Unioner Neuzugang Paul Jaeckel - Ein Arbeiter für einen Arbeiterverein

Unions neuer Verteidiger Paul Jaeckel(Bild: imago images/ Jan Huebner)
Bild: imago images/Jan Huebner

Geboren in Eisenhüttenstadt, ausgebildet bei Energie Cottbus und jetzt Neuzugang beim 1. FC Union Berlin: Für den 23-jährigen Innenverteidiger Paul Jaeckel war auch die Nähe zur Heimat der Grund für den Wechsel zum Bundesligisten. Von Friedrich Rößler

Ein Jugendtrainer in Eisenhüttenstadt soll mal gesagt haben, dass es mit Paul einfacher sei, Spiele zu gewinnen, als ohne ihn. Ob Urs Fischer, Chefcoach vom Fußball-Bundesligisten 1. FC Union Berlin, das auch irgendwann mal sagen wird, das kann noch niemand wissen. Jedenfalls hat Paul Jaeckel bisher noch kein Spiel verloren, wenn er das Union-Trikot übergestreift hatte.

Im Gedächtnis der Union-Fans ist der 23-jährige Neuzugang noch nicht so richtig geblieben. Dafür aber ganz sicher beim Hoffenheimer Spieler Christoph Baumgartner und Schiedsrichter-Assistent Mike Pickel. Sonntag, 22. August 2021: In der 78. Spielminute beim Stand von 2:2 hatte Unions Verteidiger seinen Gegner im Zweikampf bei vollem Tempo ins Aus und versehentlich in den Linienrichter gedrückt. Beide purzelten übereinander, konnten dann aber weitermachen. Paul Jaeckel war von der Szene selbst überrascht. Doch daran zeigte sich schon, wie ernst es der Brandenburger mit seinem Einsatzwillen meint.

Sportliche Karriere

Vereine

  • 2003-11 Eisenhütter FC Stahl
  • 2011-14 FC Energie Cottbus Junioren
  • 2014-17 VfL Wolfsburg Junioren
  • 2017-18 VfL Wolfsburg II
  • 2018 VfL Wolfsburg
  • 2018-21 SpVgg Greuther Fürth
  • 2021- 1. FC Union Berlin

Nationalmannschaft

  • 2015-16 Deutschland U18
  • 2016 Deutschland U19
  • 2019 Deutschland U20
  • 2020-21 Deutschland U21

Draußenkind Paul Jaeckel

Sein älterer Bruder Toni Jaeckel erzählt gern von früher - als Paul immer nur draußen war. "Wir sind in einem Dorf bei Eisenhüttenstadt aufgewachsen und mein Bruder war immer draußen: im Wald, bei den Pfadfindern oder auf dem Bolzplatz."

Toni Jaeckel spielt in der 2. Mannschaft vom Eisenhütter FC Stahl, arbeitet als Zahnarzt und erinnert sich an den Zeitpunkt, als Paul zum Fußball geschickt wurde. Mit vier Jahren, von den Eltern. "Denen ist aufgefallen, dass es auch eine Minis-Abteilung im Verein gab und da haben die dann Paul gleich angemeldet." Dabei sei es Mama und Papa eher um die Bewegung des Jüngeren gegangen, nicht so sehr um den Fußball.

Mit 13 ins Cottbuser Sportinternat

Beide, Toni und Paul, wuchsen sportlich zusammen beim FC Stahl in Eisenhüttenstadt auf, bis der kleine Bruder mit 13 Jahren ins Sportinternat nach Cottbus wechselte. "Paul wurde früh gesichtet, schon in Eisenhüttenstadt für die Kreisauswahl, dann für die Regional- und Brandenburgauswahl und dann ging es für ihn nach Cottbus."

Von diesem Moment an fing der Ältere an, den Jüngeren zu bewundern. "Da waren nie Reibungen zwischen uns, ich gönne ihm das voll, denn ich weiß ja, was da für Arbeit hinter steckt", erzählt Toni Jaeckel am Telefon. Immer wieder tägliches Training plus Extraschichten im Fitnessstudio. "Dazu muss man sich erst mal durchringen."

Endlich sicher Bundesliga mit Union

2014 wechselte Paul Jaeckel zum Nachwuchs des VfL Wolfsburg, spielte sich bis in die erste Mannschaft zu Trainer Bruno Labbadia hoch. Danach hielt er für Greuther Fürth die Knochen hin und den Strafraum sauber und stieg 2020/21 mit den Franken in die Bundesliga auf. Zur Saison 2021/22 wechselte der Innenverteidiger aus Eisenhüttenstadt dann zum 1. FC Union Berlin.

Unions Sport-Manager Oliver Ruhnert sagte im Juni zur Neuverpflichtung Paul Jaeckel, dass dieser eine gute Ausbildung genossen hätte, sich in der Spitzengruppe der 2. Liga bewiesen habe und er ihm den nächsten Schritt Bundesliga nun bei den Köpenickern zutraue.

Für den Innenverteidiger ging damit ein kleiner Traum in Erfüllung. Hatte er in Wolfsburg und Fürth nur an der Bundesliga geschnuppert, eröffneten ihm die Köpenicker nicht nur die Aussicht, Bundesliga endlich auch atmen zu können, sondern auch international auf zu spielen.

Nähe zur Heimat Grund für Unterschrift

"Paul hat mit keinem anderen Verein verhandelt, als klar war, dass Union an ihm dran ist", berichtet Toni Jaeckel. "Die Nähe zur Heimat und zur Familie war der ausschlaggebende Punkt" sagt Paul Jaeckel zu seinem Wechsel an die Wuhle. Er habe den 1. FC Union Berlin schon immer auf dem Radar gehabt und konnte sich schon als Teenager vorstellen, dort mal zu spielen.

Und dann war es für den 23-Jährigen keine schwierige Entscheidung mehr. "Das ist ein geiler Verein mit geilen Fans unweit meiner Familie." Plötzlich war die Option da, den Bruder, die Eltern und Großeltern öfter zu sehen. "Paul ging mit 13 Jahren weg von uns, war danach nur am Wochenende und zu Wolfsburger und Fürther Zeiten nur noch ein paar Mal im Jahr und an Weihnachten bei uns", erzählt sein älterer Bruder Toni. Jetzt kann er ihn mal spontan auf einen Kaffee treffen.

"Paul passt absolut zu diesem Verein."

Neben dem familiären Aspekt zählt aber noch ein weiterer Grund zur Entscheidung, nach Köpenick zu wechseln, so Toni Jackel: "Paul passt absolut zu diesem Verein. Ein Arbeiter bei einem Arbeiterverein." Schließlich habe sich der kleine Bruder diesen Erfolg hart erkämpft, mit Fleiß und einem großen Herzen. Auf dem Fußballplatz habe Paul schon immer volle Pulle gegeben. Das fordert auch Unions Trainer Urs Fischer immer wieder von seinen Spielern.

Ohne die Unterstützung der Familie wäre der Jüngste aber nicht so weit gekommen. Die Eltern oder Großeltern hätten die beiden Jungs immer zu Auswärtsspielen gebracht. "Manchmal haben wir extra bei Oma und Opa vor den Spielen übernachtet, damit die uns dann fahren konnten", blickt der Zahnarzt Jaeckel zurück. Der Profifußballer Jaeckel sei seiner Familie dafür heute noch sehr dankbar. Das hat er sicherlich bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee in der Heimat an der Oder schon zur Sprache gebracht.

Beitrag von Friedrich Rößler

27 Kommentare

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  1. 27.

    Genau das meine ich doch: Ist ganz normal, dass es auch um Ost und West geht. Und ebenso normal finde ich daher, zumindest innerhalb spielerischer Grenzen, eine gewisse gegenseitige Feindlichkeit. So wie sie etwa auch zwischen Köln und Düsseldorf besteht; m.W. weit über die Grenzen der Arenen des 1. FCK und der Fortuna hinaus. So lange aber keine Kanonenboote Rhein- bzw Spree-auf- oder abwärts fahren, finde ich das okay.

  2. 26.

    Die weiß-rote Brille stört dem Durchblick, möchte man meinen. Der Verein ist kein Arbeiterverein, sondern Teil des Geldballs. bei dem es um Übertragungsrechte, Werbeverträge und Co. geht. Der Hauptgrund für die Kommerzialisierung über das notwendige Maß hinaus sind allerdings die Spielenden. Weswegen es umso bitterer ist, dass man es hier auf dem Platz nicht mit Arbeiter*innen zu tun hat. Wer sich BlackRock ins Haus holt, braucht von Bodenständigkeit nie wieder im Leben zu sprechen.

    Ihre Abfälligkeit gegenüber der mangelnden Jugendförderung, selbstredend dank des Finanzfokus der Vereine, dass Kinder ausgegrenzt werden, nicht nur bei Union, ist ein Sinnbild für Ihre Selbstgefälligkeit.

    Sie wollen die "Traditionen" hochleben lassen? Also VIP-Lounge, Weihnachtssingen und Konzerte im Fußballstadion, diese Traditionen? Dann sagen Sie das denjenigen ins Gesicht, die 30 Jahre zu Spielen gegangen sind und sich auch wg. der Kartenpolitik vom Verein abwenden.

  3. 25.

    Wer in den Wald usw.! Sie sind doch hier als der Verteidiger sämtlicher Unionhandlungen und als Oberlehrer und Besserwisser bekannt, Gerd. Also wer austeilt muss auch einstecken können. Üben Sie das mal

  4. 24.

    West-Berlin Aufkleber? Wohl kaum….. Offenbar bist Du Ossi. So etwas klebte nie in Berlin

  5. 23.

    Ich habe Sie ausdrücklich darum gebeten, Belege für Ihre Tatsachenbehauptung beizubringen. Und Sie führen wieder nur diese anonymen und unbewiesenen Anschuldigungen als "Beweis" an?!

    Ausser Unterstellungen dem FCU und mir persönlich gegenüber haben Sie nichts zu bieten, Bernd.

  6. 22.

    Es ist nun mal so, dass etwa 3/4 der Berliner Hertha Mitglieder im ehemaligen West-Berlin und weit über 80% der Berliner Unioner mit Ausweis im ehem. Ost-Berlin leben. Dass es bei der Fussballrivalität innerhalb einer Stadt dann auch irgendwie um Ost gegen West geht, ist doch ganz normal, würde ich meinen. Nicht normal ist allerdings, dass einige Blau-Weisse dem FCU und dessen Fans DDR-Nostalgie und sogar "Wessi-Feindlichkeit" andichten wollen.

  7. 21.

    Als aufmerksamen Leser dürfte Ihnen das nicht entgangen sein: https://www.rbb24.de/sport/beitrag/2021/05/fussball-union-berlin-vorwuerfe-nachwuchsleistungszentrum-sportb.html

  8. 20.

    Bei so viel Wirrnis fällt es schwer zu antworten. Daher mal nur die Frage nach Ihren Belegen dafür, dass angbl. Kinder mit Migrationshintergrund keine bzw. schwer Aufnahme beim FCU finden, Bernd.

    Und bitte nicht nur die anonymen und unbewiesenen Behauptungen einiger Eltern wiederholen, deren Kinder es nicht aufs nächste Level geschafft haben. Danke.

  9. 19.

    Die Bezeichnung "Arbeiterverein" im Artikel stammt doch von Paul Jaeckels Bruder - und ist keine Selbstbeschreibung seitens des FCU. Zudem ist damit ganz offensichtlich gemeint, dass die Mannschaft Fussball eher 'arbeitet', als "Hacke-Spitze-1 2 3" zu spielen, wozu Pauls Spielweise eben gut passen würde.

    Diese Behauptungen, die immer wieder von Nicht-Unionfans vorgebracht werden, der Verein und seine Fans wären Ostalgiker bei denen noch die Mauer steht, sind absolut hanebüchen. Es geht um die Tradition des Vereins und nicht um ein Hochlebenlassen der 'DDR-Zeiten'. Kein anderer ehemaliger Ost-Verein hat sich seit der "Wende" so modernisiert wie der 1. FC Union Berlin. Sie als fussballinteressierter Akademiker sollten das durchaus erkennen können, Stefan.

  10. 18.

    Nun ist die halbe (!) Stadt ja voll mit Klebern in blau-weiß und dem Schriftzug West-Berlin. Für Laien wie mich sieht das nach Hertha-Fans aus. Auch das zeigt für mich einfach das allgemeine Bedürfnis nach irgendeiner Gruppen-Identität. Und wenn's die nicht (mehr) wirklich gibt, bastelt man sich eben eine - oder lässt sich gegen Bezahlung eine machen. Das ist doch das absolute Grundprinzip des Fan-Seins, ohne das Fußball bei uns in etwa die Bedeutung von Rhönradturnen hätte. Und warum auch nicht? So lange dieses Gruppenfühlen im spielerischen Rahmen bleibt und ein paar Marketingleuten Einnahmen beschert, ist's doch okay. Zum Problem wird es erst, wenn Brutalos die Grenzen zwischen Spiel und Ernst überschreiten. Oder wenn es, wie Bernd W. behauptet, zu deutlichen Ausgrenzungen kommt: Neben Rassismus ist hier ja in Ost, West, Nord und Süd wohl die Homophobie ein Dauerbrenner, oder?

  11. 17.

    Ich versuche es noch einmal und hoffe auf Veröffentlichung meiner Antwort an Gerd Glaudino.
    Mir ist der andere Verein aus dem Osten der Stadt durchaus bekannt, aber entgegen einer früheren Aussage von Ihnen verwechsele auch ich diesen nicht mit Union. Dennoch ist Union m.E. fest verwurzelt in Lagerdenken und Ostalgie, auch oder gerade weil man sich der Staatsmacht der DDR nicht besonders verbunden fühlte. Als verbeamteter Akademiker, der in seinem Berufsfeld in der DDR zur Gründungszeit von Union weniger als ein Arbeiter verdient hätte, kann ich der Bezeichnung "Arbeiterverein" im Falle von Union nun wirklich nichts Positives abgewinnen. Das wäre vielleicht etwas anderes, wenn Union eine Gründung aus dem Jahr 1892 wäre... Ich erlaube mir noch den Hinweis, dass eine abweichende Meinung im Allgemeinen nicht gleichbedeutend mit einem Mangel an Sachkenntnis ist.

  12. 16.

    Ihre kindliche Naivität ist schon beängstigend! Der Verein wird marktwirtschaftlich geführt und hat nichts mit Sportkader, oder was es sonst noch da drüben gab, gemein.
    Den Fans wird hier ein Stück DDR - Nostalgie vorgespielt. Man bleibt halt "unter sich", was sich auch darin widerspiegelt, dass Kinder mit Migrationshintergrund keine bzw. schwer Aufnahme in den Arbeiteverein finden.
    Träumen Sie weiter, Herr Glaudino!

  13. 15.

    Ich bitte Sie..... "Wir aus'm Osten", "Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen" und der gern genutzte Ostberliner Bär auf unzähligen Aufkleber aus der Union-Fanszene zeigen doch, dass in vielen Köpfen der FCU-Fans eben doch noch eine Mauer steht und man sich zum "Osten" bekennt.

  14. 14.

    Ja. In der DDR gab es doch nur Bauern und Arbeiter ;-)))) Und Bauern spielen keinen Fußball

  15. 12.

    Ja, so ist es auch. Die ehemalige DDR lebt in den Köpfen der Bewohner der ehemaligen DDR eben weiter. Union ist Osten. Schon mit der Hymne grenzen die sich vom Westen ab

  16. 11.

    „ ein Junge aus der Region“ klingt niedlich. Mein Opa redet auch so. Und ich musste an das Rennen in StarWars denken, da kommt der Spruch in ähnlicher Form. Sie sind echt schon eine Marke.

  17. 10.

    Und diese lächerliche Behauptung begründen Sie worauf? - auf Ihrem Bauchgefühl, Dieter St.?

    Ostalgie würde dbzgl. ja bedeuten, dass der Verein in seliger Erinnerung an DDR Zeiten schwelgt und dies auch an seine Fans vermitteln will. Nichts könnte ferner liegen, denn damals war der FCU eher ein Hort für Gegner des SED Regimes und sportlich gesehen nicht unbedingt eine Spitzenmannschaft.
    Sie scheinen den FCU mit einem anderen Berliner Club zu verwechseln, bei dem DDR Fahnen und Ost-Sprüche/Gesänge immer noch fröhliche Urständ feiern . . .

  18. 9.

    Union ist gelebte Ostalgie, zumindest stellt man es für die zahlenden Fans so dar. Man kann Union also auch als "Club der Werktätigen" bezeichnen. Peinlich!!!

  19. 8.

    Aha, weil Paul Jaeckels Bruder am Telefon meint: "Paul passt absolut zu diesem Verein. Ein Arbeiter bei einem Arbeiterverein.", ist der FCU nichts für Sie?!

    Gott sei's gelobt, kann ich dazu nur sagen, "Herr".

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