Gruppenphase der Conference League - Union Berlin steht gegen Maccabi Haifa unter Zugzwang

Urs Fischer
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Video: rbb UM6 | 29.09.2021 | Torsten Michels | Bild: imago images/Contrast

Nach der Niederlage zum Auftakt der Conference League ist Union Berlin am Donnerstag gegen Maccabi Haifa gefordert. Trainer Urs Fischer erklärt, was den Gegner besonders gefährlich macht. In der Abwehr muss Fischer rotieren. Von Shea Westhoff

Union Berlin hat das erste Heimspiel in der Conference League vor der Brust. Die Partie gegen Maccabi Haifa findet am Donnerstag erneut im Olympiastadion statt (21 Uhr / live im Audiostream). Das Team von Trainer Urs Fischer hatte zum Auftakt mit 1:3 bei Slavia Prag verloren und steht nun bereits unter Zugzwang. Haifa träumte zum Saisonstart von der Champions League, scheiterte aber in der ersten Qualifikationsrunde. Auf der Pressekonferenz gab Fischer Einblicke in die Vorbereitung auf das Spiel.

Das Personal

Die Bilder von Timo Baumgartls heftigem Zusammenprall mit Arminia Bielefelds Fabian Klos am vergangenen Samstag gingen durch die Medien. Sanitäter transportierten den Union-Verteidiger mit einer Trage vom Feld, er musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Diagnose lautete schwere Gehirnerschütterung, die vierte in seiner Karriere. Er wird wohl noch länger fehlen.

Durch den zusätzlichen Ausfall des Abwehrspielers Paul Jaeckel, der eine Gelb-Rot-Sperre abzusitzen hat, ist Trainer Urs Fischer gezwungen, in der Verteidigung zu rotieren. Außer den Stammkräften Marvin Friedrich und Robin Knoche hat der Trainer keine erfahrenen Innenverteidiger mehr im Europacup-Kader.

Fischer könnte gegen Haifa Julian Ryerson von der Außenbahn in die Innenverteidigung ziehen. Denkbar wäre auch eine Umstellung von der erprobten Dreierkette mit drei Innenverteidigern auf eine Viererkette mit nur zwei Innenverteidigern. Am Mittwoch auf der Presskonferenz wollte sich Urs Fischer aber diesbezüglich nicht in die Karten schauen lassen: "Ich bin nach wie vor der Meinung, eine gute Lösung hinzubekommen", sagte er. "Welche es sein wird, werden wir dann morgen sehen."

Es fehlen: Timo Baumgartl (Gehirnerschütterung), Paul Jaeckel (Gelb-Rot-Sperre)

Die Form

Bei wechselhaften Ergebnissen in den vergangenen Wochen gab es eine Konstante bei Union: die Moral der Mannschaft.

Bei der 1:3-Niederlage gegen Slavia Prag im Auftaktspiel der Gruppenphase steckte das Team um Kapitän Christopher Trimmel auch in Unterzahl nicht auf und kam zwischenzeitlich sogar zum 1:1. Gegen Borussia Dortmund schossen die Unioner auswärts beim Stand von 0:3 noch zwei Treffer und waren nah am Ausgleich. Erst ein unmögliches Gegentor durch Erling Haaland per Bogenlampe über Keeper Andreas Luthe besiegelte die Niederlage.

Gegen Arminia Bielefeld am vergangenen Wochenende konnten die Unioner ihre Willenskraft dann auch in Punkte umwandeln. Der Siegtreffer von Joker Kevin Behrens kurz vor dem Schlusspfiff könnte der Mannschaft nun den nötigen Rückenwind für die anstehende Aufgabe in der Conference League verleihen.

Der Gegner

Der frühere israelische Abomeister Maccabi Haifa durfte in den Vorsaison nach zehn Jahren Pause wieder den nationalen Meistertitel feiern. Dadurch löste Haifa das Ticket für die Champions-League-Qualifikation, schied dort aber bereits in der ersten Runde gegen den kasachischen Klub Kairat Almaty aus.

Im Gegensatz zu Union Berlin konnte Haifa in der Gruppenphase der Conference League bereits punkten. Zum Start gab es ein 0:0 gegen Feyenoord Rotterdam, das viele als Favoriten auf den Gruppensieg betrachten. Umso wichtiger ist für die Köpenicker am Donnerstag ein Sieg gegen die Mannschaft aus Israel.

 

Urs Fischer warnte auf der Pressekonferenz vor einem Gegner, der gerade im Umschaltspiel seine Qualitäten habe. "Sie haben schnelle Spieler, vor allem auf den Seiten", sagte er. Eindruck hinterließ beim Schweizer vor allem Spielmacher Tjaron Chery, ein gebürtiger Niederländer und Nationalspieler für Suriname. "Ein Spieler mit Qualitäten - vor allem mit dem linken Fuß. Er macht immer etwas Überraschendes", sagte Fischer. Chery sei jemand, der Spiele entscheiden könne.

 

Unioner im Fokus

Umso gefragter sind die Tugenden des defensivstarken Sechsers Rani Khedira. Im Sommer vom FC Augsburg an die Alte Försterei gewechselt, ist er mit seinem umsichtigen, mannschaftsdienlichen Spiel bei Trainer Fischer gesetzt.

"Wir sind gut beraten, das Spiel gewinnen zu wollen", sagte Khedira auf der Pressekonferenz vor der zweiten Conference-League-Partie. Khedira will mit seiner Mannschaft "mit Power und Intensität" versuchen, das "Spiel auf unsere Seite zu ziehen."

Besonderheiten

Weil Union Berlin seine Heimspiele in der Conference League nicht im Stadion An der Alten Försterei austragen darf, ziehen die Unioner wieder einmal von Köpenick nach Charlottenburg ins Olympiastadion um. Der Turnierausrichter Uefa verlangt ein Minimum an Sitzplätzen, das Unions Heimstadion nicht bietet.

Dadurch schreibt das Olympiastadion am Donnerstagabend Geschichte: Errichtet während der NS-Zeit für die Olympischen Spiele 1936, empfängt es nun zum ersten Mal eine Fußballmannschaft aus Israel.

 

Sendung: Inforadio, 29.09.2021, 20:15 Uhr

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