Ex-Eisbär André Rankel - Vereinsikone in der Findungsphase

Andre Rankel (Quelle: imago/Nordphoto)
Bild: imago/Nordphoto

Voriges Jahr beendete André Rankel seine langjährige Karriere bei den Eisbären Berlin wider Willen. Natürlich gilt er als Legende. Doch er sucht einen neuen Auftrag im Klub. Über einen, der sich gerade neu erfindet. Von Shea Westhoff

Wie verbunden André Rankel den Eisbären Berlin noch immer ist, wird direkt zu Beginn des Telefonats deutlich. "Aber natürlich" werde er sich das Spiel anschauen, sagt Rankel. Es ist Freitagnachmittag, in einer Stunde beginnt die dritte Begegnung der Eisbären Berlin in der Champions Hockey League (CHL). Glänzen konnte der Hauptstadt-Eishockeyklub in den beiden Auftaktpartien der Königsklasse nicht: Es setzte zwei Niederlagen, unter anderem eine 1:6-Klatsche zu Hause gegen Tappara Tampere. Nun das Rückspiel in Finnland.

Ergebnisse tippt der ehemalige Flügelspieler ungern, wie er sagt. Aber so viel dann doch: "Heute wird es eng. Ich glaube, es könnte für die Eisbären klappen."

Die Schulter macht ihm einen Strich durch die Rechnung

Daran muss man sich auch erst mal gewöhnen: Das Urgestein der Eisbären ist nicht mehr aktiv. Im vergangenen Jahr erklärte er sein Karriereende, nach 17 Jahren beim Verein aus Hohenschönhausen. Er bestritt insgesamt 865 Partien für den Klub, seine 247 Tore bedeuten Rang eins der ewigen Eisbären-Torschützenliste. Rankel war maßgeblich beteiligt an sieben von acht Meistertiteln in der Deutschen Eishockey-Liga für die Berliner.

Mit seinem geradlinigen Charakter, seiner robusten und gleichzeitig mannschaftsdienlichen Spielweise avancierte er zur Identifikationsfigur des Einshockeyvereins. Umso schwerer fiel ihm das verletzungsbedingte Karriereende. Die Schulter.

"In der Rehazeit habe ich lange überlegt: Geht es oder geht es nicht mit der Schulter?" Es ging nicht mehr. "Für mich war es damals schwer zu akzeptieren, dass mir der Körper einen Strich durch die Rechnung macht." Allzu gern hätte er noch die ein oder andere Saison drangehängt.

Was vermisst er am meisten am aktiven Geschäft? "Teil eines Teams zu sein, das fehlt mir. Eine Mannschaft, in der man gemeinsame Ziele hat." Teamplayer Rankel.

Den jungen Spielern ein Vorbild sein

Dann schickt er hinterher: "Und was ich nie gedacht hätte, auch die Trainingseinheiten fehlen!" Wenn er mit den Jungs der U20 auf dem Eis Übungseinheiten anleitet, dann würde er am liebsten wieder selber loslegen. Es ist seine neue Hauptaufgabe: bei den Eisbären Juniors - der Jugendabteilung des Vereins - den Nachwuchs zu schulen. Dort ist er seit mehreren Monaten Teil des Trainerteams, "als Praktikant", wie er es selbst nennt.

"Ich zeige den jungen Spielern, was es bedeutet, Profi zu sein", sagt Andre Rankel. Dass jungen Talente Ehrfurcht haben oder sogar scheu sind beim Training mit so einer Legende, das kann Rankel nicht bestätigen. "Weil sie mich ja kennen gelernt haben", sagt er. Aber etwas mehr Aufmerksamkeit bekomme er vielleicht doch, gibt er dann zu.

 

"Helfen, das nächste Level zu erreichen"

Außer dem Engagement bei den jungen Kufenkünstlern hilft Rankel bei den Profis aus. Regelmäßig unterstützt er das Eisbären-Trainerteam, leitet Einheiten im Training an. Ob er sich als Trainer einer DEL-Mannschaft sieht oder doch eher im Nachwuchsbereich darauf möchte sich der gebürtige Schöneberger noch nicht festlegen. Fest steht für ihn derzeit nur: "Ich möchte eine Aufgabe finden, die mir genauso viel Spaß bereitet wie mir die aktiven Jahre auf dem Eis Freude bereitet haben." Aber das kann er schon jetzt mit Sicherheit sagen, dass es ihm große Freude bereitet, "Spielern zu helfen, das nächste Level zu erreichen".

Den Eisbären ist er dankbar, dass sie ihm die Möglichkeit geben, sich auszuprobieren. Doch auch der Verein hat ihm ja einiges zu verdanken. Als Geste hat sich der Klub entschlossen, Rankels Rückennummer 24 nicht mehr zu vergeben.

Ob die Profis ihren Titel in der Deutschen Eishockey Liga verteidigen können, hängt für den 36-Jährigen einmal mehr davon ab, ob die Berliner als Team funktionieren. "Wenn du nur Einzelkämpfer hast, dann reicht es nicht" sagt er.

Am späteren Verlauf den Abends wird dann klar: Für einen Sieg in der Champions Hockey League (CHL) hat es für die Eisbären wieder nicht gereicht: Gegen Tappara Tampere wird man 4:5 nach Verlängerung verlieren. Darin hatte Rankel in seinem Tipp recht: es wurde denkbar knapp.

Den verkorksten CHL-Saisonstart sieht Rankel dabei recht gelassen. Das dürfe man nicht überbewerten. Beim Magenta Cup im vergangenen Jahr konnte Berlin ebenfalls kein einziges Spiel gewinnen. "Und was war dann?", fragt Rankel rhetorisch. "Am Ende wurde man Meister."

Sendung: Inforadio, 03.09.2021, 21:15 Uhr

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