Union-Manager Oliver Ruhnert - "Wir wollen eine gewisse Nachhaltigkeit reinbekommen"

Oliver Ruhnert, Manager von Union Berlin. / imago images/Matthias Koch
Bild: imago images/Matthias Koch

Stressige Wochen für Oliver Ruhnert: 14 Ab- und 15 Neuzugänge. Nun steht der Kader. Bei einer Medienrunde sprach der Manager des Fußball-Bundesligisten Union Berlin über die Ideen hinter seiner Transferpolitik - und die Zusammenarbeit mit Trainer Urs Fischer.

Oliver Ruhnert über...
die große Fluktuation im Kader:

Eine gewisse Fluktuation ist aus meiner Sicht notwendig bei einem Verein, der neu in der Bundesliga ist. Ich habe schon nach dem Aufstieg (in der Saison 2018/19, d. Red.) gesagt, dass das am Anfang so sein wird. Wenn man es schafft, in der Bundesliga zu bleiben, lässt das nach einer gewissen Zeit deutlich nach. Ich glaube, im dritten Bundesliga-Jahr könnte das nun soweit sein. Die Transfers, die wir jetzt getätigt haben, bedeuten auch eine Veränderung in Richtung Zukunft. Mit den Spielern, die wir dazubekommen haben, leiten wir einen Prozess ein, der uns die Möglichkeit gibt, dass die Fluktuation in den nächsten Jahren anders sein wird.

 

... seine Einschätzung des finalen Kaders:

Für mich war es - wie gesagt - in dieser Transferperiode auch wichtig, dafür zu sorgen, dass wir eine gewisse Nachhaltigkeit reinbekommen. Dabei ist es uns als Klub gelungen, Spieler zu bekommen, die für andere Vereine aus der Bundesliga interessant geworden sind. Deshalb haben wir nicht so viel falsch gemacht. Wie sich das Ganze dann entwickelt, kann ich immer schwer absehen. Aber in der Theorie und in dem, was ich eigentlich will, bin ich definitiv nicht unzufrieden. Einen Spieler, den ich noch gerne gehabt hätte, habe ich nicht bekommen - den holen wir dann halt später (lacht). Dann wäre es perfekt gewesen. Unter dem Strich glauben wir, dass wir einen Kader zusammengestellt haben, der definitiv in der Lage ist, die Bundesliga zu halten, und den Fans Spaß machen wird. Das ist unser Ziel. Nun ist es die Aufgabe der Trainer und der Mannschaft, das auch entsprechend abzuliefern.

... die Schwierigkeiten auf dem Transfermarkt in Pandemie-Zeiten:

Die Pandemielage merkt man schon sehr deutlich. Für uns war das Ende dieser Transferperiode auch sehr ungewöhnlich. Es war sehr, sehr stressig. Am Ende liest man immer nur von den Dingen, die erfolgt oder nicht erfolgt sind. Aber das, was tatsächlich noch nebenher läuft, bekommt man ja in der Öffentlichkeit logischerweise gar nicht mit. Da war es schon extrem, dass vieles anders als sonst erst in den letzten sieben Tagen entstanden ist. Das würde ich schon auf die Pandemielage schieben, dass alle nochmal geschaut haben, ob es die Möglichkeit gibt, irgendetwas zu finanzieren.

... die Absprachen mit Trainer Urs Fischer über die Transfer-Aktivitäten:

Es ist sehr selten, dass Urs Fischer einen Spieler hat, bei dem er zu mir kommt uns sagt: 'Den müssen wir jetzt holen!' Da gibt es bei uns eine klare Trennung und das finde ich auch sehr wichtig. Selbstverständlich besprechen wir Spieler und Ideen mit dem Trainer-Team, die wir im Scouting und in der sportlichen Führung haben. Aber es ist so, dass der Trainer sich in meinen Aufgabenbereich wenig einmischt - genauso wie ich es in seinem wenig mache. Ich kann es also verneinen, dass es irgendeinen Spieler gegeben hätte, den der Trainer gerne gehabt hätte und bei dem er nun total traurig ist, weil er nicht kommt.

... die Verpflichtung des erfahrenen Bastian Oczipka als dritte Option für die linke defensive Seite neben Niko Gießelmann und Tymoteusz Puchacz:

Wir haben personell auch in die Zukunft investiert - und ein paar Spieler dazubekommen, die für uns in den nächsten Spielzeiten auch durchaus relevant sein werden. Das war das Ziel. Neben der Zukunft brauchen wir aber auch die Gegenwart. Die zu gestalten, ist für uns auch extrem wichtig. Das abzuwägen und erfolgreich miteinander zu verbinden, ist der Grund, warum wir zum Beispiel auch noch Bastian Oczipka verpflichtet haben. Dazu kommt: Wir haben nun einen Kader mit 30 Spielern, von denen aber drei bis jetzt noch verletzt waren. Wenn alle zur Verfügung stehen, ist diese Anzahl für drei Wettbewerbe gut. Sonst wird es schon eng.

 

... das angebliche Ankommen des Klubs im Establishment der Liga:

Establishment würde ich es nicht nennen. Wir sind immer noch etwas Besonderes - ganz eindeutig auch für Spieler. Das liegt aber weniger an den handelnden Personen als vielmehr an dem unglaublichen Eindruck, den sie weiterhin vom Stadion und den Menschen haben. Das haben wir uns gut erhalten. Aber selbstverständlich nehmen Berater auch wahr, dass wir das dritte Jahr in der Bundesliga sind - und das erste Jahr international spielen. Da kommen natürlich auch entsprechende Wünsche und Dinge auf, die anders sind als zu Beginn.

 

... die Gültigkeit von neuen Verträge auch für die zweite Liga:

Ich habe das damals gesagt - und daran ändere ich auch nichts: Solange ich hier zuständig bin, wird kein Spieler verpflichtet, der nicht diesen Status hat. Das ist für uns ganz wesentlich. Wir wissen nicht nur, wo wir herkommen. Wir wissen auch, dass es im Fußball sehr schnell gehen kann. Deswegen sind wir - wenn es mal zum Nicht-Klassenerhalt käme - gut beraten, nicht den prominenten Beispielen nachzueifern, die in eine Situation kommen, die exorbitant problematisch ist.

 

Sendung: rbb UM6, 01.09.2021, 18:15 Uhr

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