Hertha vor Spiel in Leipzig - Wieso nicht wieder überraschen?

Hertha-Trainer Pal Dardai küsst seinem Spieler Lucas Tousart auf den Kopf (imago images/Team2)
Audio: Inforadio | 25.09.2021 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Team2

Hertha BSC will seine kleine Erfolgsserie fortsetzen und in Leipzig zum dritten Mal in Folge ungeschlagen bleiben. Dabei muss Pal Dardai vor allem in der Abwehr improvisieren - mit Talenten oder Mittelfeldspieler Lucas Tousart. Von Simon Wenzel

Das Personal

Hertha hat Verletzungssorgen, vor allem in der Abwehr. Mit Dedryck Boyata, Jordan Torunarigha und Lukas Klünter fallen drei Verteidiger definitiv aus. Auch bei Marton Dardai ist Trainer und Vater Pal noch zurückhaltend. "Eigentlich hätte er im letzten Spiel gar nicht spielen sollen", erklärt Herthas Coach. Als Alternative für die Innenverteidigung steht neben dem 17-jährigen Linus Gechter auch Lucas Tousart bereit, laut Dardai: "Natürlich hat er (Anm.: Lucas Tousart) in dieser Position noch nie gespielt, aber mit etwas Coaching von Niklas Stark würde das schon klappen."

Immerhin dürfte Marvin Plattenhardt inzwischen bereit sein für 90 Minuten. Der ehemalige Nationalspieler musste zuletzt gegen Fürth noch zur Halbzeit ausgewechselt werden. An der Fünferkette will der Trainer festhalten - solange er genug Innenverteidiger hat. Aus Mangel an fitten Alternativen trainierten in dieser Woche zwei Spieler aus dem Regionalliga-Team mit, Christalino Atemona (19 Jahre alt) und Cimo Röcker (27 Jahre alt). Mindestens einer von beiden wird wohl in Leipzig zum Kader gehören. Ob das auch auf Stürmer Krzysztof Piatek zutrifft, wollte Pal Dardai noch nicht verraten. Zwar ist der Stürmer fit und längst zurück im Training, ganz rund laufe er laut Beobachtungen des Trainers aber noch nicht nach seiner längeren Verletzungspause.

Es fehlen: Myziane Maolida (Muskelverletzung), Dedryck Boyata (Muskelverletzung), Stefan Jovetic (Wadenprobleme), Jordan Torunarigha (Muskelverletzung), Rune Jarstein (Trainingsrückstand), Lukas Klünter (Schulter-OP)

Die Form

Ist verbessert. Hertha scheint sich langsam zu stabilisieren. Defensiv ließen die Berliner gegen Greuter Fürth kaum etwas zu, offensiv spielten sie sich in der zweiten Hälfte etwas frei - vor allem nach den Einwechslungen von Ekkelenkamp und Richter. Pal Dardai bezeichnete die beiden letzten Spiele auch als "Test" für die Fünferkette in der Abwehr, sein Fazit: "Die Jungs fühlen sich sicherer mit der Fünferkette, das hat auch die letzte Saison schon gezeigt. Wir haben jetzt zwei Mal gewonnen, defensiv sah es sehr gut aus, es gab keine großen Chaos-Momente und das tut gut. Deshalb versuchen wir, so lange wie möglich mit Fünferkette zu spielen."

Bei aller Freude über das gute Spiel in der Vorwoche, muss der Hinweis gestattet sein, dass der Gegner eben "nur" Fürth hieß. Der Aufsteiger wirkt zum Saisonstart erstmal wie das schwächste Team der Liga und steht mit nur einem Punkt am Tabellenende, das kam Hertha zugute. Richtig und wichtig ist trotzdem: Der zweite Sieg in Folge sorgte erstmal für Ruhe im Umfeld. Sechs Punkte nach fünf Spielen reichen für einen soliden Saisonstart. Denn wenn es sich wie eine zwei Jahre laufende Dauerschleife anfühlt, Hertha ist mal wieder mit einem Umbruch beschäftigt. Die Verantwortlichen werben deshalb um Geduld. Nach Leipzig fährt Hertha mit Respekt aber auch selbstbewusst. "Wir gehen mit großem Respekt da hin, aber wir haben dort auch schon mit zehn Mann gewonnen, wieso soll uns nicht auch dieses Mal eine Überraschung gewinnen?", fragt Trainer Pal Dardai.

Der Gegner

Dass die Überraschung in Leipzig nicht ausgeschlossen erscheint, liegt auch an Gegner RB. Der letztjährige Vizemeister ist mit seinem neuen Trainer Jesse Marsch vom Start weg in eine kleine Krise geschlittert. Erst zwei Siege aus sieben Pflichtspielen (einer davon gegen Sandhausen im Pokal) holte der Amerikaner mit seinem Team, liegt auf Platz 12 in der Liga, schon neun Punkte hinter Tabellenführer Bayern München und auch zwei hinter Hertha.

Weil seine bisher präferierte Viererkette noch nicht funktioniert, könnte Marsch im Spiel gegen Hertha sein System umstellen und auf eine Dreierkette wechseln, so wie sie sein Vorgänger Julian Nagelsmann meist spielen ließ - das spekuliert zumindest die "Bild". Sinn ergeben würde diese Umstellung, denn defensiv ist Leipzig bislang anfälliger als in der Vorsaison und offensiv kommt weniger Druck über die Außen. Vielleicht hängt Stürmer André Silva auch deshalb bislang in der Luft. Erst ein Saisontor hat der Neuzugang für RB erzielt, letzte Saison traf er noch 28 Mal für Eintracht Frankfurt, da flogen aber auch mehr Flanken in den Strafraum.

Herthaner im Fokus

Jurgen, gesprochen Jürchen, Ekkelenkamp ist Herthas neuer Hoffnungsträger. 30 Minuten gegen Fürth reichten dem Niederländer, um sich die Liebe der Fans zu erspielen - und zu erköpfen, beim Tor zum 1:1-Ausgleich. Pal Dardai wunderte sich sogar schon scherzhaft, wieso der talentierte Ekkelenkamp von Ajax Amsterdam überhaupt nach Berlin in seine Mannschaft gewechselt sei. Der 21-Jährige selbst beschreibt seine Stärken klar im letzten Spielfelddrittel: "Tore zu schießen und vorzubereiten, das ist eine meiner speziellen Stärken", sagte Ekkelenkamp im Rahmen einer Medienrunde in dieser Woche.

Ob der Trainer den neuen Shootingstar gegen Leipzig erstmals von Beginn an bringt, bleibt trotzdem abzuwarten. Denn bei RB könnte Hertha auch auf Old-School-Dardai Fußball setzen und den Fokus zunächst auf defensive Absicherung legen. Vorne bräuchte Dardai dann schnelle Konterspieler, da wäre eher der Typ Marco Richter gefragt. Jurgen Ekkelenkamp hat gegen Fürth aber gezeigt, dass er auch als Einwechselspieler ein wichtiger Faktor sein kann, wegen seiner Kopfballstärke bei Standards und mit seiner Ballsicherheit und Übersicht.

Besonderheiten

In Leipzig werden weniger Zuschauer zugelassen sein, als beim letzten RB-Heimspiel. Wegen gestiegener Corona-Inzidenzwerte, sind statt der 34.000 Zuschauer, zuletzt gegen Bayern, jetzt nur noch 23.500 erlaubt. 1.175 Gästefans dürfen ins Stadion. Diese müssen sich - etwas kurios - eine Ticket-App des gastgebenden Vereins herunterladen. Eine Änderung, die RB vor dieser Saison vornahm.

Beim Einlass gilt die 3G-Regel. Einer 2G-Regel - also nur geimpfte und getestete Fans ins Stadion zu lassen - wollte sich RB im Gegensatz zu anderen Bundesligisten nicht anschließen.

Sendung: UM6, 23.09.2021

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