Listicle | Internationaler Fußball - Diese Berliner Europapokal-Momente sollten Sie sich merken

1999 in der Champions League: Hertha-Torwart Gabor Kiraly im Nebelspiel gegen Barcelona (Quelle:imago/camera4)
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Der 1. FC Union Berlin tritt am Donnerstag in der Gruppenphase der Conference League auswärts gegen Slavia Prag an. In der Berliner Europa-Pokal-Geschichte existieren aber noch ganz andere historische Momente, die Sie hier aufgelistet vorfinden.

Egal ob Champions-League, UEFA-Cup, Europa League oder Conference League - wenn es um Europa-Pokal-Abende im internationalen Fußball geht, dann haben auch Berliner Teams ein Wörtchen mit zu reden.

Zwar ging es nie um den Titel, aber Hertha BSC hatte zum Beispiel 1979 die Chance auf ein Finale im UEFA-Cup, das Europa-Debüt vom 1. FC Union stand gleich zwei Mal auf der Kippe und der BFC Dynamo spielte auch mal wesentlich höher als in der Regionalliga Nordost. Aber lesen Sie selbst.

Fans des 1. FC Union Berlin ehren ihre Pokalhelden von 1968(Bild: imago images/Matthias Koch)
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1968: Union darf nicht im Pokalsieger-Cup starten

Das Jahr 1968 begann für die Eisernen glänzend - es endete tragisch. Der erst zwei Jahre zuvor gegründete Verein zog im Sommer 1968 überraschend ins Finale des DDR-Pokals ein. Dort sorgten die Tore von Meinhard Uentz und Ralf Quest für den sensationellen Union-Sieg über den amtierenden Meister Carl Zeiss Jena (2:1). Es hätte die Qualifikation für den Europapokal der Pokalsieger bedeutet, mit möglichen Gegnern wie AC Mailand oder FC Barcelona.

Weltpolitik machte dem Verein aus Köpenick allerdings einen Strich durch die Rechnung. Zwei Monate nach dem DDR-Pokalfinale walzten sowjetische Panzer im heutigen Tschechien die aufkeimende Hoffnung eines demokratischen Sozialismus nieder: Es war das Ende des "Prager Frühlings". Mehrere westeuropäische Klubs machten daraufhin klar, dass sie nicht mehr gegen Ostvereine wie zum Beispiel den 1. FC Union Berlin antreten wollten.

Die UEFA versuchte zu vermitteln, setzte eine Neu-Auslosung an, die gewährleisteten sollte, dass Westvereine und Ostvereine erst zum Endspiel aufeinander treffen würden. "Diskriminierung!" war die einhellige Meinung der Verbände der sozialistischen Staaten. Die zogen ihre Mannschaften vom Turnier ab. Sportlich ging es von da an bergab für Union. Die Eisernen sollten 33 Jahre lang auf die nächste Pokalteilnahme warten.

Beer trifft für Hertha gegen Roter Stern Belgrad
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1979: Hertha verpasst UEFA-Cup-Finale wegen Auswärtstorregel

Es wäre spannend zu erfahren, wie die ehemaligen Herthaner Norbert Nigbur, Wolfgang Sidka und Erich Beer die Nachricht aufgenommen haben, dass die UEFA zur aktuellen Saison 2021/22 die berüchtigte Auswärtstor-Regelung abschafft. Vermutlich positiv.

Am 25. April 1979 prasselten Graupelschauer aufs Olympiastadion nieder. Trotzdem fanden sich mehr als 70.000 Zuschauer ein, um die Hertha beim Halbfinal-Rückspiel des UEFA-Pokals gegen Roter Stern Belgrad anzufeuern. Eine Woche zuvor hatten die Berliner vor 100.000 Zuschauern 0:1 in Belgrad verloren.

Beim Rückspiel passte zunächst alles. Beer (2. Minute) und Sidka (18.) brachten die "alte Dame" mit frühen Treffern auf Final-Kurs. Doch der Boden war schwer, die Kräfte ließen nach. Der frisch eingewechselter Belgrader Milos Sestic traf ins Herz der Hertha, als er zum 2:1-Endstand abzog. Berlin flog durch die Auswärtstor-Regel aus dem Pokal.

Dynamos Andreas Thom (li.) und Frank Rohde (re.) nach dem 3:0 gegen Bremen im Europapokal der Landesmeister 1988 (Quelle: dpa | Roland Holschneider)
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1988: Der BFC geht im Weserstadion unter

Nicht weniger als 60 Spiele bestritt der BFC Dynamo in europäischen Fußballwettbewerben. Den größten Erfolg feierte der Verein aus Hohenschönhausen gleich in seiner ersten Europapokal-Saison: 1971/72 schieden die Ostberliner im Halbfinale aus dem Europapokal der Pokalsieger aus. Die favorisierte Dynamo aus Moskau siegte erst im Elfmeterschießen.

Seine tragischste Nacht erlebte der DDR-Abomeister 1988 im Europapokal der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League. Die jungen Angreifer Thomas Doll und Andreas Thom wirbelten durch die Abwehrreihen von Werder Bremen, dem damals amtierenden Meister der Fußball-Bundesliga. Am Ende hieß es 3:0. Der Einzug in die zweite Runde: Formsache.

Im Rückspiel mussten die angereisten Berliner traumatische Erfahrungen mit den "Wundern von der Weser machen". Mit 5:0 fegte die Elf von Otto Rehagel über den BFC hinweg. "Ein Spiel, über das man auch in Jahrzehnten noch sprechen wird", ruft TV-Kommentator Günter-Peter Ploog nach Abpfiff ins Mikrofon. Auf der aktuellen Dynamo-Homepage findet das 0:5 gegen Werder unter der Rubrik "Historie des BFC" allerdings keine Erwähnung mehr.

1999 in der Champions League: Zweikampf zwischen Herthas Sixten Veit und Istanbuls Gheorghe Hagi Quelle: imago/Camera 4)
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1999: Herthas furiose CL-Premiere

Die Gruppe H der Champions-League-Saison 1999/2000 war gespickt mit schillernden Namen und großen Vereinen: der FC Chelsea etwa mt den beiden Weltmeistern Didier Deschamps und Marcel Desailly, der AC Mailand wartete mit Paolo Maldini, Andrej Shevchenko und Oliver Bierhoff auf. Galatasaray Istanbul erlebte mit Stars wie Hakan Süker und Gheorge Hagi gerade seine erfolgreichsten Jahre.

Und mittendrin Jürgen Röbers Mannschaft um Gabor "Schlabberhose" Kiraly, "Jolly" Sverrisson, Marco Rehmer, Michael Preetz und Ali Daei. Sie sollten für eine überragende Champions-League-Premiere der "Alten Dame" sorgen. Einem 2:2 bei Galatasaray folgten Heimsiege gegen Chelsea und Milan. Hertha zog als Zwetplatzierter völlig überraschend in die Zwischenrunde ein.

1999 in der Champions League: Hertha-Torwart Gabor Kiraly im Nebelspiel gegen Barcelona (Quelle:imago/camera4)
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1999: Hertha in der Waschküche Olympiastadion

In der Zwischenrunde der Champions League-Saison 1999/00 hatte Hertha BSC es mit Sparta Prag, dem FC Porto und dem FC Barcelona zu tun. Am 23.11.1999 traf das damalige Team von Cheftrainer Jürgen Röber auf die Stars aus Barcelona: Luis Enrique, Pep Guardiola, Luis Figo, Patrick Kluivert und die de Boer-Zwillinge Frank und Ronald.

Dichter Nebel prägte dieses "Waschküchen-Spiel" - die mehr als 60.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion konnten wahrscheinlich die eigenen Stars und die der Katalanen kaum erkennen. Die Begegnung ging Unentschieden 1:1 aus. Das Abenteuer Champions League endete für die Herthaner nach sechs Partien als Gruppenletzter mit zwei Punkten.

Union-Stürmer Harun Isa im UEFA-Pokal (Quelle: imago/Höhne)
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2001: Unions Europokal-Premiere wegen Nine Eleven verschoben

Nachdem Unions Europa-Pokaldebüt 1968 der Weltpolitik zum Opfer gefallen war, dauerte es 33 Jahre, bis die Eisernen wieder am Zug waren. Im DFB-Pokalfinale hatten die Köpenicker gegen Schalke 04 zwar verloren, doch als Zweitliga-Aufsteiger waren sie damit für den UEFA-Cup qualifiziert, da die Gelsenkirchener als Vizemeister schon für den internationalen Wettbewerb qualifiziert waren.

Der Gegner vom 1. FC Union Berlin hieß damals Valkeakosken Haka und sollte seine Gäste ursprünglich am 13.09. 2001 im heimischen Stadion empfangen. Doch die Anschläge auf das World Trade Center in New York zwei Tage zuvor sorgten für eine Spielverschiebung. Erneut verhinderte das Weltgeschehen den europäischen Auftritt von Union. Eine Woche später erreichte das damalige Team von Union-Trainer Vasilev Georgi ein 1:1 - im Rückspiel sogar ein 3:0. In der zweiten Runde war dann gegen den bulgarischen Vertreter Litex Lovetsch Schluss (Hinspiel 0:2, Rückspiel 0:0).

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