Hatern erwarten die ihr eigenen Stand abfackeln und deren Ultra's sich an schwächere profilieren wollen (Altglienicke). Wir stehen auch für janz Berlin. Am Ende der Saison wird abgerechnet und wenn ich mich nicht irre habt ihr lange kein Derby ohne Elfer gewonnen. Also Ball flach halten. Außerdem hatte Fredi ja schon vor Wochen gesagt das er keine verrückten Transfers tätigt.

  11. 15.

    Wäre ja auch blöd, wenn sie gegen den Erfolg arbeiten würden... ;)

  12. 14.

    Immer wieder erstaunlich wie sich bei Berichten über Hertha BSC die Fans anderer Vereine, insbesondere die Waldarbeiter, abarbeiten. Wahrscheinlich haben sie woanders nichts zu melden.

  13. 13.

    Da ist ja bei Preetz transfertechnisch mehr passiert. Au weh.

  14. 12.

    Eher am Rande: Man schreibt und sagt NICHT: DIE Hertha oder bei DER Hertha. Es ist eher eine Zugereistenmarotte. Die sagen zu ihren Kinder ja auch: der Luis, die Charlotte.

  15. 11.

    Da ist etwas schiefgelaufen, man hat reagiert und nun geht es weiter - ein ganz normaler Vorgang eben. Bobic und Dardai u.a. arbeiten am Erfolg und wollen etwas zurückgeben... Die Einstellung stimmt schon mal...

  16. 10.

    Katastrophale Transferperiode. Der rbb hat mit diesem Artikel nicht ganz unrecht. Es wurde durchaus Hoffnung auf namhafte Verstärkung gemacht, mit diesem Ladebalken, aber das war eine komplette Ernüchterung. Lukebakio, Dilrosun, Cordoba, Cunha - alle weg. Dafür sind Christensen, Ekkelenkamp, Richter und Maolida gekommen!? Als Stürmer haben wir jetzt nur noch Piatek, Selke, Belfodil und Jovetic? Au man. Was wird denn eigentlich mit den ganzen Milliönchen des Investors gemacht, ich dachte wir haben Kohle? Wenn wir mit diesem Kader absteigen, wundert es mich überhaupt nicht. Vielleicht sollte man lieber wieder keine Zuschauer ins Stadion lassen, dann ersparen wir uns zumindest das Ansehen der nächsten Niederlagen. Und Geld.

  17. 9.

    Fredi Bobic wird auch im stillen Kämmerlein denken, wo bin hier ich nur hingeraten? Was will man machen, wenn die Windhorst-Millionen für andere Zwecke, um die Löcher zu stopfen, ausgegeben worden! Statt für neue Spieler!

  18. 8.

    Nun, wenn Sie die Augen aufmachen erkennen Sie vielleicht, was um Sie herum und in vielen Foren, u.a. auch hier vor sich geht ;-) Für mich sind das viele Stimmen aus Berlin und Brandenburg.
    Und machen Sie sich bitte keine Gedanken um mich. Ich bin gerade sehr zufrieden und glücklich. Menschen wie Sie geben mir die Gewissheit, dass sich bei der ollen Schabracke auch auf Sichtweite nicht viel ändern wird. Realitätssinn steht nicht weit oben auf der Prioritätenliste ;-)

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