Nach dem Saisonstart - So präsentieren sich Herthas neue Spieler

Sa 23.10.21 | 11:48 Uhr | Von Shea Westhoff
Hertha BSC
Bild: imago images/Matthias Koch

Nach dem erneuten Umbruch beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC hat die neue Mannschaft nicht sofort zusammen gefunden. Einige der zehn Zugänge konnten überzeugen. Zwei blieben dagegen hinter den Erwartungen zurück. Von Shea Westhoff

Diese Spieler präsentieren sich besser als erwartet

Suat Serdar

Für den zentralen Mittelfeldspieler sollen die Berliner rund acht Millionen Euro an den Absteiger FC Schalke 04 gezahlt haben. Es gab Phasen in Suat Serdars noch junger Karriere, da hätte diese Summe als Schnäppchen gegolten. Doch mit der Bruchlandung seines Ex-Klubs in der vergangenen Saison schien auch Serdars persönlicher Karriere-Höhenflug zum Erliegen gekommen zu sein. Bei Trainer Pal Dardai ist er in dieser Saison gesetzt, der 24-Jährige ist die Schaltstelle in Herthas Spiel. Er trifft die richtigen Entscheidungen im Stellungsspiel, geht konzentriert in die Zweikämpfe und verteilt die Bälle. Das 3:1 gegen den VfL Bochum, Herthas ersten Saisonsieg, leitete er mit einem Doppelpack ein.

Myziane Maolida

Sport-Geschäftsführer Fredi Bobi zauberte den Franzosen am letzten Tag der Transferperiode hervor, nur Experten kannten Myziane Maolida, der vorher für OGC Nizza aktiv war. Der 22 Jahre alte Angreifer sollte die Schnelligkeit ins Hertha-Spiel bringen. Beim ersten Pflichtspiel gegen VfL Bochum kam Maolida eine halbe Stunde vor Schluss ins Spiel, wirbelte auf der linken Außenbahn und traf mit seinem ersten Torschuss zum 3:1-Endstand. Bei seinem zweiten Einsatz erlitt er nach 68. Minuten eine Muskelverletzung im Oberschenkel. Ist nun wieder fit und eine wertvolle Option für die noch weitgehend glücklose Hertha-Offensive.

Jurgen Ekkelenkamp

Das jüngste 4:0 seiner ehemaligen Team-Kollegen von Ajax Amsterdam im Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund verdeutlichte einmal mehr: Hertha darf sich verdammt glücklich schätzen, Jurgen Ekkelenkamp in den eigenen Reihen zu wissen. Statt mit dem holländischen Verein die Königsklasse aufzumischen, entschied sich der zentrale Mittelfeldspieler für den Verein aus Charlottenburg, bei dem er sich bessere Entwicklungsmöglichkeiten verspricht. Als Joker konnte er bisher glänzen. Bei seiner Bundesliga-Premiere leitete mit seinem Treffer 87 Sekunden nach seiner Einwechslung die Wende gegen Greuther Fürth ein. Am vorigen Spieltag traf er erneut als Joker zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen Eintracht Frankfurt. Zweimal setzte Dardai von Beginn an auf Ekkelenkamp, beide Male blieb dieser weitgehend blass. Doch der als schüchtern geltende Niederländer entwickelt sich zu einem, der den Unterschied macht.

Diese Spieler präsentieren sich so wie erwartet

Marco Richter

Der trickreiche Außenbahnspieler scheint sich immer besser zurechtzufinden. Kam für geschätzte sieben Millionen Euro vom FC Augsburg und unterschrieb in der Hauptstadt einen Vertrag bis 2025. Stand in allen acht Bundesligapartien auf dem Feld – allerdings nie über 90 Minuten. Leitete als Joker Herthas ersten Saisonsieg gegen Fürth ein, mit scharfer Flanke, die zu einem Eigentor führte. Pal Dardai setzte zuletzt zweimal von Beginn an auf Richter, der es ihm mit einer engagierten Leistung und einem Treffer gegen Eintracht Frankfurt zurückzahlte.

Davie Selke

Durch den Abstieg von Werder Bremen griff die Kaufpflicht für den von Hertha BSC ausgeliehenen Stürmer nicht. Zwölf Millionen Euro hätten die Hanseaten sonst für Davie Selke in die Hauptstadt überweisen müssen. So aber kehrte er zurück nach Charlottenburg und spielte dort zunächst eine blitzsaubere Vorbereitung. In der Bundesliga dann viermal in Startelf, viermal glücklos. Seinen großen Auftritt hatte er im DFB-Pokal gegen den SV Meppen, als er die Hertha mit seinem Siegteffer in der Nachspielzeit vor einer Peinlichkeit bewahrte.

Kevin-Prince Boateng

Er war der schillerndste Neuzugang und ist gleichzeitig ein alter Bekannter: Kevin Prince Boateng. Der gebürtige Berliner durchlief bei Hertha einst seine erste Profistation bevor er durch Europas Topligen tingelte. Vom 34-Jährigen erhoffte man sich, dass er fürs neu zusammengestellte Team eine starke Vorbildrolle einnehmen würde. Obwohl er in der Tat eine Autorität für seine Mitspieler ist, ist seine Wirkungskraft auf dem Platz begrenzt. Boateng bleibt bei den meisten Offensiv-Aktionen außen vor, haut sich aber hinten rein, sammelte wettbewerbsübergreifend vier gelbe Karten.

Diese Spieler präsentieren sich schlechter als erwartet

Ishak Belfodil

Der algerische Nationalspieler Ishak Belfodil kam im Sommer aus Hoffenheim. Nach einem Meniskus- und Kreuzbandriss war er bei den Kraichgauern nie wieder richtig in Fahrt gekommen. Bei Hertha stand er bislang fünfmal auf dem Platz, konnte auch hier wenig Akzente setzen. Seine Offensivaktionen blieben harmlos. Sollte man sich bei der Hertha im Sommer den Belfodil aus seiner stärksten Hoffenheim-Saison 2018/19 erhofft haben (16 Tore), so hat er diesen Wunsch noch nicht erfüllen können.

Stevan Jovetic

Die Erwartungen an Jovetiv waren vielleicht auch zu hoch. Als er im August zu Hertha kam, war das großte Thema seine Laufbahn bei mehreren Topclubs wie Manchester City und Inter Mailand. Seine gesammelten Erfahrungen ließen vermuten, dass der Montenegriner in der Bundesliga durchstarten würde. Sein Traum-Einstand beim Testspiel gegen den FC Liverpool, wo er gleich mal einen Doppelpack schnürte, sowie sein Tor am ersten Bundesligaspieltag befeuerten die Jovetic-Euphorie. Was folgte, waren eher maue Vorstellungen sowie eine Wadenverletzung, von der er sich nun wieder erholt hat.

Ohne Bewertung

Oliver Christensen

Der Torhüter kam für rund drei Millionen Euro von Odense BK, blieb noch ohne Pflichtspiel-Einsatz. Der 22 Jahre alte Däne gilt als starker Ersatz, vielleicht die Nummer Eins der Zukunft.

Dennis Jastrzembski

Der unter anderem in der Hertha-Jugend ausgebildete Mittelfeldspieler kam im Sommer von Waldhof Mannheim, wohin er ausgeliehen worden war. Stand einmal in der Startelf, als er gegen Bochum in der Fünfer-Abwehrreihe aushalf. Nach der 1:2-Niederlage gegen den SC Freiburg bescheinigte Pal Dardai dem eingewechselten 21-Jährigen eine gelungene Darbietung.

Sendung: Inforadio, 22.10.2021, 17:15 Uhr

Beitrag von Shea Westhoff

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