Drei Spiele ohne Punkt - Hertha reist zum "Druck-Spiel" nach Bochum

Hertha-Trainer Pal Dardai (imago images/Matthias Koch)
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Audio: Inforadio | 11.09.2021 | Dennis Wiese | Bild: imago images/Matthias Koch

Verpatzter Saisonstart, wildes Transferfinale. Fußball-Bundesligist Hertha BSC kam in den ersten Wochen der Saison nicht zur Ruhe. Nun soll eine Einheit entstehen, die bei Aufsteiger Bochum ein erstes Mal liefern muss. Von Dennis Wiese

Das Personal

Will man die Ausgangslage positiv ausdrücken, dann kann man Fußball-Bundesligist Hertha BSC als unberechenbar bezeichnen. Kein Bochumer Scout, wohl nicht einmal Hertha-Trainer Dardai selbst weiß, was seine Mannschaft auf den Platz bringen kann. Am Sonntag (12.09., 17.30 Uhr, 90 Minuten live im Audiostream auf inforadio.de) tritt Dardais neu formierte Mannschaft bei Aufsteiger VfL Bochum an.

Bei der Pressekonferenz am Freitagmittag zeigte sich Dardai vorsichtig optimistisch: "Ich kann sagen: Es sieht nicht schlecht aus. Natürlich ist es sehr schwer, neue Spieler zu integrieren. Manche Laufwege stimmen noch nicht. Es war eine intensive Woche mit vielen taktischen Dingen. Alles was mit der Fünferkette zu tun hat. Im Trainingsspiel habe ich ein paar sehr schöne Szenen gesehen. Man kann positiv nach Bochum reisen."

Gegenüber der letzten Partie vor der Länderspielpause, dem 0:5 bei den Bayern, hat sich die Mannschaft, vor allem im Angriff, grundlegend verändert: Lukebakio und Dilrosun haben den Verein verlassen. Selke und Jovetic sind verletzt. Neu in die Startelf rutschen dafür wohl die Sommerzugänge Ishak Belfodil und Myziane Maolida. Auch Jurgen Ekkelenkamp könnte sein Debut im Hertha-Trikot feiern.

Es fehlen: Marton Dardai (Sprunggelenksverletzung), Rune Jarstein (Aufbautraining nach Herzmuskelentzündung), Stevan Jovetic (Wadenverletzung) Krzysztof Piatek (Aufbautraining nach Knöchelbruch), Marvin Plattenhardt (Oberschenkelverletzung), Davie Selke (Rippenanbruch)

Die Form

Drei Spiele, drei Niederlagen. Dazu auf den letzten Drücker ein erneuter Umbruch innerhalb der Mannschaft. Und zuletzt Verstimmungen, weil bei Hertha offenbar mehr übereinander gesprochen wurde als miteinander. Auch hier gilt: Es kann eigentlich nur besser werden.

Pal Dardai setzt auf das Mittel, das der verunsicherten Mannschaft vor wenigen Monaten im Abstiegskampf half: Druck rausnehmen und, so gut es geht, für Ruhe sorgen vor den kommenden Duellen gegen die Aufsteiger Bochum und Fürth: "Was man spürt und hört, reden alle über sechs Punkte. Das ist großer Quatsch. Erstmal will ich sehen, dass wir Teamgeist erweckt haben. Dass nicht jeder mit sich selbst beschäftigt ist. Wir wollen eine Einheit sein. Jetzt haben wir ein Druck-Spiel. Unter Druck muss das wieder funktionieren. Bis Weihnachten haben wir noch sehr viel Zeit. Damit wir eine sehr stabile Saison schaffen, wäre es wichtig, mindestens einen Punkt aus Bochum mitzunehmen."

Der Gegner

Elf Jahre lang musste der VfL Bochum auf den Aufstieg ins Oberhaus des deutschen Fußballs warten. Die meiste Zeit davon verbrachte der VfL im grauen Mittelfeld der 2. Liga. Am Ende der vergangenen Saison stand schließlich der Aufstieg als Zweitligameister. Mit durchschnittlichem Budget und durchschnittlicher Mannschaft. Die Erfolgsrezepte: Ein geglückter Umbruch zwei Jahre zuvor, mit Thomas Reis ein früherer Jugendtrainer, der eine Einheit formte und ein Ausnahmekönner im offensiven Mittelfeld. Ausgerechnet dieser Ausnahmekönner, Robert Zulj, mit fünfzehn Toren und fünfzehn Vorlagen das Gesicht der Bochumer Bundesligarückkehr, folgte dem Lockruf des Geldes in die Wüste: Zulj wechselte zu Ittihad Kalba in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Der Start in die neue Saison war auch ohne des Top-Scorer passabel: Einer knappen Niederlage bei Tabellenführer Wolfsburg folgte ein 2:0-Heimerfolg gegen Mainz. In Köln gab es am dritten Spieltag eine 1:2-Pleite. Neu in Bochum sind seit diesem Sommer zwei Spieler, die man in Berlin bestens kennt: Für den Sturm holte der VfL den langjährigen Unioner Kult-Knipser Sebastian Polter. Und einen, der vor zwei Jahren mit großen Hoffnungen zu Hertha wechselte. Durchsetzen konnte sich Eduard Löwen aber nie. Nach enttäuschenden ersten Monaten wechselte er auf Leihbasis nach Augsburg. Weil Hertha dann im Herbst 2020 die Mittelfeldspieler ausgingen, wurde Löwen schnell nach Berlin zurückbeordert. Dort kam er in einer ganzen Saison auf nur 79 Spielminuten. Nun wechselte Löwen nach Bochum. Wieder zur Leihe, aber mit anschließender Kaufoption.

Hertha-Trainer Dardai hielt sich in der Fernanalyse des Gegners zurück: "Sie haben ein gesundes Selbstvertrauen, haben im letzten Jahr viele Spiele gewonnen, jetzt haben sie auch ordentlich angefangen. Wir versuchen, unsere Sache durchzuziehen, wir versuchen Hertha BSC zu sein. 14.000 Zuschauer werden dabei sein. Ein gutes Stadion. Ich bin als Spieler damals immer viel gelaufen. Das wird nicht leicht."

Herthaner im Fokus

Die Zeit der divenhaften Einzelkönner soll vorbei sein bei Hertha BSC. In Bochum tritt Hertha erstmals mit dem Kader an, der nach diversen Zu- und noch mehr Abgängen möglichst bald die neuen Tugenden präsentieren soll: Leidenschaft, Kampf, Teamgeist. Insofern steht die Mannschaft im Fokus.

Natürlich kann nach wenigen gemeinsamen Trainingseinheiten noch nicht alles klappen. Die Mannschaft kann, sie muss aber ein Zeichen setzen und anders auftreten als in den ersten drei Ligaspielen. Gelingt das nicht, gerät wohl sehr bald Pal Dardai als Trainer in den Fokus.

Besonderheiten

Herthas letzter Bundesligasieg in Bochum liegt knapp dreizehn Jahre zurück. Das hat weniger damit zu tun, dass der Revierklub großer Angstgegner der Berliner wäre. Sondern natürlich damit, dass Bochum mehr als ein Jahrzehnt lang in der zweiten Liga spielte. Beim 3:2 im November 2008 in Herthas Startelf: Pal Dardai und Arne Friedrich (heute Sportdirektor).

Sendung: rbb UM6, 10.09.2021, 18 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Der " Kollege " Windhorst sollte seine Millionen nicht weiterhin sinnlos in diese " Truppe " stecken, sondern mit dem Geld lieber die Stadt von den häßlichen tausenden und abertausenden HERTHA-Aufklebern auf Straßenschildern, Verteiler-kästen, Laternen usw. säubern lassen. Das wäre doch mal ein Zeichen für gelebte Sauberkeit. Bei Jens Lehmann konnte es gar nicht schnell genug gehen. Warum nicht weiter so ?

  2. 3.

    Viel Glück und Erfolg.

  3. 2.

    Hurra… jetzt spielen wir taktisch wie Lichtenstein, damit wir einen Punkt entführen . Ich wette , kurz vor Schluss kassieren wir noch das 2:1 .

  4. 1.

    Also erwartet Herr Dardai mindestens ein Unentschieden, so lese ich seine Äußerung. Na.dann mal los!!!

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