Corona in der Regionalliga Nordost - "Die Nachholspiele, die wir jetzt haben, sind Bonusspiele"

Stadion der Freundschaft Cottbus
Video: UM 6 | 22.09.2021 | Johanna Rüdiger | Bild: imago images/Steffen Beyer

Nach einigen Corona-Fällen könnte sich der Spielbetrieb in der Regionalliga Nordost wieder in Richtung Normalität bewegen. Doch zunächst gilt es, verlegte Spiele nachzuholen. Eine Belastungsprobe für Vereine wie Energie Cottbus und Tennis Borussia. Von Shea Westhoff

Wohin die Reise für Energie Cottbus in der Fußball-Regionalliga Nordost gehen wird, vermag im Klub niemand zu sagen. Nach einem verheißungsvollen Saisonstart (vier Siege aus sieben Partien) standen dem Verein im September wegweisende Spiele bevor, etwa gegen Meister und Fast-Aufsteiger von 2020, Lok Leipzig, sowie gegen die ehemaligen Drittligisten Chemnitz und Jena.

Dann ereilten die Brandenburger mehrere Corona-Fälle. Nach telefonischer Rücksprache mit dem Gesundheitsamt der Stadt Cottbus ordnete der Verein Teilen der Mannschaft eine häusliche Quarantäne an. Die Top-Spiele im Spätsommer mussten verlegt werden.

Bislang mussten die Vereine der Regionalliga Nordost 20 Partien vorläufig absagen, 15 davon coronabedingt. Allein am vorigen Wochenende wurden vier Partien ausgesetzt.

Bei Wollitz macht sich Frust bemerkbar

Am kommenden Samstag (13 Uhr) empfängt Energie Cottbus den FC Eilenburg. Es ist die erste Ligapartie für die Lausitzer nach dem 0:3 gegen die VSG Altglienicke am 1. September. 14 Spieler plus ein Torwart stünden dem Klub aktuell zur Verfügung, wie Trainer Claus-Dieter Wollitz am Dienstag am Rande des Mannschaftstrainings sagt. "Dann ist die Regel, dass wir auch spielen dürfen", fügt er lapidar hinzu. Personell ist in Cottbus gerade offenbar alles auf Kante genäht, nachdem der Verein drei Corona- und weitere Quarantäne-Fälle zu verzeichnen hatte.

Dann macht sich Frust bei Wollitz bemerkbar. "Es wäre schön, wenn der Wettbewerb etwas fairer vonstattengeht", sagt er. "Ich weiß nicht, wann wir diese vier Spiele, fünf Spiele in diesem Jahr noch nachholen sollen." Tatsächlich sind es vier Ligaspiele, die der Verein nachzuholen hat.

"Ich hoffe, dass der Wettbewerb am Ende so fair ist, dass derjenige, der am Ende erster ist, dann auch verdient erster ist. Im Moment scheint mir das nicht möglich zu sein", sagt Wollitz in scharfem Ton.

Damit steht die Frage im Raum, ob Vereine wie Energie Cottbus in dieser Spielzeit gerade eine massive Benachteiligung erleben, weil sie mehrere Spiele auf einmal nachzuholen haben.

Regionalliga-Spielleiter: "Die anstrengendste Spielzeit"

Regionalliga-Spielleiter Wilfried Riemer drückt es am Telefon sachlich aus: "Am Ende will jeder Verein auf die gleiche Anzahl von Spielen kommen", sagt er. Deswegen sehe er auch keine Verzerrung. "Wir versuchen es so hinzubekommen, dass nicht ein Klub sechs englische Wochen hintereinander bestreiten muss. Wir versuchen Pausen einzubauen."

Aktuell bastele er mit weiteren Vertretern des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV) an der Terminierung der ausstehenden sechs Nachholspiele. Riemer ist gerade der wichtigste Ansprechpartner für die Klubs. Er sagt, die aktuelle Spielzeit sei für ihn die bislang anstrengendste.

"Irgendjemanden kann es immer treffen"

Immerhin, der anstehende Spieltag gibt Grund zu Optimismus. Wenn sich nämlich die Ereignisse in der Regionalliga nicht erneut überschlagen, dann werden am 12. Spieltag tatsächlich alle geplanten Partien stattfinden. Alle Teams scheinen derzeit frei von zumindest den allergrößten Corona-Sorgen. Das gab es zuletzt vor einem Monat. Nimmt der Spielbetrieb also wieder Fahrt auf?

"Ich hoffe es inständig, dass der Spielplan sich jetzt wieder begradigt", sagt Riemer. Doch er gibt sich realistisch: "Es wird noch weitere Absagen geben. Wir leben gemeinsam in einer Gesellschaft, irgendjemanden kann es immer treffen." Er meint eine Infektion mit dem Coronavirus.

Von allen hohen regionalen Spielklassen in Deutschland ist die Regionalliga Nordost die am meisten gebeutelte. Hier grassierte das Virus in der Saison 2021/22 bei bislang sieben Mannschaften. Weil es bei den Vereinen im Nordosten besonders viele Impfverweigerer gibt?

Riemer könne das nicht bestätigen. "Wir haben einige Vereine, bei denen auch Schüler, Studenten oder Arbeiter dabei sind. Da ist Gefahr einer Ansteckung größer." Man könne niemanden zwingen, sich impfen zu lassen, sagt Riemer. Trotzdem habe er zuletzt seitens der Klubs ein Umdenken mitbekommen, unter den Spielern vermehrt fürs Impfen zu werben.

Nun gilt es, den durcheinandergewirbelten Spielplan wieder zu beruhigen. Tabellenführer BFC Dynamo konnte bisher alle elf Spiele absolvieren, während Energie Cotbus und Lok Leipzig derzeit bei sieben Partien stehen. Tennis Borussia wiederum hat gerade mal sechs Spiele gemacht, war zweimal von Quarantäne-Maßnahmen betroffen.

Nachholspiele als "Bonusspiele"

Damit stehen Tennis Borussia ab sofort die meisten englischen Wochen bevor, um die verpassten Spiele nachzuholen.

TeBe-Spieler Rico Gladrow fasst die bisherige Saison seines Vereins so zusammen: "Wenn du so aus der Bahn geworfen wirst mit Corona, ist es natürlich sehr schwierig, mal mit zehn, mal mit zwölf Spielern zu trainieren." Es gestalte sich kompliziert, einen "Mannschaftsfluss" oder "Mannschaftsgeist" zu finden. "Ich hoffe, dass die Corona-Fälle bei uns aufgehört haben, sonst wäre es fatal."

TeBe-Trainer Markus Zschiesche gibt sich wiederum betont entspannt angesichts der komplizierten Situation. Zwei Spiele absolvierten die Charlottenburger zuletzt nach ihrer jüngsten Corona-Pause, nur ein Punkt sprang heraus. Nach der 2:4-Niederlage gegen SV Babelsberg am vergangenen Freitag sagt Zschiesche trotzdem: "Wir sehen es positiv. Wir gucken, wie wir die Situation hinkriegen. Die Nachholspiele, die wir jetzt haben, sind Bonusspiele. Danach schauen wir, was los ist." Es ist eine Haltung, mit der man ganz gut fahren dürfte in dieser unberechenbaren Saison 2021/22.

Am späten Dienstagnachmittag geben Wilfried Riemer und der Nordostdeutsche Fußballverband mit einer Meldung Grund zur Hoffnung, dass sich die Saison am Ende gut fügen wird: Die noch ausstehenden Nachholspiele konnten bis Ende November abschließend terminiert werden.

Sendung: Inforadio, 21.09.2021, 18:15 Uhr

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