Nach dem Sieg gegen Fürth - Herthas holländischer Hoffnungsträger

Herthas Jurgen Ekkelenkamp jubelt mit Marton Dardai (Foto: imago images /Matthias Koch)
Video: Abendschau | 18.09.2021 | Sebastian Meyer | Bild: www.imago-images.de

Lange tat sich Hertha BSC schwer gegen Aufsteiger Fürth. Erst mit der Einwechslung von Jurgen Ekkelenkamp kam das Team in Schwung und sicherte sich den ersten Heimsieg der Saison. Am Tag danach dreht sich alles um den Neuzugang. Von Mathias Ehlers

Wenn irgendwann auf die laufende Bundesliga-Saison zurückgeblickt wird, ist es gut möglich, dass die 60. Minute im Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth als Wendepunkt in Herthas bislang etwas rumpeliger Spielzeit betrachtet werden wird. Es war der Augenblick, als Routinier Kevin-Prince Boateng den Rasen verließ, um Platz zu machen für Debütant Jurgen (sprich: Jürchen) Ekkelenkamp.

Erlösung für Hertha

Ein Tausch voller Symbolik: Der 34-Jährige ging, um seine Paraderolle als inoffizieller Co-Trainer auszufüllen, der 21-Jährige kam, um mit seiner erfrischenden Art das Spiel zu drehen. 87 Sekunden dauerte es, bis der Niederländer per Kopf zum Ausgleich traf, knapp 20 Minuten später provozierte er das siegbringende Eigentor der Fürther.

Eine Erlösung für die Hertha, deren Lazarett im Laufe des Spiels mit den Verletzungen von Kapitän Dedrick Boyata und Neuzugang Myziane Maolida weiteren Zuwachs bekommen hat. Beide verletzten sich am Oberschenkel und fallen damit vorerst aus. Dennoch überwiegt in Charlottenburg derzeit die Erleichterung, dass Hertha nach dem miserablen Saisonstart mit drei Niederlagen am Stück und dem glücklichen Sieg in der Vorwoche in Bochum so langsam in die Spur zu kommen scheint.

Dardai: "Weiß nicht, wie er bei uns gelandet ist"

Jedenfalls ist am Tag danach die gute Laune von Coach Pal Dardai kaum zu übersehen. Lächelnd gibt er Auskunft über den neuen Hoffnungsträger Ekkelenkamp und gibt unumwunden zu: "Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie er bei uns gelandet ist bei den Fähigkeiten."

Dabei ist dieser Umstand gar nicht so verwunderlich. Beim niederländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam kam Ekkelenkamp nur sporadisch zum Einsatz und tat letztlich das, was Spieler in einer solchen Situation immer tun: einen neuen Arbeitgeber suchen. So landete der 1,88 Meter große Offensivmann zum Ende der jüngsten Transferperiode bei den händeringend nach Verstärkung suchenden Herthanern. Geschätzt drei Millionen Euro wanderten dafür von Berlin nach Amsterdam.

Bobic lobt und bremst

Dardai ist seitdem voll des Lobes über den niederländischen U21-Nationalspieler. Er attestiert seinem Schützling "etwas Besonderes, wirklich. Dafür musst du ein bisschen geboren sein. Das kannst du nicht lernen" und ergänzt: "Gleich nach dem ersten Training habe ich gesagt: Er ist ein exzellenter Fußballer".

Auch Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic weiß die Qualitäten des Neuzugangs zu schätzen: "Er kommt aus einer sehr guten Schule bei Ajax und bringt unheimlich viel mit. Er ist ein positiver Kerl und hat genau das gemacht, was man von ihm erwartet: Er hat das Heft des Handelns in die Hand genommen." Doch Bobic wäre nicht Bobic, wenn er nicht auch die noch vorhandenen Schwachstellen des "tollen Fußballers" im Auge hätte: "Er muss noch stabiler und kräftiger werden. Aber wenn alles normal läuft, werden wir noch viel Spaß mit ihm haben."

Ekkelenkamp darf auf mehr Spielzeit hoffen

Auf seinen eigenen Spaß musste der Gelobte am Freitagabend zu seinem Verdruss allerdings ein Weilchen warten. "Ich war nicht sehr froh, auf der Bank zu sitzen", ließ sich Ekkelenkamp nach seinem ersten Auftritt in der Bundesliga entlocken. Eine lobenswerte Einstellung, sagt Dardai: "Das finde ich gut, so muss man umgehen mit der Sache. Alle sollen Monster sein und zum Trainer kommen, warum spiele ich nicht?"

Die Antwort liefert der Ungar am Morgen nach dem Spiel gleich mit: "Wenn ein Neuer kommt, kann ich ihn nicht sofort reinschmeißen. Es gibt Spieler, die haben zwei Monate Vorbereitung gemacht, viel trainiert, es gibt eine Hierarchie und eine pädagogische Sache."

In der teaminternen Hierarchie wird Ekkelenkamp mit seinem beeindruckenden Kurzauftritt gegen Greuther Fürth aber wohl einiges aufgeholt haben. Gut möglich, dass er demnächst auf mehr als nur 30 Minuten Spielzeit hoffen darf. Sein Coach will allerdings nichts überstürzen. Zwar attestiert Dardai Ekkelenkamp eine "Riesenchance" auf einen Stammplatz, um gleichzeitig zu bremsen: "Wir schauen die ganze Trainingswoche an. Heute verspreche ich keinem Spieler, dass er gleich Stammspieler ist."

Von Ekkelenkamp erwartet der Trainer zunächst, den glänzenden Eindruck aus der Partie gegen Fürth zu bestätigen. Am besten schon in der kommenden Woche beim Gastspiel in Leipzig. Auf die Dienstreise ins Sächsische blickt Dardai mit Optmismus, aber nicht ohne Demut: "Natürlich wollen wir gewinnen, aber eine große Klappe müssen wir nicht haben".

Sendung: Inforadio, 18.09.2021, 15.04 Uhr

Beitrag von Mathias Ehlers

4 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 4.

    Du meinst eher „Hup Holland hup“. Es ist ein Fußballlied aus den 50er Jahren. Im Fußball gibt es oft alte Bezeichnungen. Aber das ändert nichts an der korrekten Bezeichnung der Nationalität. Deutsche wollen sich nicht nur als Bayern oder Preußen wahrgenommen werden, auch wenn es von Ferne immer wieder vorkommt.

  2. 3.

    @ Ron und Stefan H. : Ich habe mich auch schon oft darüber gewundert, dass immer wieder gesagt wird, man solle nicht Holland sagen, wenn man die gesamte Niederlande meint, dass dann aber andererseits die Elftal von ihren niederländischen Fans stets mit lautstarken "Holland, Holland!"-Rufen angefeuert wird.

  3. 2.

    Das war ja jetzt wichtig. Die Bezeichnung Holland wird übrigens sogar von Niederländern für ihr Land benutzt, da dürfte die Verwendung hier nicht beleidigend sein. Sollen wir jetzt auch singen "ohne die Niederlande fahr'n wir zur WM"? ;}

  4. 1.

    Er ist nicht aus Holland sondern aus Utrecht. Bleibt einfach bei niederländisch. Holland ist nur ein kleiner Teil der Niederlande.

Nächster Artikel