Interview | Ex-Herthaner Peter Niemeyer - "Ich habe in meinem Wohnzimmer eine kleine Figur des Pokals"

Mo 25.10.21 | 20:28 Uhr
Peter Niemeyer bei einem Spiel von Preußen Münster. Bild: imago-images/Krischak
Bild: imago-images/Krischak

Am Dienstag empfängt Regionalligist Preußen Münster im DFB-Pokal Hertha BSC. Vor dem Duell spricht Preußens Sportdirektor Peter Niemeyer über seine Hertha-Vergangenheit, die Bedeutung des Pokals für Preußen und ein persönliches Highlight.

rbb|24: Herr Niemeyer, Stichwort "alte Liebe": Wie verbunden sind Sie denn noch mit Ihrem ehemaligen Verein Hertha BSC?

Peter Niemeyer: Ich freue mich sehr auf das Spiel. Die Verbundenheit ist immer noch groß, ich verfolge Hertha immer noch sehr. Ich liebe die Stadt Berlin, ich habe sie lieben gelernt in meinen fünf Jahren, in denen ich da war. Ich denke gerne zurück an die Zeit und bin immer noch sehr gerne in Berlin.

Kurzbiografie Peter Niemeyer

Geb.: 22.11.1983 in Riesenbeck (NRW)

132 Spiele für Hertha BSC

Pokalsieger mit Werder Bremen 2009

Karriereende 2018

Seit Juli 2020 Sportdirektor bei Preußen Münster

War Hertha auch so eine Art Traumlos im DFB-Pokal oder hätten Sie sich gerne einen anderen Gegner gewünscht?

Persönlich definitiv, weil ich viele Bekannte wiedertreffe, die man im Alltag einfach nicht so trifft. Dementsprechend war das für mich ein Traumlos. Aber in meiner Funktion als Sportdirektor muss ich natürlich auch sagen, dass Hertha ein gestandener Bundesliga-Verein ist, der unfassbare Möglichkeiten hat.

Was bedeutet denn so eine zweite Runde im DFB-Pokal finanziell für Ihren Verein?

Es ist auf jeden Fall Geld, welches wir vorher nicht eingeplant haben. Von daher ist das natürlich ein Segen, vor allem in Zeiten der Pandemie. Ich würde es aber nicht nur aufs Monetäre runterbrechen. Die Außenwahrnehmung und Außendarstellung, dass der Verein positive Schlagzeilen schreibt, ist der deutlich größere positive Aspekt.

In diese zweite Runde sind Ihre Preußen durch eine Entscheidung am grünen Tisch gekommen, weil dem VfL Wolfsburg beim 3:1 nach Verlängerung in Münster ein Wechselfehler unterlaufen war. Fühlt sich diese Runde wie eine zweite Chance an?

Ich freue mich unfassbar auf das Spiel in der zweiten Runde. Sicherlich hätte ich mir das anders gewünscht. Ich bin selbst Sportler, dass ich nicht am grünen Tisch weiterkommen wollte, ist auch klar. Ich habe eine Verantwortung den Fans, dem Verein und der Mannschaft gegenüber, so dass wir dort Einspruch einlegen mussten. Wir haben aber gegen Wolfsburg auch nicht 10:0 verloren, sondern haben Wolfsburg auch sehr gut Paroli geboten. Daher war nach reiflicher Überlegung die Entscheidung so, dass wir dort Einspruch einlegen und wir haben Recht bekommen. Diese Entscheidung hat sich nicht als Sieg angefühlt, aber trotzdem freuen wir uns auf die zweite Runde und schauen, wie lange wir noch den Pokal-Traum träumen können.

Welche Chancen rechnen Sie sich denn aus gegen Hertha, ist es möglich die Sensation zu schaffen?

Also rein auf dem Papier geht natürlich nichts. Aber wir wissen auch, dass der DFB-Pokal auch immer was Spezielles ist. Wir müssen alles in die Waagschale werfen und die Tugenden, die im Pokal immer wieder gefragt sind, abrufen. Dazu muss eine große Portion Glück dazukommen und unsere Fans, die immer einen großen Teil beitragen können. Alles muss in die richtige Richtung gehen, dann kann man vielleicht irgendwie auf Augenhöhe kommen.

Peter Niemeyer mit dem DFB Pokal bei Werder Bremen. Bild: imago-images/RevierfotoGrößter Erfolg seiner Karriere: Peter Niemeyer (zweiter von rechts) beim DFB-Pokal-Sieg mit Werder Bremen.

Sie haben Ihren größten Erfolg als Spieler von Werder Bremen gefeiert. Dort haben Sie 2009 den DFB-Pokal gewonnen. Kommt Gänsehaut auf, wenn Sie dran denken, wie Sie den Pokal in den Berliner Nachthimmel gestemmt haben?

Solche Momente vergisst man nicht. Ich habe bei meinen Stationen, egal ob es Werder, Hertha oder Darmstadt war, immer solche Momente gehabt, die man nicht vergisst. Aber 2009 den Pokal in den Berliner Nachthimmel zu strecken, war schon einer der größten Momente in meiner Karriere. Es ist immer noch ein Moment, an den ich mich sehr gerne erinnere. Ich habe in meinem Wohnzimmer eine kleine Figur des Pokals stehen, von daher werde ich immer wieder daran erinnert.

Könnten Sie sich grundsätzlich eine Rückkehr zu Hertha BSC vorstellen, in welcher Funktion auch immer?

Grundsätzlich auf jeden Fall! Ich habe bewusst nach meiner Karriere den Weg ins Ausland gewählt. Ich wollte einfach was anderes sehen, was anderes lernen, einfach mal aus der Komfortzone kommen. Ich habe dort in Holland, bei Twente Enschede, als Head of Development junge Talente bei der ersten Mannschaft begleitet. Dann kam die Anfrage von Preußen Münster und ich wollte unbedingt in den Bereich des Managements hinein. Hier kann ich auf etwas kleinerem Niveau sehr viel lernen, da mir hier die komplette Verantwortung entgegengebracht wird. Die versuche ich zu erfüllen, wo dann der Weg hingeht, wird sich zeigen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview mit Peter Niemeyer führte Fabian Friedmann, rbb Sport.

Der Text ist eine redigierte und gekürzte Fassung.

 

Sendung: UM6, 25.10.2021, 18 Uhr

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