Interview | Energie Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz - "Vor vier Monaten stand der Verein vor dem Konkurs, jetzt sollen wir aufsteigen?"

Claus-Dieter Wollitz applaudiert den Fans im Stadion der Freundschaft. (Quelle: imago images/Steffen Beyer)
Bild: imago images/Steffen Beyer

Energie Cottbus hat einen wechselhaften Saisonstart in der Regionalliga Nordost hinter sich. Auf Anfangsschwierigkeiten folgte eine Siegesserie, die nun gerissen ist. Zeit für ein Zwischenfazit mit Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz - der die Erwartungen zu drosseln versucht.

rbb|24: Herr Wollitz, eigentlich hatten wir uns auf einen gut gelaunten Energie-Trainer eingestellt, nach vier Liga-Siegen in Folge. Dann setzte es die deutliche 0:3 Heimniederlage gegen Altglienicke. Wie ist die Stimmung am Tag danach?

Nach Siegen ist sie besser (lacht). Auf der anderen Seite bin ich jemand, der Spiele danach analysiert und ich habe gesehen, dass wir auf Augenhöhe gespielt haben. Nach dem 0:1 haben wir uns dann selbst noch mehr unter Druck gesetzt. Daraufhin bekommen wir zwei Standard-Gegentore, die wir nicht gut verteidigen - und dann ist das Spiel natürlich gelaufen.

Gegen Altglienicke waren 5.000 Fans im Stadion der Freundschaft - wie wichtig ist diese Unterstützung von den Tribünen?

Sie ist wahnsinnig wichtig und deshalb ärgert es mich besonders, dass wir gegen die VSG verloren haben - vor allen Dingen in dieser Höhe. Wir haben es in den vergangenen Wochen geschafft, dass die Leute wieder gerne ins Stadion kommen und eine gute Stimmung erzeugen. Dieser guten Stimmung haben wir gegen Altglienicke einen Dämpfer gegeben, in der Art und Weise, wie wir dann hinten raus verloren haben. Da hat uns die Konsequenz einfach gefehlt.

Der Saisonstart verlief durchwachsen bis enttäuschend. Doch dann fing sich ihr Team, legte die angesprochene Siegesserie hin. Was haben Sie mit der Mannschaft gemacht?

Enttäuschend? Das sehe ich ein bisschen anders. Enttäuschend war das erste Saisonspiel gegen Luckenwalde (1:1) - aber nur in seiner Konstellation, weil die Erwartung immer da ist, als Energie Cottbus gegen Luckenwalde zu gewinnen (Luckenwalde ist momentan Tabellenzweiter in der Regionalliga Nordost, Anm. d. Red.). Beim BFC am zweiten Spieltag entsprach das Ergebnis (1:2) nicht dem Spielverlauf. Wir waren klar besser. Sowohl nach Siegen als auch nach Niederlagen, gebe ich den Spielern im Nachhinein Videomaterial mit und versuche das dann im Training umsetzen zu lassen. Wenn man sich bei diesen Video-Analysen selbst reflektiert, dann erkennt man ziemlich gut, wo etwas zu verbessern ist. Ich spreche diese Dinge dann auch offen und ehrlich in der Mannschaft an.

Es entwickelte sich in den vergangenen Wochen durchaus eine Euphorie im Umfeld des Vereins - wie sind Sie intern damit umgegangen?

Es gibt eine interne und eine externe Erwartung. Die externe Erwartung ist natürlich hoch - aber das gilt intern für jeden einzelnen Spieler genauso. Aber wenn die Automatismen noch nicht so funktionieren und wir noch keine Selbstverständlichkeit in unserem Spiel haben, wir uns aber selbst diesen Druck machen, dann stimmt manchmal das Verhältnis nicht. Und das sieht man dann vielleicht in der Körpersprache. Was wir auf dem Platz gezeigt haben, war vielleicht ordentlich, aber es war nie so stabil, wie es sein muss, um ganz große Ziele zu haben. Ich lasse mich weder von Siegen noch von Niederlagen verrückt machen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Sportdirektor Maximilian Zimmer? Der war lange Ihr Spieler, jetzt arbeiten Sie zusammen um die Mannschaft herum?

Er war schon als mein Spieler jemand, mit dem ich ganz viel kommuniziert habe. Er war immer ein Schlüsselspieler in meiner Mannschaft. Wir sind als Spieler und Trainer schon sehr gut miteinander klargekommen und das ist jetzt auch so. Wir sind in unseren Ansichten fast deckungsgleich. Das Einzige, was bei ihm extremer ist: Maxi ist nach Niederlagen noch enttäuschter als ich (lacht). Er ist ein junges Talent in diesem Job und es ist schön, dass es solche Leute gibt, die einfach voll bei der Sache sind.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Kader?

Insgesamt hätte ich den Kader gerne etwas breiter - man sieht jetzt, dass wir zu dünn besetzt sind. Aber der Verein ist finanziell nach wie vor nicht über den Berg. Es wurde in den letzten Monaten vieles unternommen, damit wir überhaupt so eine Ausgangssituation wie jetzt haben. Die Neuzugänge haben das bislang sehr ordentlich gemacht.

Wieviel Überzeugungsarbeit mussten Sie bei der Verpflichtung neuer Spieler leisten, als Sie den Job zur neuen Saison übernommen haben?

Es war schon mal leichter, Spieler in die Lausitz zu holen, das gebe ich zu. Das haben wir uns als Verein aber selbst eingebrockt. Man muss den Spielern das Gefühl geben, dass sie wertgeschätzt werden - da ist in jüngerer Vergangenheit viel liegengeblieben. Das wurde mir so berichtet und das habe ich dann auch selbst in der Kabine festgestellt. Die Probleme, die der Verein hatte, wurden auf den Rücken der Spieler ausgetragen. Und das darf nicht sein. Das Wichtigste, was ein Verein hat, sind die Spieler.

Wie lautet Ihr Zwischenfazit nach sieben absolvierten Partien? Momentan haben Sie acht Punkte Rückstand auf Tabellenführer BFC Dynamo, mit einem Spiel weniger …

Ich muss das mal anders zurückfragen: Haben Sie vor der Saison ein ausgegebenes Ziel von Energie Cottbus gehört?

Tatsächlich nicht …

Weil wir immer gesagt haben, dass wir sehr spät Spieler dazubekommen haben, sowohl in der Vorbereitung als auch in der bereits laufenden Saison. Die Tabelle sagt durch Spielabsagen und Verlegungen noch nicht viel aus. Wenn ich das Glas halb voll mache, dann haben wir drei Punkte mehr und damit fünf Punkte Rückstand auf den BFC. Ist dann schon irgendetwas passiert? Nein. Ich lasse mich von der Tabelle jetzt nicht beeinflussen. Wir brauchen eine konstante Leistung, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, weiter nach oben zu kommen. Energie Cottbus hat nie gesagt, dass wir eine Mannschaft haben, die klar Erster werden kann. Vor vier Monaten stand der Verein kurz vor dem Konkurs, jetzt sollen wir aufsteigen? Da passt in meiner Welt das Verhältnis nicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Uri Zahavi für den rbb Sport. Es handelt sich um eine gekürzte und leicht redigierte Fassung.

Sendung: rbb24, 02.09.2021, 21:45 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Energie Cottbus ist ein Club der echt ist, mit dem man sich idenfizieren kann. Der Verein hat Spieler geholt und zu Profis entwickelt. Die eigene Nachwuchsarbeit (mit einem ausgezeichneten Nachwuchsleistungszentrum)bringt immer wieder Talente hervor die eine tollen Weg in Fussballdeutschland gehen. Ich bin mir sicher, die Arbeit des genialen Trainers Pele Wollitz, des Sportlichen Leiters Maxi Zimmer und des Vorstandes um dem den Präsidenten, werden wieder eine Mannschaft mit Potential schaffen. Wir haben jetzt tolle Spieler die diesen Verein leben, genau wie Pele. All das sind beste Voraussetzungen um den Verein da hin zu bringen wo er hingehört - in den Profifußball. Wir als Fans werden alles dafür tun um die Mannschaft und die Verantwortlichen nach besten Kräften und mit lautstarken Kehlen dabei zu unterstützen. ICH BIN STOLZ EIN ENERGIE COTTBUS FAN ZU SEIN!

  2. 7.

    Schon mal darüber nachgedacht, woher einige Millionäre auf dem Platz einiger Mannschaften kommen?
    Bestimmt nicht aus dem Gewächshaus.
    Energie Cottbus hat wohl einige Spieler auf den MARKT gebracht.

  3. 6.

    Es gibt auch Menschen die brauchen keine überbezahlten Profis und Legionäre die übers Feld tanzen. Und dazu noch hohe eintrittspreise bezahlen und viel Geld für Getränke und eine Wurst bezahlen.

  4. 5.

    "mieser" aber auch ehrlicher und leidenschaftlicher Fußball, der nur von dem finanziert wird, was man auch wirklich hat. Leute die nicht das Event, sondern den Sport im Vordergrund sehen, die interessieren sich dafür.

  5. 4.

    Ist doch nur Regionalliga. Da kann man nur auf einen Aufstieg zielen. Wer will schon diesen miesen Fußball in der Unterklasse?

  6. 3.

    Toller Verein und toller Trainer! Alles Gute in die Lausitz!

  7. 1.

    Schei... Verein. Aber echt cooler Trainer. Was der nur an Cottbus findet....

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