Nach Leipzig-Klatsche - Hertha "positiv und offensiv" gegen Freiburg

Herthas Trainer Pal Dardai steht auf dem Trainingsplatz, im Vordergrund läuft Maximilian Mittelstädt durchs Bild. Bild: imago-images/Matthias Koch
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Die 0:5-Klatsche beim FC Bayern konterte Hertha BSC mit zwei Siegen. Auch nach dem 0:6 in Leipzig wollen die Berliner am Samstag gegen Freiburg eine deutliche Reaktion zeigen. Von Astrid Kretschmer

Das Personal

Die krasse Personalnot bei Hertha BSC scheint sich vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg zu entspannen. Seit Donnerstag steht Rechtsverteidiger Deyovaiso Zeefuik wieder auf dem Trainingsplatz. Der Niederländer hatte zuletzt Leistenbeschwerden und will auf die Zähne beißen. Am Mittwoch kehrte bereits Kapitän Dedryck Boyata (Oberschenkelprobleme) ins Teamtraining zurück. Sollten die beiden am Freitag wie bisher trainieren können, habe Pal Dardai für Samstag "zwei wichtige zusätzliche Optionen". "Dann können wir auch wieder mit einer Fünferkette spielen", so der Hertha Trainer. Diverse Umstellungen der Defensivformation verhinderten bei Hertha die notwendige defensive Stabilität.

Im Angriff meldet sich Stevan Jovetic nach auskurierter Wadenverletzung für zumindest eine Halbzeit wieder zurück. "So einen kreativen Spieler brauchen wir", freute sich Dardai. Ganz so lange wie der Montenegriner wird Krzysztof Piatek noch nicht spielen können, in Leipzig gab er sein Kurz-Comeback ab der 83. Minute. "20 Minuten bis eine halbe Stunde" könne der polnische Nationalspieler laut Dardai auf dem Platz agieren, "hoffentlich schießt er dann das Siegtor." Beim letzten Aufeinandertreffen der vergangenen Saison hatte der polnische Angreifer mit dem ersten Treffer den 3:0-Sieg eingeleitet und einen wichtigen Teil zum Klassenerhalt beigetragen. "Er ist ein fantastischer Abschlussspieler, der nicht viele Möglichkeiten braucht", sagte der frühere Nationalstürmer Fredi Bobic, "gegen Freiburg hat er ein sehr wichtiges Tor erzielt, das ist seine große Stärke."

Es fehlen: Myziane Maolida, Jordan Torunarigha, Linus Gechter (alle Muskelverletzung), Rune Jarstein (Trainingsrückstand), Lukas Klünter (Schulter-OP)

Die Form

Sechs Dinger in Leipzig kassiert – so eine Klatsche schüttelt man nicht so leicht aus dem Ärmel. Hertha wurde zuletzt beim 0:6 ordentlich abgewatscht und kämpft seither mit der Aufarbeitung des Debakels. Im Training diese Woche wurde es laut: Kommandos, Kritik und Korrekturen vom Trainer und den Profis selbst. "Sehr gute Trainingseinheiten" und eine "sehr dynamische Mannschaft" habe er erlebt, berichtet Pal Dardai auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Das Heimspiel am Samstag gegen den SC Freiburg sei "machbar". "Du kannst gewinnen. Ich gehe sehr positiv und offensiv in dieses Spiel. Und ich glaube die Jungs auch", so der Ungar. "Wichtig ist, dass es auch im Spiel funktioniert."

Neben den fußballerischen Defiziten zeigte die desolate Vorstellung in Leipzig ganz deutlich eine blau-weiße Schwäche, an der Hertha schon seit längerem rumwerkelt: Die Mannschaft fügt sich oft in ihr Schicksal. Deswegen erwartet Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic, dass das Team nicht nur mit einem positiven Ergebnis punktet. "Das Wichtigste ist die Körpersprache, die du auf dem Platz hast", so Bobic. "Du kannst immer ein Spiel verlieren, aber man muss ein bisschen Gegenwehr spüren." Als Vorbild für die Körpersprache dient dem Manager der kommende Gegner aus dem Schwarzwald. Während Hertha bereits 18 Gegentore kassierte, und sowohl personell als auch taktisch immer noch auf der Suche nach dem roten Faden ist, wirkt der SC Freiburg wie der Inbegriff von Homogenität.

"Das ist nicht mehr das kleine gallische Dorf. Freiburg macht das Beste aus den Möglichkeiten und hat eine hohe Kontinuität mit der Mannschaft, die sehr intensiv spielen kann. Jeder geht an seine Grenzen", sagte Bobic. Diese Mentalität hatte Bobic bei der eigenen Mannschaft in Leipzig und Wochen zuvor bei der 0:5-Niederlage gegen Meister Bayern München vermisst. "Vielleicht haben die Jungs alles gegeben, aber nicht zusammen. Das ist während der Woche angesprochen worden", so Bobic. Fakt ist: Gegen Freiburg sollte jetzt unbedingt ein Erfolgserlebnis her, um stürmische Tage in der Länderspielpause zu vermeiden.

 

Der Gegner

Nach der 0:5-Abreibung in München Ende August bewies Hertha Nehmer-Qualitäten und ließ als Antwort zwei schmucklose Siege gegen die Aufsteiger Bochum (3:1) und Fürth (2:1) folgen. Fredi Bobic "hätte nichts dagegen, wenn das wieder so kommt". Nur ist der Gegner diesmal ein anderes Kaliber. Nach sechs Bundesligaspieltagen ist der SC Freiburg immer noch ungeschlagen. Vereinsrekord! Zwölf Punkte aus sechs Spielen, erst vier Gegentreffer: Beim SC Freiburg herrscht derzeit Hochstimmung.

Zuletzt feierten die Freiburger im alten Dreisamstadion gegen Augsburg, vor dem Umzug in die neue Arena, eine Riesen-Party (3:0). Gute Voraussetzungen dafür, dass der Freiburger Höhenflug anhält, könnte man meinen. Doch wer so denkt, hat die Rechnung ohne SC-Trainer Christian Streich gemacht. "Hertha hat so viel Qualität, dass das ein richtig schweres Bundesligaspiel wird", sagte der Freiburger Coach. Um dann eine Breitseite hinterherzuschicken. "Wir sind gut drauf und in Berlin herrscht Unruhe, weil sie ein ganz großer Klub werden wollen aber es noch nicht sind. Wir wollen dort trotzdem unseren Fußball spielen. Ich habe das Gefühl, die Mannschaft ist weiter hungrig." Selbstbewusstes Auftreten, ohne in Euphorie zu verfallen, das schwebt Streich vor.

Herthaner im Fokus

Diese Zahlen sind besorgniserregend. Hertha hat in sechs Spielen schon 18 Gegentore kassiert (Liga-Höchstwert), davon sechs nach Standards, und auch noch kein Spiel ohne Gegentor beendet. Klar ist: Diese teilweise chaotische Hertha braucht unbedingt mehr Ordnung. Als Anführer wurde Kevin-Prince Boateng für diese Rolle geholt. Bislang war er allerdings nur bedingt die erhoffte Verstärkung. Beim 0:5 in München war er verletzt (Rücken), bei den schnellen Leipzigern sollte der Routinier wegen der Geschwindigkeitsdefizite nur von der Bank zugucken. Die von Manager Fredi Bobic geforderte Gegenwehr: Fehlanzeige.

Nach Rückständen kapitulierte die Hertha schnell. Niemand ergriff das Wort, gab die nötigen Anweisungen oder die Richtung vor. Aber genau diese Rolle soll Boateng jetzt nötiger den je übernehmen. "Wenn er spielt, dann brauchen wir seine Präsenz, seine Spielintelligenz", so Trainer Pal Dardai. So wird das sein, bis zum Ende der Saison. Und wenn er nicht spielt, brauchen wir seine Unterstützung auf der Bank. Und "Co-Trainer" Boateng gibt Gas. Im Training übernimmt er lautstark und temperamentvoll die Führung. Mit dem neuen Stürmer Ishak Belfodil lieferte er sich am Dienstagnachmittag ein Wortgefecht auf Italienisch. Kann Boateng die Mitspieler auch wenn es gilt mitreißen? Der Samstag wird die Antwort auf die Frage geben und auch, ob Leipzig ein Irrläufer war oder der Vorbote einer weiteren komplizierten Saison.

Sendung: rbb24, 30.09.2021, 21.45 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Ja, Freiburg ist zzt gut drauf. Aber jede Serie endet mal ;-) Wenn Hertha da einen Punkt holt wäre ich zufrieden

  2. 3.

    Hier müsste wohl eher ein Wunder her und Freiburg müsste einen rabenschwarzen Tag haben. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

  3. 2.

    1993 standen die Herthaner zuletzt im Pokalfinale. An solche Erfolge muss angeknüpft werden.

  4. 1.

    Gelingt Hertha die Überraschung gegen Freiburg?

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