Füchse-Manager Bob Hanning mit neuer Herausforderung - "Als Trainer bin ich autoritärer Demokrat"

Di 24.08.21 | 18:40 Uhr
Bob Hanning spricht am Telefon am Rande eines Handballspiels. (Quelle: imago images/wolf-sportfoto)
Bild: imago images/wolf-sportfoto

Füchse-Manager Bob Hanning hat eine intensive Saison vor sich - der 53-Jährige hat zusätzlich das Trainer-Amt beim Drittligisten VfL Potsdam übernommen. Im Interview spricht er über die Transfercoups der Füchse, die Gefahr einer Saison im Wartestand und seinen Stil als Trainer.

rbb|24: Herr Hanning, am Mittwoch wird die Mannschaft der Füchse für die neue Saison offiziell vorgestellt, am Donnerstag starten Sie dann gleich als Trainer des VfL Potsdam im Pokal gegen Aue in die Spielzeit - wo sind denn Ihre Gedanken gerade?

Bob Hanning: Bei Berlin-Brandenburg natürlich (lacht). Ich freue mich sehr auf unsere Team-Präsentation, weil es endlich mal wieder eine Präsenzveranstaltung mit allen Sponsoren ist, die uns durch die schwere Zeit geholfen haben. Und da man eins nach dem anderen macht, geht die Fokussierung danach dann zum VfL Potsdam. Mit dem werden wir am Donnerstag gegen den Fünften der zweiten Liga versuchen, gemeinsam sportlichen Erfolg zu haben.

Zu ihrer Zweigleisigkeit - da nehmen wir uns ebenfalls mal eines Themas nach dem anderen an. Starten wir mit den Füchsen: Wieviel hat Manager Bob Hanning vor dem Saisonstart am 9. September denn noch zu tun?

Da muss ich ehrlich sagen: Es hält sich im Moment ein Stück weit in Grenzen. Wir sind in Sachen Sponsoren trotz der Krisenlage gut aufgestellt, wir sind gemeinsam mit dem Land Berlin dabei, einen Weg zu finden, so viele Zuschauer wie möglich zum ersten Heimspiel gegen Wetzlar in die Halle zu kriegen. Der Kader steht, die Spieler sind gesund, unsere Olympia-Teilnehmer sind gut wieder in Berlin angekommen. Die Hausaufgaben sind alle gemacht.

Auf dem Transfermarkt haben Sie ordentlich zugeschlagen - aber die richtigen Transfercoups haben Sie für die Saison 2022/2023 gelandet: Mathias Gidsel, wertvollster Spieler des Olympischen Turniers und Max Darj, Kapitän der schwedischen Nationalmannschaft kommen erst zur übernächsten Saison. Planen Sie dann den großen Angriff auf nationale und europäische Titel?

Erstmal finde ich, wir haben auch in dieser Saison großartige Spieler geholt. Wir haben mit Viran Morros einen der wohl spektakulärsten Handballer nach Berlin holen können. Diesmal, anders als bei Iker Romero, spricht keiner mehr von einem PR-Gag, sondern alle freuen sich, einen Spieler dieser Kategorie gewonnen zu haben. Mit Nils Lichtlein und Matthes Langhoff kommen zwei aus meiner A-Jugend-Meistermannschaft dazu. Aber es stimmt natürlich, die Verpflichtungen von Mathias Gidsel und Max Darj machen uns unheimlich stolz und glücklich. Wenn wir mit diesen beiden dann auch einen Schritt weiterkommen, wäre ich natürlich sehr zufrieden. Unsere Zielsetzung lautet auch, sich Stück für Stück zu entwickeln. Deshalb habe ich Stefan Kretzschmar als Sportvorstand an meine Seite geholt, um weiter gute Transferpolitik zu machen.

Wie haben Sie diese Kaliber nach Berlin locken können?

Ich muss sagen, ich war auch bei Darj schon sehr positiv überrascht, dass er sich für uns entschieden hat. Mathias Gidsel habe ich dann genau die Frage gestellt: "Mathias, warum kommst du als MVP (wertvollster Spieler, Anm. d. Redaktion) der Olympischen Spiele und Allstar der WM zu uns?". Die Antwort hat mein Herz höher schlagen lassen, weil es genau das ist, was wir brauchen. Er hat gesagt: "Für mich ist die Entscheidung, etwas mehr tun zu müssen, um großen Erfolg zu haben, der ausschlaggebende Punkt". Außerdem haben wir uns sehr früh um ihn bemüht. Und eins ist auch klar: Es gab wirtschaftlich deutlich bessere Angebote, sowohl aus der Bundesliga als auch aus dem Ausland.

Aber die ganz großen Ansagen Richtung 2022/2023 kann man Ihnen noch nicht entlocken …

Nein. Zu sagen "Da kommt dann was ganz Großes", schützt uns nicht davor, unsere Arbeit in der jetzigen Saison zu machen. Wir haben die letzten zehn Spiele in der Bundesliga gewonnen und müssen aufpassen, nicht einfach nach dem Motto "Das geht schon so weiter, wir haben eine eingespielte Mannschaft, das wird schon" anzugehen. Das bedarf konzentrierter Arbeit und ich bin überhaupt nicht willens, über das übernächste Jahr zu sprechen. Die Spieler müssen sich in diesem Jahr behaupten. Es ist leider so, dass die Transferpolitik grundsätzlich so ist, dass wir uns sehr früh Spieler sichern müssen. Ich bin da überhaupt kein Freund von, weil dann genau solche Situationen entstehen, dass wir im Kopf schon da sind, wo wir überhaupt nicht sein sollen.

Besteht nun die Gefahr, in dieser Saison so ein wenig im Wartezustand zu stecken, weil ab 2022 dann die großen Verstärkungen kommen?

Das genau darf nicht passieren. Einzelne Spieler haben bislang noch nicht so performt, wie wir uns das vorgestellt haben. Einige Verträge laufen aus und wir wollen dann auch schauen, mit wem wir in die darauffolgende Saison gehen. Also es wird genug Druck auf dem Kessel sein, so dass wir auch in dieser Saison gut spielen werden.

Sie sind, wie erwähnt, nun Trainer in der 3. Liga beim VfL Potsdam - was erwartet denn der Trainer Bob Hanning von seiner Mannschaft für die neue Spielzeit?

Der Trainer erwartet nicht weniger als den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Sonst hätte er den Job nicht gemacht. Das ist ein unglaublich großes Unterfangen. Der VfL Potsdam hat jetzt neun Jahre versucht, den Aufstieg zu schaffen. Jetzt haben wir nicht weniger vor, als Erster oder Zweiter zu werden und damit 84 andere Mannschaften hinter uns zu lassen.

Was sind Sie für ein Trainer - Sie haben bei den Füchsen die A-Jugend trainiert, die letzte Trainerstation bei den Herren liegt schon länger zurück …

Ich würde mich als autoritären Demokraten bezeichnen. Wir haben bei den Füchsen in den letzten Jahren knapp 40 Spieler in die Handball-Bundesliga gebracht. Diese Arbeit wollen wir jetzt beim VfL Potsdam fortsetzen, in dem wir jungen Talenten die Chance geben, sich in der Mannschaft zu etablieren. Manche Spieler kennen mich aus der Jugendzeit, also werden wir das sicherlich harmonisch, aber auch sehr konstruktiv und konsequent angehen. Das ist eine Umstellung, weil wir dem VfL Potsdam vor allem in Sachen Mentalität ein neues Gesicht geben wollen. Das ist sicherlich gewöhnungsbedürftig. Aber ich kann nach den ersten Wochen feststellen: Die Mannschaft hat Lust sich zu verbessern und sie ist bereit, die Situation so anzunehmen.

Wenn Sie sich jetzt entscheiden müssten: Top-Saison mit Potsdam oder Top-Saison mit den Füchsen - wie würde die Wahl ausfallen?

Mein Arbeitgeber sind seit 16 Jahren die Füchse, da hängt meine Grundsituation dran. Aber sagen wir mal so: Wir spielen eine Top-Saison mit den Füchsen und steigen mit dem VfL Potsdam auf (lacht).

Das Interview führte Uri Zahavi für den rbb Sport. Es handelt sich um eine gekürzte und leicht redigierte Fassung.

 

Sendung: rbb24, 24.08.2021, 21:45 Uhr

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