Playoff im Olympiastadion - Warum Herthas Stadion für ein Union-Spiel rot-weiß leuchtet

Das Berliner Olympiastadion mit Union-Flaggen
Bild: imago images/Matthias Koch

Am Donnerstag spielt Union Berlin im Olympiastadion um den Einzug in die Gruppenphase des Europacups. Der Verein schmückt das Stadion deshalb rot-weiß – zum Ärger der Hertha-Fans. Dabei will eigentlich keiner der beiden Klubs das Olympiastadion nutzen. Von Till Oppermann

Wer in diesen Tagen über die Olympische Straße auf das Berliner Olympiastadion zufährt, erblickt ein ungewohntes Bild. Denn die Fahnenmasten auf dem Dach der Arena im Westend sind rot-weiß beflaggt. Am Donnerstag spielt der 1. FC Union Berlin in der UEFA Conference League gegen Kuopio PS aus Finnland um den Einzug in die Gruppenphase – und hat dafür die Heimstätte des Stadtrivalen Hertha BSC gemietet.

Damit sich die Anhänger der Köpenicker auch 27 Kilometer entfernt von ihrer eigenen Heimat wie zu Hause fühlen, dekoriert Union das Stadion um. Die blaue Laufbahn? Wird mit einem roten Teppich abgedeckt. Die LED-Lampen im Stadiondach? Sind auf rot programmiert. Und Herthas blau-weiß dekorierter Spielertunnel? Ist zugestellt mit roten Banden. Außerdem verteilen die Unioner an jeden Gast ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift "Auf zum Schüsselspiel" - in Anlehnung an die weitläufige Form des Stadions.

Auflagen der UEFA zwingen Union zum Umzug

Das Wortspiel auf dem T-Shirt fassen viele Hertha-Fans als Provokation auf. Dass der Rivale die Hertha-Heimstätte in seinen Farben umdekoriert sowieso. Bei den Eisernen will man davon nichts hören. In ihrer Pressemitteilung zu ihrem Geschenk an die Fans schreiben die Köpenicker: "Weil man besondere Anlässe auch besonders feiern sollte, erhält jeder Unioner vor Ort ein rotes Motto-Shirt zum Spiel."

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Das erste Heimspiel im Europacup seit 20 Jahren würde der 1. FC Union lieber an der Alten Försterei erleben. Aber weil das vereinseigene Stadion zu wenig Sitzplätze hat, um die Auflagen der UEFA zu erfüllen, musste man sich für diesen besonderen Anlass eine neue Spielstätte suchen. Das Olympiastadion gehört dem Land Berlin. Eine Einigung über die Nutzung war deshalb auch möglich, ohne dass der Hauptmieter Hertha BSC hätte sein Veto einlegen können. Auch Vereine wie Tennis Borussia, Blau-Weiß 90 oder Tasmania mieteten in der Vergangenheit bereits das Olympiastadion.

Die Dekoration bleibt eine einmalige Sache

Herthas Cheftrainer Pal Dardai nimmt Unions Besuch in Herthas Heimat mit Humor: "Wenn die Not haben, sollen sie es nutzen - aber den Rasen bitte nicht kaputt machen." Und auch Union bemüht sich um Deeskalation. Herthas Fanblock, die Ostkurve, wird weder dekoriert noch mit Fans besetzt. Außerdem zieht sich Unions Mannschaft in der Gästekabine um.

Allerdings werde der 1. FCU in der Marathonkurve wie bei DFB-Pokalfinals ein großes Union-Logo platzieren, bestätigte ein Sprecher des Vereins dem rbb. Ein einmaliger Aufwand. Zwar werden die Köpenicker das Olympiastadion für mindestens drei weitere Spiele nutzen, wenn der Einzug in die Gruppenphase gelingen sollte, doch dann wird die UEFA die Banden und den Spielertunnel mit den Logos des Wettbewerbs schmücken.

Beide Vereine wollen nicht ins Olympiastadion

Es ist sicher nicht nur für Pal Dardai ein "komisches Gefühl" den 1. FC Union als Gastgeber im Olympiastadion zu erleben. Doch abgesehen von Diskussionen über rot-weiße Fahnen auf dem Dach und den Versuchen das Hertha-blau im Stadion zu verdecken, zeigt die Posse um Unions Umzug drängende Probleme auf. Während Hertha das ungeliebte Olympiastadion am liebsten gegen ein eigenes Stadion eintauschen würde, planen die Unioner bereits seit Jahren ihr Wohnzimmer in der Wuhlheide auszubauen.

Die Alte Försterei hätte dann auch genug Sitzplätze für Europapokal-Spiele. Weil sich die Deutsche Bahn, der Bezirk Treptow-Köpenick und der Senat lange nicht einigen konnten, wer den Ausbau der S-Bahn-Haltestelle Köpenick zum Regionalbahnhof bezahlt, fehlt das passende Verkehrskonzept, um die zukünftig geplanten 37.000 Zuschauer zum Stadion zu bringen. Seit der Verkündung der Pläne im Sommer 2017 sind mittlerweile über vier Jahre vergangen. Mit der Erteilung des Baurechts rechnen die Eisernen trotzdem erst frühestens in einem Jahr.

Bei Hertha ist die Lage noch vertrackter

Selbst mit dieser Wartezeit und der ungewissen Zukunft sind die Köpenicker ihrem Traum näher als Hertha. Seit Jahren identifizieren deren Verantwortliche den Bau eines eigenen Stadions als wichtigsten Schritt zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung des Vereins. Im zugigen Olympiastadion steht die Laufbahn und die zu große Kapazität echter Fußball-Atmosphäre oft im Weg.

Außerdem zahlt Hertha dem Land Berlin Jahr für Jahr eine hohe Miete, anstatt alle Einnahmen aus dem Spielbetrieb behalten zu können. Doch die Suche nach einem Standort gestaltet sich schwierig. Der Verein und die Fan-Initiative "Blau-weisses Stadion" favorisieren einen Neubau im Olympiapark. Diese Pläne scheiterten bisher am Denkmalschutz - und an der Baugenossenschaft 1892. Diese sah für ihre mehr als 80 ansässigen Mieter keine akzeptable Lösung seitens des Vereins und brach daraufhin die Gespräche über die Stadionpläne ab.

Auch der Zentrale Festplatz, der sich neben dem Flughafen Tegel befindet, stand zeitweise zur Disposition als Ort für einen Stadion-Neubau. Das 21 Hektar große Areal wird zu etwa einem Drittel für Volksfeste und andere Veranstaltungen genutzt. Für eine Hertha-Arena steht es auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung.

Zwar beteuern beispielsweise die SPD und die CDU, bei der Suche nach einem passenden Standort helfen zu wollen, aber bisher wirkt es eher, als wolle die Stadtpolitik Hertha als Mieter und Dauernutzer des Olympiastadions nicht verlieren. Die rot-weiße Deko der Unioner wird den Wunsch der Herthaner nach einer echten Heimat weiter verstärken.

Sendung: Inforadio, 25.08.2021, 17:15 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

22 Kommentare

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  1. 22.

    Endlich Mal Stimmung in dem wunderschönem Leichtathletik_Stadion. Und vor allem Mal keine Pfiffe

  2. 20.

    Juhu, natürlich freuen wir Landeier uns darüber, dass das Stadion ein Hauch rot angenommen hat. Endlich dürfen wir mal raus aus unserem von Wasser und Wald eingezäunten Köpenick.

  3. 19.

    Ich weiß ja nicht, ob Sie das wußten, aber ….
    Hertha spielt genauso nur in diesem Stadion wie Rammstein Konzerte gibt - klaro?

  4. 18.

    Seit wann wird sich denn in Westend benommen, ich lach mich schlapp ….. ;-))
    da kannst nackt über die Heerstrasse rennen, dass interessiert keinen toten Heizer

  5. 17.

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht…..
    und außerdem, seit wann sind denn die Jungs von der Plumpe Besitzer des Olympiastadions?
    Wenn der Preetz nicht so dusselig gewesen wäre, hätte Hertha ein eigenes Stadion…..
    Hertha obdachlos, Frank Zander obdachlos…..

  6. 16.

    Wenn Waldbewohner in die Stadt gehen benehmen sie sich immer albern

  7. 15.

    Geht wohl mehr um den Aufwand des einmaligen Umfärbens. Union hat offenbar zuviel Geld. ;-) Ob das echt nötig ist mag dahingestellt bleiben, aber es ist aus neutraler Sicht etwas befremdlich. Die Aufregung der Herthaner aber auch

  8. 14.

    Steht so im Text als Begründung für das Rotlichtflair :“ Damit sich die Anhänger der Köpenicker auch 27 Kilometer entfernt von ihrer eigenen Heimat wie zu Hause fühlen, dekoriert Union das Stadion um“. Witz ist als dann von Union

  9. 13.

    Das Olympiastadion ist nicht das Stadion von Hertha, sondern der Stadt/Land Berlin.
    Hertha ist nur Mieter wie auch für heute Abend Union. Komische Aufregung !

  10. 12.

    Na hoffentlich benehmen die sich nicht so peinlich wie in und um ihrem eigenen Stadion .

  11. 11.

    Zitat:"Bestimmt schlimm, dass sie die weite Reise nach Berlin machen müssen. Fern von der Heimat dann wenigstens etwas Vertrautes. Sei es Ihnen gegönnt. Ehrlich…. hört sich so an als ob Landeier in die Großstadt kommen …"


    Sie haben bei Ihrem Witzchen eine Kleinigkeit ausser acht gelassen, nennt sich Geographie, Achter. Ich bin mal behilflich: Die Stadt Berlin hat eine Ausdehnung von 45 km N/S sowie 38 km O/W. Janz schön big, wa.

  12. 10.

    Herr Müller, da bin ich ganz bei Ihnen.
    Mario Barth würde besser passen. Der war schon öfter da. Tröge, ausgelutscht, kommerzialisiert, überheblich und hin und wieder ein bisschen proll ;-)

  13. 9.

    Na Hertha mit Rammstein zu vergleichen...ich weiß ja nich....

  14. 8.

    „ Seit 2004 vermarktet die Olympiastadion Berlin GmbH als Betreiber das Olympiastadion Berlin. Das Land Berlin ist seit 2006 alleiniger Gesellschafter der Betriebsgesellschaft.“
    Von wegen Herthas Olympiastadion, dann könnte es auch Rammsteins Olympiastadion sein :-))

  15. 6.

    Hertha ist nur Mieter im Olympiastadion. Andere (Tages)Mieter können vom Prinzip machen was sie wollen. Als Hertha Fan habe ich kein Problem mit andere Mietern!

  16. 5.

    Auch wenn es Herrn Oppermann wormt, dass das Bernkner Olympiastadion temporär andere Fahrben bekommt, ist das ja das Rechts des Mieters. Die U-Bahn-Station am Oly ersteahlt permanent in der Farben der Eisernen. Das müsste ihn dich viel mehr wurden.

    Hertha hat ja auch mit Option eines Neubaus außerhalb Berlins gespielt und war dabei ähnlich erfolgreich wie diese Saison bisher in der Bundesliga.

  17. 4.

    „ Damit sich die Anhänger der Köpenicker auch 27 Kilometer entfernt von ihrer eigenen Heimat wie zu Hause fühlen, dekoriert Union das Stadion um“ Süß. Bestimmt schlimm, dass sie die weite Reise nach Berlin machen müssen. Fern von der Heimat dann wenigstens etwas Vertrautes. Sei es Ihnen gegönnt. Ehrlich…. hört sich so an als ob Landeier in die Großstadt kommen …

  18. 3.

    Schwingt da etwa bei den Herthanern der Neid mit? Das hätten Sie auch haben können, wenn sie sich etwas mehr angestrengt hätten. Ich wünsche den Unionern jedenfalls viel Erfolg und weitere Spiele im Europacup. Wenigstens ein Berliner Verein...

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