Nach Abgang von Geschäftsführer Schmidt - Kann Bobic Hertha-CEO?

Fredi Bobic blickt ernst in die Kamera (imago / Zink)
Bild: www.imago-images.de

Nach dem Abgang von CEO Schmidt wird Fredi Bobic bei Hertha BSC eine noch größere Rolle erhalten. Dabei geht es nicht nur um sportliche Herausforderungen, sondern auch um Unternehmensführung. Kann Bobic diese Rolle ausfüllen? Von Lukas Witte

Nach nicht mal einem Jahr ist der Weg für Carsten Schmidt beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC zu Ende. Aufgrund eines Krankheitsfalls im engsten Familienkreis sah er sich nicht mehr in der Lage, die Aufgabe der Geschäftsführung weiter zu bewältigen. Dabei wollte der CEO, auf den anfangs große Hoffnungen vom Verein gesetzt worden waren, den Berlinern einen neuen Anstrich verpassen.

Modernisierungsprogramm "Goldelse"

Der 58-Jährige, der 2020 vom Medienunternehmen Sky zum Hauptstadt-Klub wechselte, bekam neben der Gesamtverantwortung auch die Leitung der Bereiche Marketing, Vertrieb, Strategie, Unternehmenskommunikation und Internationalisierung bei Hertha BSC übertragen. Mit einem Fünf-Jahres-Plan mit dem Namen "Goldelse" wollte er den Verein mit einer Reihe von Maßnahmen sportlich und wirtschaftlich erfolgreich machen. Die Berliner Fußballfans sollten sich wieder stärker mit Hertha BSC identifizieren können und der Verein in der Stadt soziale Verantwortung übernehmen. Die Personalebene wurde umstrukturiert und gemeinsam mit Fredi Bobic sollte eine ganz eigene sportliche Spielphilosophie entwickelt werden.

Zusätzlich zu seinen sportlichen Aufgaben wird Herthas Geschäftsführer Sport nun auch einen Teil der Aufgaben des scheidenden CEOs übernehmen, die Kommunikations-Abteilung wird vorerst in seinen Aufgabenbereich fallen. Damit übernimmt Fredi Bobic rund vier Monate nach seinem Amtsantritt auch abseits des sportlichen eine größere Verantwortung. Medial wird sich ohnehin noch mehr auf ihn konzentrieren, zumindest solange nicht geklärt ist, ob Hertha die Position von Carsten Schmidt Eins zu Eins neu besetzt. Ist Bobic dem gewachsen? Ein Blick auf seine Rolle in Frankfurt könnte Aufschluss darüber geben.

Bobic als Frankfurter Aushängeschild

Philipp Hofmeister ist seit 20 Jahren Sportreporter beim Hessischen Rundfunk und von klein auf großer Fan der Eintracht. Er hat Fredi Bobic in Frankfurt hautnah miterlebt und begleitet und traut diesem so einiges zu. "Faktisch war es so, dass Fredi Bobic der eine starke Mann bei der Eintracht war", sagt er. Dabei sei Bobic nicht nur für das Sportliche verantwortlich gewesen, sondern war auch in allen anderen Bereichen Aushängeschild des Vereins. So habe er den Hessen damals zum Beispiel die Türen zum US-Markt geöffnet und einen potenten amerikanischen Hauptsponsor für die Frankfurter gewinnen können.

Er macht sich nicht immer nur Freunde

"Fredi Bobic ist ein Machtmensch. Er ist ein wahnsinniges Zugpferd, der einen Verein auch tragen kann und will. Er ist in der Lage zu leiten und zu steuern", berichtet Hofmeister. "Wenn Hertha einen neuen CEO braucht, wird er sich nicht dagegen wehren. Der Job, den Fredi Bobic sich nicht zutraut, muss erst noch erfunden werden."

Dabei macht er sich nicht immer nur Freunde. "In Frankfurt ist er auch über die eine oder andere Leiche gegangen", sagt Hofmeister. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle soll vor allem am Ende schwierig gewesen sein.

Der neue Mann an Herthas Spitze?

Noch hat sich Hertha-Präsident Werner Gegenbauer nicht deutlich dazu geäußert, ob Carsten Schmidt durch jemand Neuen ersetzt wird. Sicher ist nur, dass vorerst Bobic und Finanzchef Ingo Schiller die geschäftsführenden Aufgaben als Doppelspitze übernehmen werden.

Für Sportreporter Hofmeister ist aber eines ganz klar: "So wie ich Fredi Bobic kenne, hat er kein großes Interesse daran, sich irgendwas wieder nehmen zu lassen, wenn es um die Machtfrage geht." Es könnte also sein, dass die Ausweitungen der Kompetenzen für Bobic nicht nur eine Übergangslösung sein werden.

Das Vertrauen der Verantwortlichen und des scheidenden Geschäftsführers scheint er jedenfalls zu haben. "Hier geht es aus meiner Sicht ohne Unterbrechung weiter. Hertha BSC ist in der Personalaufstellung sehr gefestigt", sagte Carsten Schmidt bei seiner Abschieds-Pressekonferenz über die neue Führung des Vereins.

Die Lücke, die Schmidt in Berlin hinterlässt, scheint nicht allzu groß. Und Bobic hat in Frankfurt durchaus bewiesen, dass er die Möglichkeiten hat, einen Verein zu führen und nach vorne zu bringen - wenn auch gelegentlich mit harter Hand. Seine erste Bewährungsprobe in neuer Position findet am kommenden Samstag ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub statt. Und in Frankfurt hätten die Berliner drei Punkte bitter nötig.

Sendung: rbb UM6, 13.10.2021, 18 Uhr

Beitrag von Lukas Witte

2 Kommentare

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  1. 2.

    Nee kann er nicht. Es klappt bei ihm sowieso nicht. Es steht etwas im weg Na wer wohl. Gegenbauer. Das wird alles nichts. Kein Management ein halbbjten Trainer. Etc. Alle reden nur. 2 Liga Wir kommen. Und Bobic und ca sind dann alle weg. Kommt. Die 3. Liga?

  2. 1.

    Fredi Bobic kann Hertha. Er sieht die Strukturen und das Umfeld. Er kann Zahlen lesen, besitzt natürliche Autorität und die notwendige Härte und Unbestechlichkeit. Wieso fragen sie überhaupt. Absolut CEO geeignet, nur muss er es selber wollen., Falls ja, dann aber nur als Interimslösung. Seine Nähe zum Profi Kader darf nicht auf Dauer darunter leiden,. Seine Aufgabe ist und bleibt Sportvorstand von Hertha.

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