Teamcheck | Eisbären Berlin - Eisbären wollen Titel Nummer Neun vor Fans feiern

Mo 06.09.21 | 13:21 Uhr
Frank Hördler von den Eisbären stemmt den Meisterpokal (Foto: imago images / Contrast)
Bild: imago images / Contrast

Für die Eisbären beginnt am Donnerstag die Mission "Titelverteidigung". Zum Auftaktspiel der neuen Saison empfängt der Rekordmeister dann den ebenso ambitionierten Rivalen aus München und freut sich, endlich wieder der Gejagte zu sein.

So lief die vergangene Saison

Am Ende stand der achte Titel und damit die eisbärige Gewissheit, wieder alleiniger Rekord-Champion der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu sein. So trat eine denkwürdige Saison zumindest für die Eisbären ein wenig aus dem allgegenwärtigen Schatten der Corona-Pandemie. Lange pokerte die für ihr Krisenmanagement gescholtene Liga, zögerte den Saisonstart hinaus und hoffte auf eine Entspannung der Lage. Letztlich umsonst. So kam die DEL nicht um Geisterspiele herum, die Saison wurde verkürzt und die 14 Teams in je eine Nord- sowie Südstaffel eingeteilt. Das sollte die Reiseaktivitäten der Teams in Grenzen halten.

In ihrer Nordstaffel waren die Eisbären das Maß aller Dinge, erzielten die meisten Treffer (137), kassierten die wenigsten (91) und gewannen am häufigsten (23). In den anschließenden Playoffs - statt wie üblich im Best-of-Seven-Modus in der Variante Best-of-Three ausgetragen - bewiesen die Eisbären enorme Comeback-Qualitäten.

In jeder der drei Serien gegen Iserlohn, Ingolstadt und Wolfsburg verloren sie die Auftaktpartie, um sich dann doch durchzusetzen und schließlich Anfang Mai zum ersten Mal seit 2013 den Meisterpokal der DEL in Empfang zu nehmen.

Wer ging?

Den Fans wird sicherlich Pierre-Cédric Labrie fehlen. Der unterhaltsame Kanadier spielte zwar sportlich keine große Rolle mehr, überzeugte aber umso mehr als Publikumsliebling. Seine Identifikation mit dem Verein ging sogar so weit, dass Labrie seinen 2020 geborenen Sohn tatsächlich Bären nannte.

Sportlich schmerzhafter sind zwei andere Abgänge. Während es Top-Talent Lukas Reichel zu den Chicago Blackhawks in die National Hockey League zieht, setzt Verteidiger Ryan McKiernan seine Laufbahn im Trikot des schwedischen Erstligisten Rögle BK fort. Vor allem in den Playoffs zeigte der US-Amerikaner seine Qualitäten, brillierte mit wichtigen Treffern und kam auf insgesamt zehn Scorerpunkte. Der Lohn: die Auszeichnung zum wertvollsten Akteur der Playoffs.

Zudem verließen Thomas Reichel (Wolfsburg), Kristopher Foucault (Iserlohn), John Ramage (Schwenningen), Nino Kinder (Bremerhaven), Fabian Dietz (Ravensburg), Mark Olver (Köln) und Haakon Hänelt (Gatineau/Kanada) die Hauptstadt.

Wer kam?

Mit den Verteidigern Nicholas Jensen (zuvor Düsseldorfer EG) und Morgan Ellis (ERC Ingolstadt) wollen die Eisbären den Verlust von McKiernan und auch John Ramage (jetzt in Schwenningen) kompensieren. Die ersten Spiele in der Champions Hockey League lassen allerdings noch etwas Abstimmungsbedarf erkennen. In vier Spielen gegen zugegebenermaßen starke Gegner aus Finnland und Schweden setzte es dort 21 Gegentore.

Mit der Verpflichtung von Kevin Clark gelang Eisbären-Sportdirektor Stephane Richer ein Coup auf dem Transfermarkt. Der kanadische Flügelstürmer ging zuletzt in der renommierten Schweizer Liga für Rapperswil-Jona auf Torejagd, ist aber kein Unbekannter in der DEL. 2015 wurde Clark in Diensten der Hamburg Freezers als Spieler des Jahres geehrt. Sein Trainer damals in der Hanse- wie heute in der Hauptstadt: Serge Aubin. In Berlin soll der 33-Jährige nun die Lücke schließen, die Reichels Abgang nach Chicago hinterlässt. Clark selbst berichtet von einem guten Start in Berlin: "Die Jungs haben mich super aufgenommen. Und es dauert nicht lange, bis man mitbekommt, wie großartig es ist, in dieser Stadt und unserer Halle spielen zu können. Ich fühle mich wohl."

Kevin Clark von den Eisbären Berlin (Foto: imago images / Andreas Gora)Auf Neuzugang Kevin Clark ruhen die Offnungen in der Offensive

Mit den weiteren Neuen Manuel Wiederer, Yannick Veilleux und dem gerade erst 18 gewordenen Bennet Roßmy versprechen sich die Eisbären eine ähnliche Ausgewogenheit des Kaders wie im Vorjahr. Eisbären-Kapitän Frank Hördler ist jedenfalls zufrieden mit seinen neuen Kollegen. Das Urgestein des Klubs meint: "Wir kannten den einen oder anderen von früher aus der Liga. Das waren teils hochgefährliche Gegner - wir sind froh, dass die jetzt bei uns sind."

Der Trainer

… heißt nach wie vor Serge Aubin. Der Kanadier geht in seine dritte Saison als Eisbären-Coach. Als Aubin im Mai 2019 vorgestellt wurde, gab es nicht nur Jubelstürme unter den Fans. Der sei ein Kumpel von Stéphane Richer, und in Hamburg hätten die beiden doch auch nichts gerissen, konnte man damals hören.

Tatsächlich haben die kanadischen Freunde Richer (als Sportdirektor) und Aubin (als Trainer) bei den Hamburg Freezers wenig erfolgreiche Zeiten erlebt. Im Mai 2016 zog sich die Anschutz-Gruppe, zu der die Eisbären noch heute gehören, in Hamburg zurück. Die Freezers wurden aufgelöst, Aubin und Richer waren plöztlich arbeitslos.

In Berlin aber schreibt das Duo bislang eine Erfolgsgeschichte: Mit dem ruhigen Kanadier Aubin auf der Bank kamen die Eisbären im ersten Jahr unter die Top-Four der DEL, in der zweiten Saison wurde der lang ersehnte Meistertitel gefeiert. Schon im Frühjahr wurde Aubins Vertrag bis 2023 verlängert. In dieser Zeit soll Aubin die Eisbären in der Ligaspitze etablieren und auch weiter junge Talente an die Mannschaft heranführen.

Die Erwartungen

Im Vorjahr klangen die Ansagen vor der Saison ziemlich pessimistisch. Im Angesicht einer Vorbereitung voller Rückschläge stapelte Marcel Noebels seinerzeit ungewöhnlich tief: "Für ganz oben wird's nicht reichen, um ehrlich zu sein", erklärte der Nationalspieler damals – und wurde letztlich eines Besseren belehrt.

Durch den Meistertitel gestärkt, klingen die Eisbären in diesem Jahr deutlich forscher. So macht Kevin Clark keine Umschweife bei der Formulierung seines Saisonziels: "Natürlich wollen wir Titel Nummer neun." Auch Kapitän Hördler freut sich auf die kommenden Monate: "Wir sind die Gejagten, das ist ein schönes Gefühl. Wir wollen das bestätigen, was wir letztes Jahr geleistet haben."

Aber eine Sache wird auf jeden Fall anders sein als in der Vorsaison. Endlich dürfen die Eisbären wieder vor Fans spielen in der heimischen Arena am Ostbahnhof. 6.450 Zuschauer sind vorläufig zugelassen und möchten die Eisbären durch eine weitere erfolgreiche Saison begleiten. Die Zeichen dafür stehen gut.

Sendung: rbb24, 08.09.2021, 21:45 Uhr

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