Nach dem Saisonstart - So machen sich Unions Neuzugänge

Die Neuzugänge Taiwo Awoniyi, Levin Öztunali und Rani Kherida beim Spiel in Dortmund. Bild: imago-images/Sven Simon
Bild: imago-images/Sven Simon

Nach den ersten Saisonspielen zieht rbb|24 ein Zwischenfazit zur Leistung der Neuzugänge des 1. FC Union. Wer die Erwartungen bislang erfüllt, wer besser ist als gedacht und wer noch Luft nach oben hat, lesen Sie hier.

Das Sommer-Transferfenster nutzte Union Berlin einmal mehr für einen Umbruch im Kader. Über zehn Neuzugänge verpflichtete Manager Oliver Ruhnert. Wie schon in den Vorjahren bewies er bei vielen ein gutes Händchen. Zwei Volltreffer landete Ruhnert im Sturm, Anlaufschwierigkeiten haben vor allem die Neuverpflichtungen für die linke Abwehrseite.

Diese Spieler präsentieren sich besser als erwartet

Taiwo Awoniyi

Der Stürmer vom FC Liverpool ist Unions Rekord-Transfer, für geschätzte 6,5 Millionen Euro. Nach dem Saisonstart lässt sich sagen: Taiwo Awoniyi war jeden Cent wert. Fünf Tore in sieben Bundesligaspielen, acht Tore und zwei Vorlagen insgesamt (in zwölf Einsätzen). Das, was dem damaligen Leihspieler in der Vorsaison noch fehlte, hat er jetzt: Effizienz. Wie wichtig der 24-Jährige für Unions Offensive ist war ohnehin bekannt. Mit seinem Tempo, seiner Kraft und der Fähigkeit, Bälle festzumachen und zu behaupten bis die Kollegen nachrücken, ist Awoniyi der ideale Sturmpartner für Max Kruse.

Kevin Behrens

Auch Awoniyis Vertreter füllt seine Rolle mehr als zufriedenstellend aus. Im September traf er drei Mal in vier Spielen. Wenn Awoniyi eine Pause braucht, kann Trainer Fischer gänzlich sorgenfrei auf seinen Stürmer Nummer zwei setzen. Das ist alles, was man von einem Ersatzspieler erwarten kann und wenn er dann noch solche Monate hat wie im September, sogar etwas mehr.

Paul Jaeckel

Der 23-Jährige Innenverteidiger füllt seine Rolle als erster Nachrücker genau so gut aus wie Kevin Behrens. Als Nummer vier in der Dreierkette von Urs Fischer ist Paul Jaeckel schon zu einigen Minuten gekommen und hat Rick van Drongelen in der Hackordnung deutlich hinter sich gelassen. Sein unglückliches Spiel gegen Prag hat der Neuzugang aus Fürth abgeschüttelt, auch das ist ein sehr positives Signal. Denn Jaeckel ist immer noch als Talent mit Potential verpflichtet worden - diese Erwartung hat er bislang sogar leicht übertroffen.

Andreas Voglsammer

Meistens eine der ersten Einwechseloptionen von Urs Fischer. Mal auf den Halbpositionen hinter der Spitze oder auf dem Flügel, gelegentlich im Zentrum. Bei einem seiner wenigen Startelfeinsätze, zuletzt in der Conference League gegen Haifa, gelang ihm auch ein klassisches Stürmertor. Aber auch wenn Voglsammer nicht trifft, hilft er mit seiner umtriebigen Spielweise.

Taiwo Awoniyi bejubelt ein Tor gegen Hoffenheim. Bild: imago-images/Matthias KochZum Saisonstart in Topform: Stürmer Taiwo Awoniyi steht auf dem vierten Platz der Torjäger-Liste in der Bundesliga.

Diese Spieler präsentieren sich so wie erwartet

Rani Khedira

Mit dem ablösefreien Augsburger hat Union einen sehr erfahrenen Bundesligaspieler im besten Alter verpflichtet. Ein richtig cleverer Transfer von Oliver Ruhnert, Khedira ist absolut gesetzt im Mittelfeld und stabilisiert das Zentrum. Hat im Offensivspiel noch Luft nach oben, das war aber aus seinen bisherigen Jahren in der Liga bekannt. Seit dem Andrich-Abgang ist Khedira noch ein bisschen mehr als Anführer gefragt, das füllt er zwar anders - nämlich weniger aggressiv - aber durchaus zufriedenstellend aus.

Genki Haraguchi

Je nachdem, wen man fragt, könnte man den Japaner wohl in drei der vier Kategorien einordnen. Dass Haraguchi so viel spielt, hätten vielleicht nicht alle Fans und Journalisten erwartet - insofern ist er eine positive Überraschung. Wie er spielt, erinnert allerdings durchaus an seine Zeit bei Hertha BSC, das ist dann je nach Betrachtungsweise wie erwartet, oder eben etwas unter den Erwartungen. Haraguchi hat viel technisches Potential, ist fleißig, unterm Strich springt aber meistens zu wenig dabei heraus.

Timo Baumgartl

Spielt so, wie man es aus seiner Stuttgarter Zeit in Erinnerung hatte: zuverlässig und gut. Ist als dritter Innenverteidiger neben Friedrich und Knoche gesetzt.

Diese Spieler präsentieren sich schlechter als erwartet

Levin Öztunali

Ähnlich wie Khedira ein erfahrener Bundesligaprofi in gutem Sportler-Alter. Deswegen dürfte sich der ein oder andere doch etwas mehr von ihm erwartet haben. Es wirkt ein bisschen so, als wenn er noch nicht in seiner idealen Rolle aufspielen durfte. Öztunali wird bislang häufig auf dem Flügel eingesetzt, im Zentrum könnte er vielleicht noch mehr seiner Stärken einbringen und dem Team damit etwas geben, was durch den Abgang von Robert Andrich teilweise fehlt: Ein Spieler, der im Zentrum mit Ball sofort nach vorne umschaltet.

Rick van Drongelen

Keine große Enttäuschung, aber mit mehr Anpassungs-Schwierigkeiten als erwartet. Der immer noch erst 22-jährige Niederländer war immerhin schon mehrere Saisons Stammspieler beim HSV, zwischendurch sogar Abwehrchef. Bei Union muss er sich aber erstmal ganz hinten anstellen in der Rangordnung der Innenverteidiger.

Tymoteusz Puchacz und Pawel Wszolek beim Training des 1. FC Union Berlin. Bild: imago-images/Matthias KochNoch nicht richtig angekommen in Berlin: Die beiden polnischen Neuzugänge Tymoteusz Puchacz und Pawel Wszolek (von links).

Tymoteusz Puchacz

Der einzige Neuzugang, der bislang so richtig enttäuscht. Von einem polnischen Nationalspieler, der auch für eine dementsprechende Summe nach Köpenick gewechselt sein soll, hatte man sich deutlich mehr erhofft. Puchacz ist bislang keine wirkliche Option für die Linksverteidiger-Position, weil er bei seinen Auftritten defensiv viel zu anfällig wirkt. Hoffnung machen seine Offensiv-Akzente mit energischen Läufen zur Grundlinie. Vielleicht braucht Puchacz einfach ein wenig Anlaufzeit.

Pawel Wszolek

Bislang kein Faktor. Das ist insofern enttäuschend, als dass man sich von einem ehemaligen Nationalspieler mit Erfahrung in der ersten italienischen und polnischen Liga zumindest eine Joker-Rolle erhofft hätte.

Ohne Bewertung

Frederik Rönnow

Der Ersatztorhüter hat noch keine ernsthafte Bewährungsprobe bekommen, das muss aber nicht zwangsläufig eine Enttäuschung sein. Perspektivisch braucht Union irgendwann einen Nachfolger für Andreas Luthe und das Potential dafür hat Rönnow. Gut möglich also, dass er zur künftigen Nummer eins aufgebaut werden soll. Eine Bewertung käme daher noch zu früh.

Kevin Möhwald

Erst kurz vor Ende der Transferperiode aus Bremen nach Köpenick gewechselt und dann auch noch durch eine kurze Verletzungspause ausgebremst. Der defensive Mittelfeldspieler soll auch helfen, den Abgang von Robert Andrich abzufedern. Ob ihm das auf seine eigene Art gelingt, muss sich bis zur Winterpause zeigen. Die ersten Ansätze zuletzt waren durchaus positiv.

Bastian Oczipka

Ein Transfer, dessen Sinn sich noch nicht ganz erschließen lässt. Kam als Last-Minute-Ergänzung für die linke Defensiv-Seite, wahrscheinlich, weil Lenz-Ersatz Puchacz in der Vorbereitung enttäuschte. Insofern hätte man durchaus denken können, Oczipka wäre als routinierte Soforthilfe verpflichtet worden, stattdessen kam er bisher noch gar nicht zum Einsatz.

1 Kommentar

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  1. 1.

    Gute Analyse; Danke dafür, liebe Sportredaktion.

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