Queere "Respect Gaymes" in Berlin - Sportlicher Wettkampf mit dem Charakter eines Stadtfests

Regenbogenflagge
Bild: imago images/Shutterstock

Es soll um Begegnungen zwischen homosexuellen und heterosexuellen Menschen gehen bei den "Respect Gaymes", die am Samstag in Berlin stattfinden. Die Organisatoren erleben ausgerechnet in der Corona-Zeit eine Neubelebung des Events.

Die größte Errungenschaft der "Respect Gaymes" liegt möglicherweise in ihrer Gewöhnlichkeit. Ein Event unter dem Banner des Regenbogens, das gilt heute als normal. "Wir wollen queeren Teams und sogenannten Hetero-Teams die Möglichkeit geben, miteinader in den sportlichen Wettbewerb zu treten - das sorgte noch vor wenigen Jahren für viel mehr Aufregung", sagt Christopher Schreiber, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands Berlin-Brandenburg (LSVD), der die "Respect Gaymes" veranstaltet.

Die Möglichkeit, sich zu zeigen

Am Samstag finden im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark die "Respect Gaymes" zum 16. Mal statt. Durch sportlichen Wettkampf und musikalische Beiträge sollen Begegnungen zwischen homosexuellen und heterosexuellen Menschen geschaffen werden, die sonst im Alltag wenige Berührungspunkte haben.

Außerdem wird queeren Sportteams eine Möglichkeit geboten, sich vorzustellen, sich zu zeigen. Das war im vergangenen Jahr schwierig, weil die Veranstaltung aufgrund der Corona-Bestimmungen in mehrere kleine Events an verschiedenen Standorten in Berlin verteilt werden musste. "Das hat dem Grundgedanken des Fests widersprochen", sagt Schreiber. "Wir wollen ja gerade, dass so viele wie möglich zusammenkommen."

Keine Corona-Tests nötig

In diesem Jahr sollen die "Respect Gaymes" wieder an einem Ort stattfinden. Herzstück des Events bilden die Basketball- und Fußball-Turniere, für die sich bisher insgesamt 46 Teams angemeldet haben. Allen Besuchern werden darüber hinaus Sportarten zum selbst Ausprobieren angeboten, wie Rugby, Karate, Square Dance und Stockkampf.

Ein Tag für Sportbegeisterte und Familien soll es werden, die zusammenkommen und neben der körperlichen Ertüchtigung auch Musik, Essen und Trinken gemeinsam genießen können. "Wir wünschen uns den Charakter eines Stadtfests", sagt Schreiber.

Dazu passt, dass die "Respect Gaymes" bei den Behörden als "Flohmarkt" gelistet sind. Für die Corona-Bestimmungen hat das einen willkommenen Nebeneffekt: Besucherinnen und Besucher erhalten ohne Corona-Test und ohne Impfnachweis Zutritt in den Sportpark. Masken müssen nur getragen werden, sobald man sich bei den Imbiss- oder Messe-Ständen aufhält. Mit dem Gesundheitsamt wurde dabei Obergrenze von 3.500 Gästen vereinbart.

Dieses Jahr gesteigertes Interesse

In diesem Jahr sind die "Respect Gaymes" in einem besonderen sportpolitischen Kontext eingebettet. Im Sommer gab es insbesondere im Zuge der Fußball-Europameisterschaft immer wieder Debatten um strukturelle Homophobie, etwa, als der Stadt München von der Uefa untersagt wurde, die Allianz-Arena während des Spiels Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen.

Es dürfte eine der Erklärungen dafür sein, dass die Veranstalter in diesem Jahr ein gesteigertes Interesse an den "Respect Gaymes" wahrzunehmen glauben. Doch das habe auch lokale Gründe. "Insbesondere Hertha BSC ist da richtig aktiv in Berlin", sagt Christopher Schreiber. Der Hauptstadtklub feierte etwa mit dem schwul-lesbischen Fanclub "Hertha Junxx" unlängst dessen 20-jähriges Bestehen [herthabsc.com]. Auch die Freistellung des Torwarttrainers Zsolt Petry nach dessen homophoben Äußerungen im Frühjahr wertet Schreiber als positives Signal des Vereins.

In die Mehrheitsgesellschaft hineinwirken

Generell komme dem Sport eine zentrale Bedeutung zu bei der Enttabuisierung von Liebe, die nicht hetero ist. "Sport ist mittlerweile eine enorm wichtige Institution, die Zusammenhalt, Emotion und Begegnung schaffen kann", sagt Schreiber. Umso wichtiger sei es, mit LGBT-Themen über den Sport "in die Mehrheitsgesellschaft hineinzuwirken", wie Schreiber es formuliert. Ob die Veranstaltung dann als Sportevent oder Stadtfest wahrgenommen wird - das ist im Zweifel egal.

Sendung: inforadio, 19.08.21, 15.15 Uhr

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14 Kommentare

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  1. 14.

    Es tut nicht unbedingt Not, diese Sportveranstaltung als etwas besonderes durchzuführen. Es sollte normal sein, wenn alle Menschen dies zusammen tun, da muss sich keiner besonders hervorheben wollen.

  2. 11.

    Ich verstehe diese „Ghettomentalität“ auch nicht, warum nicht gemeinsam Sport? Man muss das trennende vereinen.

  3. 9.

    Es ist Ihnen aber mit Sicherheit auch bewusst, dass die gewalttätigen Übergriffe auf diese Minderheit deutlich zugenommen haben. Aber was soll’s, interessiert ja nicht. Muß ja auch nicht Beachtung finden.Ironie off.

  4. 8.

    Mit einem Pornoheft in der Hand hätten Sie wahrscheinlich noch ganz gute Karten, ohne größere Probleme durch die Stadt zu kommen. Gehen Sie aber beispielsweise mal Hand in Hand mit einem Mann durch die Stadt oder wagen Sie es gar, diesen auf offener Straße zu küssen, wenn Ihnen beiden danach sein sollte. Da kann es dann leider immer noch sehr unangenehm werden, Beleidigungen und körperliche Übergriffe sind leider keine Seltenheit. Und das ist nur ein Aspekt von vielen (Arbeit, Familie, Freizeit). So lange diese Ungleichheit besteht, ist es aus Gründen der sexuellen Gleichberechtigung so wichtig, die LGBT-Community immer wieder in den Fokus zu rücken und den ihr zustehenden Respekt einzufordern bzw. - wie z.B. bei Ihnen - Aufklärungsarbeit zu leisten, worum es in der Sache eigentlich geht.

  5. 7.

    Meine Mütze, schon wieder so ein Bohei!
    Die sexuelle Ausrichtung und das Geschlecht eines Menschen, zwei Dinge, die keinen sonst etwas angehen und wahrscheinlich auch kaum einen interessieren, werden mal wieder zu unglaublich wichtigen und bedeutsamen Besonderheiten ernannt, auf die man jeden ungefragt ausdrücklich aufmerksam machen möchte und auf die man aus irgendeinem Grund sogar stolz sein soll.
    Für mich ist das in etwa so als würde man auf offener Straße mit einem Pornoheft herumwedeln und jeden darüber informieren, dass man sich sowas gerne anschaut.

  6. 6.

    Na da habe ich aber was ganz anderes in Erinnerung, denke ich an das letzte große Fußballereignis des Jahres in Großbritannien. Deshalb betonte ich es auch in meinem Kommentar als letzte Anführung.

  7. 5.

    @Lothar

    Diese Veranstaltung ist nun mal kein Flohmarkt und somit ist es nicht nachvollziehbar wie es du dieser Deklaration kommt. Ihre Aussage der Breitensport halt sich nicht an Hygiene Regeln ist einfach eine Frechheit es zu behaupten.

  8. 3.

    Dieses kleine, aber wichtige Ereignis nennt sich übrigens“ Respekt Gaymes“. Schon darin besteht doch zumindest ein deutlicher Unterschied wie zum Beispiel beim Fußballspiel. Von besonderen Freiheiten würde ich hier nicht reden wollen, nur weil es mit dem Regenbogen zu tun hat. Und ich bin mir absolut sicher, das die Hygiene Regeln hier zumindest eingehalten werden. Nicht so wie beim Breitensport Fußball und deren Fans.

  9. 2.

    Ich finde es schade das man queere und hetero Teams gegeneinander in den Wettbewerb stellt.
    Warum nicht miteinander statt gegeneinander?

  10. 1.

    Als Flohmarkt deklariert?! Also die Freiheiten die der Regenbogen ermöglicht sind nicht nachvollziehbar.
    Corona zeigt immer mehr, was gewollt ist kann statt finden und was nicht, da schlägt corona zu.

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