Union Berlin gegen Maccabi Haifa - Ein ganz besonderes Spiel

Das Berliner Olympiastadion in der Dämmerung(Bild: imago images/Zink)
Audio: Inforadio | 30.09.2021 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Zink

Der 1. FC Union Berlin empfängt am Donnerstagabend den israelischen Verein Maccabi Haifa im Berliner Olympiastadion. Diese Conference League-Partie ist nicht nur sportlich eine Premiere, sondern auch historisch.

Wenn am Donnerstagabend im Berliner Olympiastadion das Europa-Conference-League-Gruppenspiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und Maccabi Haifa angepfiffen wird (live im Audiostream ab 20:43 Uhr), dann bekommt diese Begegnung neben der sportlichen Komponente noch eine historische. Denn zum ersten Mal spielt eine israelische Fußballmanschaft in einem Pflichtspiel an dem Ort, wo Adolf Hitler 1936 die Olympischen Spiele für seine NS-Propaganda missbrauchte.

Dass diese Reise nach Berlin für die Gäste etwas ganz besonderes ist, zeigte schon der Besuch der Israelis am Holocaust-Mahnmal, wo das gesamte Team vor dem Abschlusstraining am Mittwoch einen Kranz niederlegte. "Der Sport ist nochmal eine weitere Möglichkeit, die Erinnerung an die Shoa zu thematisieren", sagte Maccabis Pressesprecher David Bazak dem rbb. Dieses Spiel sei ebenso ein Stein der Erinnerung, aber dadurch könne die Vergangenheit natürlich nicht mehr verändert werden, so Bazak weiter.

"Das geht über den Fußball hinaus"

Auch der Gang ins Olympiastadion im Berliner Westend war etwas Besonderes für das Team von Maccabi Haifa. "Hier reinzukommen, als freier Mensch, ist etwas, das mich sehr berührt. Juden durften hier damals ja gar nicht hinein. Und heute kommen wir mit unserem Verein. Das geht auch über den Fußball hinaus!", sagte der Pressesprecher des israelischen Klubs im Gespräch mit dem rbb.

Das erstmalige Aufeinandertreffen beider Mannschaften ist zugleich auch das erste Pflichtspiel der Unioner gegen eine Mannschaft aus Israel. "Wir sind uns bewusst, dass diese Begegnung für unsere Gäste aus Haifa und für die jüdische Gemeinschaft in Berlin über den sportlichen Vergleich hinaus von ganz besonderer Bedeutung ist", betonte Union-Präsident Dirk Zingler auf der Webseite der Berliner [fc-union-berlin.de].

In vielen Gesprächen im Vorfeld des Spiels habe man die Vorfreude auf diesen Abend gespürt und man freue sich sehr, die Mitarbeiter der israelischen Botschaft, Vertreter des jüdisch-christlich-islamischen Dialogprojektes House of One, viele Mitgestalter jüdischen Lebens in Berlin und Sportlerinnen und Sportler von Makkabi Berlin zu diesem Spiel im Olympiastadion zu begrüßen, fuhr Zingler fort.

Antisemitische Beschimpfungen im Sport

Michael Koblenz, Sportvorstand von Makkabi Berlin, möchte das Spiel von Union und Haifa im Berliner Olympiastadion allerdings nicht als Zeichen gegen Antisemitismus benutzen."Man muss nicht jeden Anlass nutzen, um Symbolpolitik zu betreiben", sagte der 46-Jährige der "Märkischen Allgemeinen" am Donnerstag. Der Fußballverein Union Berlin habe klar gesagt, dass sie so ein Spiel nicht brauchen, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. "Das könnten wir jeden Tag gemeinsam machen und dazu sei man auch bereit", sagte Koblenz.

Der Sportvorstand nahm Alba Berlin als Beispiel. Die Basketballer treffen in der Euroleague fast jedes Jahr auf Makkabi Tel Aviv, ohne dass der im Westend beheimatete Breitensportverein jedes Mal demonstrieren würde. Allerdings beobachtet Koblenz schon Tendenzen, dass der Antisemitismus in Deutschland auch im Sport zunehme: "Unsere Sportler werden regelmäßig auf dem Platz mit antisemitischen Beschimpfungen konfrontiert - oft geht es auch gegen nicht jüdische Spieler."

Union will unbedingt punkten

Schon bevor am Donnerstagabend die erste israelische Vereinsmannschaft zu einem Pflichtspiel im Olympiastadion aufläuft, kam 1974 die Nationalmannschaft zu einem Test in die Arena. Die Landesauswahl Israels spielte damals gegen Hertha BSC.

Der einzige Klub, der bislang in Berlin antrat, war am 24. Juli 1976 Hapoel Beer Sheva. Der israelische Verein traf in der Gruppe 2 des Intertoto-Cups auf Hertha BSC. Gespielt wurde jedoch im Mommsenstadion. Die Gastgeber gewannen ihr Spiel vor wenigen Zuschauern mit 5:1.

Der 1. FC Union möchte seine Partie natürlich auch erfolgreich gestalten. Trainer Urs Fischer warnte sein Team vor dem schnellen Umschaltspiel der Gäste. Unions defensiver Mittelfeldspieler Rani Khedira sagte - nicht ganz überraschend - dass "wir gut beraten sind, das Spiel gewinnen zu wollen." Es wären die ersten Punkte der Köpenicker in der Conference League. Diese Begegnung kann man daher aus mehreren Gründen als historisch bezeichnen.

Sendung: Livestream Inforadio Sport, 30.09.2021, 20:43 Uhr

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