Union vor Bundesligastart - Mit halb vollem Stadion gegen die Wundertüte Leverkusen

Do 12.08.21 | 17:06 Uhr
Unions Trainer Urs Fischer beim Testspiel gegen Bröndby Kopenhagen (imago images/Engler)
Audio: inforadio | 12.08.2021 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Engler

Union Berlin startet mit viel Selbstbewusstsein und einem halbvollen Stadion in seine dritte Bundesligasaison. Gegen Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr) kann Trainer Urs Fischer in der Startelf dem Gerüst aus der Vorsaison vertrauen. Von Simon Wenzel

Das Personal

Ist nahezu unverändert zum Pokalspiel gegen Türkgücü München. Nur Sebastian Griesbeck könnte von den Verletzten noch rechtzeitig zum Bundesligaauftakt gegen Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr) zurückkehren in den Kader. "Er konnte das ein oder andere komplette Teamtraining mitmachen", sagte Fischer zum zentralen Mittelfeldspieler. Das heißt auch, dass Fischer einer ähnlichen Mannschaft, wie in München vertrauen könnte.

Trotz vieler Neuzugänge hatte die ein ähnliches Gesicht, wie in der Vorsaison: Mit Marvin Friedrich und Robin Knoche im Abwehrzentrum, Robert Andrich im defensiven und Max Kruse im offensiven Mittelfeld, sowie Stürmer Taiwo Awoniyi kann sich Fischer vor allem in der Zentrale auf eine bewährte Achse verlassen, dazu kamen im Pokal Kapitän Christopher Trimmel und Torwart Andreas Luthe.

Von den dreizehn Neuzugängen konnten sich in der Vorbereitung vor allem Rani Khedira und Andreas Voglsammer empfehlen, spielt Fischer hinten mit einer Dreierkette, muss er sich neben dem etablierten Duo Friedrich/Knoche zwischen Timo Baumgartl und Rick van Drongelen entscheiden. Letzterer stand in dieser Woche mit einer speziellen Schutz-Maske auf dem Trainingsplatz, er hatte sich im Testspiel gegen Hildesheim am Gesicht verletzt.

Es fehlen: Grischa Prömel, Sheraldo Becker, Leon Dajaku, Fabio Schneider (alle Aufbautraining)

Die Form

Union hat in den letzten Wochen viele Erfolgserlebnisse gesammelt, seit der Sommerpause noch kein Spiel verloren. Auch wenn Trainer Fischer noch nicht ganz zufrieden ist, mit den spielerischen Abläufen und Automatismen, seine Mannschaft ist auf einem guten Weg.

Immerhin konnte sie sich bereits früh in der Vorbereitung einspielen - Manager Oliver Ruhnert hatte seine Einkäufe rechtzeitig erledigt. Union kann deshalb selbstbewusst in den Ligastart gehen. Das Pokalspiel gegen Türkgücü meisterten die Köpenicker deutlich souveräner als so manch anderer Erstligist seine Aufgabe, das Endergebnis wirkte mit 1:0 knapper als nötig.

Beruhigend ist außerdem, dass die Abwehr gewohnt stabil steht und Kreativspieler Max Kruse nach seinem Olympia-Abenteuer in München direkt wieder überzeugte. Auf diese beiden Säulen lässt sich aufbauen. Auch Stürmer Taiwo Awoniyi zeigte im Pokal schon wieder, wieso Union ihn unbedingt fest verpflichten wollte: Durchsetzungsstark und mit vielen Ballsicherungen hilft er seinen Sturmpartnern (im Pokal Kruse und Voglsammer).

Spannend wird die Besetzung auf der linken Abwehrseite, wo Neuzugang Tymoteusz Puchacz in der Vorbereitung noch nicht überzeugen konnte. Im Pokal machte Niko Gießelmann seine Sache gut, gegen Leverkusen erwartet ihn allerdings deutlich mehr Offensivdruck des Gegners, gerade über die Flügel.

Der Gegner

Die Vorbereitung lief nicht gerade ideal für Bayer Leverkusen und seinen neuen Trainer Gerardo Seoane [Link: Sportschau.de | Teamcheck Leverkusen]. Ein torloses Unentschieden gegen Freiburg, zwei Niederlagen und nur ein Sieg - gegen Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen. Auch im DFB Pokal überzeugte Bayer, trotz eines letztlich ungefährdeten 3:0-Sieges bei Lok Leipzig, nicht restlos. Vor allem die Defensive bereitet Seoane noch Sorgen, das liegt auch an Abgängen und Verletzungen. Mit Innenverteidiger Edmond Tapsoba und Rechtsverteidiger Timothy Fosu-Mensah fehlen zwei potentielle Stammspieler verletzt, dazu haben die Bender-Zwillinge Lars und Sven im Sommer ihre Karriere beendet.

Immerhin: In der Innenverteidigung hat Bayer hochpreisigen Ersatz besorgt: Für über 20 Millionen Euro verpflichtete Leverkusen im Sommer Odilon Kossounou aus Brügge - er dürfte gegen Union mit Jonathan Tah die Innenverteidigung bilden. Ohnehin muss sich Trainer Seoane mit den genannten Ausfällen in der Abwehr schon länger arrangieren. Neu sind die personellen Engpässe in der Offensive. Lucas Alario und Karim Bellarabi verletzten sich kurz vor Saisonstart und auch Florian Wirtz sei zumindest "sehr, sehr fraglich", wie Gerardo Seoane dem "Kicker" verriet. Das Top-Talent trainiert seit einer Woche nicht, wegen muskulärer Probleme an den Adduktoren.

Unions Trainer Urs Fischer ist sich trotzdem sicher, dass Leverkusen eine "herausfordernde Aufgabe" zum Ligastart wird. Den neuen Bayer-Coach und seine taktischen Vorlieben kennt Fischer übrigens sehr gut. Der Schweizer Seoane trainierte zuletzt drei Jahre lang Young Boys Bern, gewann drei Mal die Schweizer Meisterschaft - das ist seinem Landsmann nicht verborgen geblieben: "Er ist ein Talent unter den Schweizer Trainern", sagte Fischer über Seoane und beschrieb dessen präferierte Spielweise so: "Er versucht fußballerische Lösungen zu finden, Umschaltspiel ist ein Thema. Er hatte bei den Young Boys ein Team mit schnellen Spielern, das gleiche trifft er jetzt bei Leverkusen an."

Unioner im Fokus

Robert Andrich spielt wohl gegen seinen künftigen Arbeitgeber. In Köpenick gilt es als offenes Geheimnis, dass der zentrale Mittelfeldspieler spätestens zur kommenden Saison nach Leverkusen wechselt, seit der "Kicker" vor zwei Monaten darüber berichtete. Dann wäre Andrich ablösefrei, weil sein Vertrag bei Union endet. Ein Wechsel noch in diesem Transferfenster scheint sich nicht anzubahnen.

Vielleicht weil Andrich zu wertvoll für die Köpenicker ist. Jedenfalls hat der zentrale Mittelfeldspieler die gesamte Vorbereitung bei Union absolviert und wirkt im Training nicht, als müsste man ihn zwingen, noch ein weiteres Jahr in Berlin seine Fußballschuhe zu binden. Deshalb dürfte er auch in dieser Bundesligasaison wieder einer der Schlüsselspieler für Trainer Urs Fischer sein - auch gegen seinen vermeindlich neuen Arbeitgeber. Denn zwei der formstärksten Leverkusener spielen in der Mittelfeldzentrale: Im Pokal überzeugten Sechser Kerem Demirbay (zwei Tore) und Spielmacher Nadiem Amiri. Auf Robert Andrich wartet viel Arbeit.

Besonderheiten

Es wird voll im Stadion An der Alten Försterei. So voll wie schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr. 11.006 Zuschauer:innen sind zum Saisonstart erlaubt, mehr waren es zuletzt im März 2020. Das stellt den Verein trotz einiger Testläufe (gegen Bilbao waren 9.000 Fans erlaubt) vor organisatorische Herausforderungen. Christian Arbeit, Unions Geschäftsführer Kommunikation, will deshalb einer möglichen Frustration der Stadiongänger:innen vorbeugen: "Ich bitte jeden, der kommt um Verständnis, dass die Dinge möglicherweise etwas länger dauern. Dass sie möglicherweise etwas länger stehen am Einlass oder am Grill", sagte Arbeit bei der Pressekonferenz.

Für diejenigen, die Karten gekauft haben, könnte sich also lohnen, beim Stadionbesuch etwas mehr Zeit einzuplanen. Weil die Veranstaltungsbranche in den letzten Monaten fast komplett pausierte, habe der Verein außerdem Probleme Aushilfs- und Ordnungskräfte zu finden. Die Durchführung des Hygienekonzeptes sei dadurch nicht gefährdet, versicherte Christian Arbeit. Noch sind die 11.006 Tickets auch nicht komplett verkauft. Am Donnerstag bekommen Mitglieder die Möglichkeit, sich Karten zu sichern, sollten danach noch welche übrig sein, gehen diese Freitag in den freien Verkauf.

Sendung: UM6, 12.08.2021

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