Analyse | 2:1-Erfolg gegen Gladbach - Wie ein stürmisches Traumpaar und eine taktische Innovation Union beflügeln

Stürmisches Traumduo: Max Kruse und Taiwo Awoniyi. / imago images/Camera 4+
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Video: rbb24 | 29.08.2021 | Jörg Hellwig | Bild: imago images/Camera 4+

Mit dem 2:1-Erfolg gegen Gladbach setzt Union eine Serie von nun 18 Heimspielen ohne Niederlage fort. Weshalb Taiwo Awoniyi durchstartet, was an einen italienischen Top-Klub erinnert - und warum trotzdem noch einige Aufgaben warten. Von Till Oppermann

 

Die besten Stürmer der Bundesliga sind Robert Lewandowski, Erling Haaland und Taiwo Awoniyi. Zumindest, wenn man als Bewertungsmaßstab die Torjägerliste nach dem dritten Spieltag heranzieht. Im Sommer verpflichtete der 1. FC Union den 24-jährigen Stürmer fest vom FC Liverpool - man munkelt für eine Rekordsumme.

Sein technisch anspruchsvolles 2:0 beim Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach war bereits Awoniyis drittes Tor in der laufenden Bundesligasaison. Und ein besonders schönes: Nachdem er nach einem Lauf von über 60 Metern zu seinem kongenialen Sturmpartner Max Kruse gespielt hatte, startete Awoniyi in die Tiefe, wurde perfekt von Kruse bedient, um Gladbachs Torwart Yann Sommer zu umkurven und einzuschieben. "Das war wirklich toll gemacht", schwärmt Trainer Urs Fischer nach dem Spiel.

 

Awoniyi und Kruse sind ein Traumpaar

Wer Awoniyi beim Jubeln genau beobachtete, findet zwei Erklärungen für seine herausragende Frühform. Die erste: seine Partnerschaft mit Max Kruse. Nach seinem Treffer drehte sich Taiwo Awoniyi umgehend um und wartete salutierend auf den Passgeber. Auch die Tore gegen Leverkusen und Hoffenheim erzielte er nach einem Zuspiel von Kruse.

Der habe das Spiel einfach verstanden, lobt Awoniyi im Interview mit "DAZN", während er strahlend auf einem Bildschirm die Wiederholung seines Tores guckt. Sobald man mit Kruse spiele, kenne dieser alle Laufwege, so Awoniyi. "Das hilft mir sehr viel." Obwohl sie auf dem Platz mit einer Mischung aus Deutsch und Englisch kommunizieren müssen, scheint jede ihrer Bewegungen perfekt auf den Mitspieler abgestimmt zu sein. "Das Duo ist für uns einfach unfassbar wichtig", fasst Niko Gießelmann zusammen, was wohl jeder Unioner denkt.

 

Endlich angekommen

Gießelmann ist es auch, der direkt den nächsten Grund für Awoniyis Leistungsexplosion anführt: "Taiwo ist unglaublich glücklich jetzt fest in Berlin zu sein." Seitdem Liverpool ihn 2015 aus seiner Heimat Nigeria verpflichtete, wurde Awoniyi sieben Mal verliehen. In Köpenick ist er endlich angekommen, fühlt sich heimisch. Das zeigte sich auch nach seinem Torjubel mit den Mitspielern, als er freudestrahlend den Fans in der Alten Försterei zuwinkte und sie anfeuerte noch lauter zu singen.

Dass der Verein bereit war, ein finanzielles Risiko einzugehen, um ihn zu verpflichten, scheint Awoniyi zu beflügeln. Selbiges gilt für den Rückhalt der Union-Fans und das Vertrauen des Trainers Urs Fischer. Der schätzt an Awoniyi nicht nur seine Torgefahr, sondern auch den unbändigen Einsatzwillen, die Körperlichkeit und sein Anlaufverhalten im Pressing.

 
 

Spielerisch läuft wenig zusammen

Für diese Tugenden ist Unions Mannschaft in der Bundesliga bekannt. Der Sieg gegen Gladbach war das 18. Heimspiel in Serie ohne Niederlage. Jeder wisse, dass es eklig sei, zu Union zu fahren, sagt Gießelmann stolz. Das zeigte sich auch gegen die Borussen. Insgesamt hatten die Eisernen nur 28 Prozent Ballbesitz.

Auch spielerisch lief wenig, außer langen Bällen fiel Union wenig ein, um sich in Richtung des gegnerischen Tores zu kombinieren. Die Passquote lag am Ende bei schwachen 68 Prozent. Gleichzeitig lief Urs Fischers Mannschaft 122,6 Kilometer - ein Spitzenwert. Gehe es um Leidenschaft, um Mentalität, Wille und Solidarität, müsse man seiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen, fordert Fischer. Nach dieser Energieleistung der gesamten Mannschaft fällt es schwer, einzelne Spieler besonders für ihren Kampfgeist zu loben.

 

Timo Baumgartl und Paul Jaeckel verkörpern die Union-DNA

Allerdings lag der Fokus der rund 11.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion in der Alten Försterei besonders auf den Innenverteidigern. Denn schon vor dem Spiel gab es für sie in den Straßenbahnen und Bussen nur ein Thema: das Gerücht, dass Marvin Friedrich zum Stadtrivalen Hertha BSC wechseln könnte. Weil er am Sonntag gesperrt fehlte, gab es eine erste Chance, das Leben ohne den Abwehrchef zu proben. Während Robin Knoche gewohnt solide verteidigte, überzeugten dabei besonders die Neuzugänge Paul Jaeckel und Timo Baumgartl. Neben sehenswerten Diagonalbällen in der Spieleröffnung warfen sie sich mit aller Macht in jeden Zweikampf und verhinderten, dass die Gäste vom Niederrhein zurück ins Spiel finden konnten.

Und das, obwohl die neu formierte Mittelfeldzentrale vor ihnen weiter eher wackelig agierte. Gegen den Ball merkte man den offensiv denkenden Levin Öztunali und Genki Haraguchi an, dass sie Robert Andrichs Abgang nicht kompensieren können. Die Rückkehr des verletzten Grischa Prömel und eine weitere Neuverpflichtung werden sehnsüchtig erwartet.

 

Fischer hat das Team taktisch erneut entwickelt

Bis dahin bleibt den Unionern genug Zeit, sich an einer taktischen Weiterentwicklung der Mannschaft zu erfreuen. Schon in der zweiten Minute verpasste der rechte Wingback Christopher Trimmel nur knapp die Führung. Wenig später erzielte sein Pendant auf der linken Seite, Niko Gießelmann, sein bereits zweites Saisontor. Bei Flanken funktioniert die Strafraumbesetzung am langen Pfosten bisher außergewöhnlich gut. "Durch die Fünferkette ist es so, dass wir außen mit vorne reindürfen", erklärt der Torschütze. Ein taktischer Kniff, der beispielsweise Champions-League-Klub Atalanta Bergamo mit bescheidenen finanziellen Mitteln zur torgefährlichsten der italienischen Liga machte und zum Aufstieg des Nationalspielers Robin Gosens beitrug.

Urs Fischer scheint genau hingesehen zu haben. Denn gerade Viererketten wie der Gladbacher gelingt es selten, bei Flanken die zusätzlichen Spieler im Strafraum zu decken. Die logische Folge sind freie Abschlüsse am zweiten Pfosten, die Union in Hoffenheim und gegen Gladbach in Punkte umwandelte. In der Länderspielpause ist nun Zeit, um die restlichen Probleme anzugehen. Urs Fischer sagt: "Der Sieg gibt uns Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben." Am 11. September empfängt Union den FC Augsburg.

 

Sendung: rbb24, 29.08.2021, 21:45 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

14 Kommentare

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  1. 14.

    Oooooohhhh, da hat er wohl hinter den Zahlen den Punkt vergessen.
    Union, 8. Platz
    der Big-City-Club 18. Platz.
    Guckst du Kommentar 11 bitte, auf den ich mich beziehe?

  2. 12.

    Nun fehlt mir der Bezug zwischen dem Zitat und ihrem Geschriebenen.
    Bezieht sich ihr "Gutes Deutsch. Kein Wunder, wenn sich daraus weder Sinn noch Bezug zum Artikel erschließen." darauf?
    Letztlich kommt bei ihnen noch ein Problem mit dem Kopieren dazu. Vielleicht meint @Wanne sie, wenn er schreibt, ich zitiere: "So blöd kann doch keiner sein." Anscheinend doch.

  3. 11.

    „ Während die Einen(8) ein Traum-Duo hat, lässt sich bei den Anderen(18) das Rücken-Prinzeschen pflegen. “

    Gutes Deutsch. Kein Wunder, wenn sich daraus weder Sinn noch Bezug zum Artikel erschließen.

  4. 10.

    Nun lassen Sie doch mal Herrn Oppermann seine Lobeshymnen auf Union Berlin singen.
    Es ist nunmal der besten Berliner Bundesliga-Verein.
    Über Jahrzehnte nur Mittelmaß zu kommentieren, macht müde.
    Und dann kommt Union und die Welt erhellt sich.
    Während die Eisernen kämpfen und siegen, gibt der andere Berliner Verein die wenigen Leistungsträger ab und bereitet sich wohl schon nach dieser Saison auf die 2. Liga vor und sich dort in die Riege gescheiterter Erstligisten einzureihen.
    @ Wanne | Montag, 30.08.2021 | 13:40 Uhr
    Vielleicht gehören Sie aber auch zu dem Klientel, dass Sie so schön als "blöd" denunzieren.

  5. 9.

    Würde aber keinen Sinn machen, denn es geht um Union. Dann hat sich jemand hier verirrt und redet über Hertha? So blöd kann doch keiner sein. Ich versteh den ersten Kommentar auch nicht

  6. 8.

    "Er redet sehr viel mit uns - er ist wie ein Vater zu mir", sagt Stürmer Awoniyi über Urs Fischer. Wie putzig! :-)

    Schön, dass Taiwo so gut bei uns angekommen ist und mit dem starken "Senior" Kruse so toll harmoniert. Und auch die Mannschaft insgesamt arbeitet sehr gut zusammen - vor allem auch in der Verteidigung um und im 16er. Die Gladbacher haben schön öfters mal ihre individuelle Klasse aufblitzen lassen und sich gefällig durch kombiniert. Aber irgendwann war dann damit Schluss, weil die Mannschaft gemeinsam so gut wie alles weg verteidigte und natürlich auch Luthe wieder sehr souverän agierte.

    Das Spiel hat Spaß gemacht, was man den Spielern auch hie und da mal im Gesicht ansehen konnte. Wenn bspw. Trimmel oder Luthe sich nach der gelungen Abwehr einer Torchance der BMGler gefreut haben, ging das richtig ans Fanherz. Viele Aktionen wurden beklatscht und mit Chören versehen . . . Luthe! Luthe! :-)

  7. 7.

    Vielleicht steht die 8 und die 18 für den derzeitigen Tabellenplatz der beiden Berliner Fussballclubs.
    Hier steht momentan Union auf dem 8. und der "Big-City-Club" mit dem kartenheischenden "Rücken-Prinzeschen". ;-))

  8. 6.

    Da hat Herr Oppermann aber in die Vollen gegriffen. Lobeshymne pur. Ist etwas dick aufgetragen dieses Anhimmeln seiner neuen Idole. Empfehle wie früher Poster übers Bett zu hängen, dann klappt das Träumen besser.

  9. 5.

    Da hat sich aber einer mit den Rückennummern vertan. Und als prinzechen würde ich keinen der beiden bezeichnen

  10. 4.

    Red Bull verleiht Flügel :-D

  11. 3.

    So langsam gewöhnt man sich dran Berlin in der oberen Tabellenhälfte zu sehen. Sehr schön!

  12. 2.

    Aha…. Erinnert an italienischen Topclub. Meine Fresse, Berlin hebt immer gleich ab, wenn es mal etwas läuft. Next BigCityClub? Is klar….

  13. 1.

    Während die Einen(8) ein Traum-Duo hat, lässt sich bei den Anderen(18) das Rücken-Prinzeschen pflegen.
    Dit iss Berlin.

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