Albas Neuzugänge Yovel Zoosman und Tamir Blatt - Stumme Brüder

Yovel Zoosman (l.) und Tamir Blatt beim Training von Alba Berlin (imago images/Tilo Wiedensohler)
Video: rbb24 | 08.10.2021 | Sebastian Meyer | Bild: imago images/Tilo Wiedensohler

Yovel Zoosman und Tamir Blatt sind Neuzugänge bei Basketball-Bundesligist Alba Berlin, Landsmänner und seit jeher beste Freunde. Warum das alles nur bedingt miteinander zu tun hat und warum sie bisher vor allem das deutsche Bier enttäuschte. Von Ilja Behnisch

Geht es nach Albas israelischem Neuzugang Yovel Zoosman (23), werden die öffentlichen Auftritte mit Mitspieler und Landsmann Tamir Blatt (24) wortkarge Angelegenheiten. Nicht, weil die beiden Basketballspieler sich nichts zu sagen hätten, ganz im Gegenteil. Zoosman und Blatt sind beste Freunde und kennen einander seit Kindestagen. Zoosman sagt: "Wir fühlen uns wie Brüder. Wir müssen nicht miteinander reden, da reicht ein Augenkontakt."

"Heimlich groß" und die Defensive

Bei Alba Berlin hoffen sie, dass das auch für das Verständnis auf dem Platz gilt. Auch wenn Zoosman nicht die bevorzugte Anspielstation von Point Guard und Ballverteiler Blatt sein wird. Denn Zoosman, 1,97 Meter groß, hat seine Vorzüge vor allem in der Defensive. Auch wenn er sagt: "Ich denke, ich bin ein ziemlich guter Verteidiger. Das war meine Hauptaufgabe bei Maccabi (Tel Aviv, Anm. d. Red.). Aber ich will zeigen, dass ich auch offensiv meine Stärken habe."

Dort, wo schon fast zwangsläufig das Hauptaugenmerk im Spiel von Tamir Blatt liegt. Dessen Größenangaben variieren, je nachdem welcher Internetseite man sein Vertrauen schenkt. Alba Berlin, das Blatt schon in der vorigen Saison verpflichtete, um ihn umgehend für ein weiteres Jahr bei seinem alten Klub Hapoel Jerusalem zu parken, gibt 1,78 Meter an. Andernorts sind aber auch wohlmeinende 1,83 Meter zu lesen. Vor allem aber hofft man in Berlin, dass Tamir Blatt seinem Namen alle Ehre macht, der sich aus dem Hebräischen mit "heimlich groß" übersetzen lässt.

Ehrgeizige Ziele

Ziemlich groß sind hingegen die Fußstapfen, in die Tamir Blatt innerhalb der eigenen Familie tritt. Vater David, gebürtiger US-Amerikaner, spielte selbst und ist vor allem als Trainer in die Weltklasse aufgestiegen. Als Coach der Cleveland Cavaliers um Superstar LeBron James schaffte er es 2015 bis in die NBA-Finals. Aber auch Yovel Zoosmans Basketball-Geschichte ist eng mit seinem Vater verknüpft: "Ich begann mit sechs Jahren. Mein Papa ging immer und immer wieder zum Platz mit mir. Da hat es 'Klick' gemacht, von da an war ich vom Spiel gefesselt."

Es ist eine Leidenschaft, die zum Lebensinhalt wurde. Immer begleitet von Tamir Blatt, Zimmergenosse seit dem ersten gemeinsamen Auftritt in einer Jugendnationalmannschaft. Und immer auch begleitet vom Ehrgeiz. Basketball konkurriert in Israel mit Fußball um den Platz als beliebtester Volkssport. Die Top-Vereine des Landes gehören auch zu den Top-Vereinen in Europa. Zoosman sagt: "Bei Maccabi war das Ziel immer: Nummer eins sein." Kein Wunder also, dass er diesen Ehrgeiz auch auf Alba Berlin überträgt: "Ich will Pokalsieger und Meister werden und unter die Top-8 der Euro-League kommen. Das ist eine ganze schöne Ansage, aber im Wettkampf geht es darum, das Beste zu wollen."

Begeistert vom Trainer

Dass Zoosman sich im Sommer für das Angebot von Alba entschied, lag auch an den Spielern, die längst nicht mehr in Berlin sind. "Ich habe das Gefühl, dass sich hier so viele gute Spieler entwickelt haben. Spieler wie Rokas Giedraitis (2018-2020 bei Alba, inzwischen bei Baskonia; Anm. d. Red.), Simone Fontecchio (2020-2021 bei Alba, inzwischen ebenfalls bei Baskonia; Anm. d. Red.) oder Martin Hermannsson (2018-2020 bei Alba, inzwischen bei Valencia; Anm. d. Red.)."

In Berlin angekommen begeistert Zoosman vor allem Albas Trainer Israel Gonzalez. Er habe schon nach zwei Wochen Training das Gefühl gehabt, sich verbessert zu haben, so Zoosman. Auch wenn sein Freund Tamir Blatt sagt: "Hier wird ein System gespielt, dass komplett anders ist, als das, was wir bisher hatten. Es wird natürlich etwas Zeit brauchen."

Zeit brauchen wird auch die Eingewöhnung in Berlin. Sowohl Blatt als auch Zoosman leben erstmals außerhalb ihrer Heimat Israel. Zumindest Yovel Zoosman ist dabei mit konkreten Vorstellungen angereist: "Ich habe gehört, in Deutschland kostet Bier weniger als Wasser", sagt er, um die Enttäuschung über die Wahrheit sogleich zu relativieren: "Ich mag Bier, trinke aber nicht, um besoffen zu sein."

Sollte das letzte Bier doch irgendwann mal schlecht sein, sein bester Freund Tamir Blatt ist sicher nicht weit weg. Und der versteht ihn schließlich auch ganz ohne Worte.

Sendung: rbb24, 07.10.2021, 22 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

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