Interview | Ex-Cottbus-Trainer Stefan Krämer - "Das ist auch nicht alles Zufall oder Glück"

Stefan Krämer, Trainer von KAS Eupen (imago images/Joerg Niebergall)
Bild: imago images/Joerg Niebergall

Stefan Krämer ist seit dieser Saison Trainer des KAS Eupen in Belgien. Nach zehn Spieltagen steht der ehemalige Coach von Energie Cottbus überraschend auf Platz eins. Im Interview spricht er über Könige, Katar und eine deutsche Community.

rbb|24: Herr Krämer, der Verein KAS Eupen ist 2016 in die erste Liga aufgestiegen und in den letzten beiden Jahren 13. und 12. geworden. Nun stehen Sie aktuell vor dem amtierenden Meister FC Brügge oder dem Rekordmeister RSC Anderlecht an der Tabellenspitze. Können Sie das einmal für uns einordnen, was das bedeutet?

Stefan Krämer: Es sind zehn Spiele gespielt. Das ist jetzt vielleicht eine Momentaufnahme, aber in der Tat eine ganz schöne. Wir haben eine wirklich vernünftige Mannschaft. Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen, gestandenen Spielern und ganz vielen jungen und schnellen Offensivspielern. Ich habe hier im Sommer angefangen und wir haben relativ schnell einen Draht zueinander gefunden und für die Mannschaft eine vernünftige Idee vom Spiel entwickelt. Jetzt muss man auch sagen, wir hatten auch das nötige Spielglück, das man ganz einfach braucht, um in der Ersten Liga Punkte zu holen. Aber man muss es auch nicht kleiner machen als es ist. Das ist ein großer Erfolg nach zehn Spielen, das ist auch nicht alles Zufall oder Glück.

Zur Person

Der Fußballer Stefan Krämer brachte es in den Neunziger Jahren als linker Flügelspieler bis in die vierte Liga und zum Mannschaftskapitän des FV Rheinbrohl. Eine Knieverletzung zwang ihn zum vorzeitigen Karriereende mit Anfang 30. Anschließend studierte Krämer an der Sporthochschule in Köln, schloss als Diplom-Sportlehrer ab. Nach einer Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sporthochschule wechselte Krämer zu einer Versicherung, ehe er ab 2011 Co-Trainer bei Arminia Bielefeld wurde und den Fußball zum Hauptberuf machte. Es folgten Stationen bei Energie Cottbus, Rot-Weiß Erfurt, KFC Uerdingen und beim 1. FC Magdeburg. Derzeit führt er mit der KAS Eupen die belgische Liga an.

Der Verein wird finanziert von der Aspire Zone Foundation aus Katar. Sie haben mehr als ein Dutzend junge afrikanische Talente im Kader. Können Sie uns das Konzept dahinter erklären?

Es war so angedacht, dass wir katarische Spieler entwickeln und vorbereiten sollten auf die Weltmeisterschaft (2022 in Katar, Anm. d. Red.). Die Strategie hat sich dann irgendwann geändert und die katarischen Investoren sind wohl auch immer wieder ein Stück zurückgetreten, weil es vielleicht auch nicht mehr so viel Geld gab wie vor ein paar Jahren noch. Wobei man sagen muss, ins Tagesgeschäft haben die sich sowieso relativ wenig eingemischt. Im Moment zum Glück gar nicht. Jetzt geht es eben darum, die Spieler, die da sind, die auch noch einen Vertrag bis 2023 oder 2024 haben, bestmöglich zu entwickeln.

Andreas Beck, Ex-Profi bei Hoffenheim und einst sogar deutscher Nationalspieler, ist ihr bekanntester Spieler. Dann kennt man in Deutschland vielleicht noch ihren Torhüter Robin Himmelmann, der früher bei St. Pauli spielte. Welche Rolle spielen die beiden?

Sie sind total wichtige Ansprechpartner, beides absolute Vollprofis. Die Sprache hier im Tagesgeschäft ist englisch, weil es schon so ist, dass der Kader aus vielen Ländern zusammengebastelt ist und viele verschieden Einflüsse und Kulturen zusammenwirken. Da muss man sich auf eine Sprache einigen und das ist englisch. Wir sind aber die kleine deutsche Community, die hier ist, und es ist schon so, dass wir uns nach den Trainingseinheiten, nach den Spielen, zusammentun und dann ist es schön, wenn man ein bisschen in seiner Muttersprache quatschen kann.

Es gibt auch Bilder, wo Sie auf dem Zaun mit den Fans feiern. Was können Sie uns über die Fan-Szene von Eupen sagen? Ist das vergleichbar mit einem deutschen Verein?

Naja, Eupen ist eine sehr kleine Stadt, hier leben nicht einmal 20.000 Einwohner. Die Leute, die im Stadion sind, machen ganz schön Radau, aber das Stadion ist relativ klein, da passen nur 10.000 rein. Was das anbelangt, kann man das jetzt auch mit den Klubs, bei denen ich vorher gearbeitet habe oder mit deutschen Bundesligaklubs, nicht vergleichen. Aber wir merken, dass sich im und um den Klub herum ein bisschen was tut. Die Zuschauerzahlen steigen, die Leute in der Stadt und im Umland sind euphorisch, das freut uns natürlich sehr.

KAS Eupen heißt Königlich Allgemeine Sportvereinigung. Sind denn König Philippe oder Königin Mathilde auch mal im Stadion oder was hat das für eine Bewandtnis?

(Lacht) Ich habe noch keinen König gesehen, vielleicht war er inkognito da. Ich weiß nicht genau wie der Name zustande gekommen ist. Ich hatte relativ wenig Zeit, von der Vertragsunterschrift bis zum ersten Training war es nur knapp eine Woche. Da habe ich mir über das "K" vor dem "AS" keine Gedanken gemacht.

Im Sommer 2014 wurden Sie Trainer bei Energie Cottbus. Energie war gerade aus der zweiten Liga abgestiegen. In der ersten Drittliga-Saison wurden Sie Siebter. In der zweiten Saison ging es los mit zwei Siegen, aber dann gab es aus den nächsten sieben Spielen fünf Niederlagen und nur zwei Unentschieden. Wenn Sie daran zurückdenken, was hat diesen Negativlauf ausgelöst und warum war er nicht zu stoppen?

In der ersten Saison konnten wir eigentlich sehr zufrieden sein und wir haben dann, auch aufgrund der guten Leistungen, vor der zweiten Saison viele Leistungsträger abgeben müssen. Die haben wir leider nicht adäquat ersetzten können und trotzdem glaube ich, wenn man nicht so früh die Nerven verloren hätte, hätten wir mit der Mannschaft nicht absteigen müssen. Ich glaube dass die zwei Siege zu Beginn Erwartungen geweckt haben, die nicht zu erfüllen waren. Ich bin Energie nach wie vor sehr verbunden, bin sehr interessiert an den Entwicklungen im Klub und habe auch immer noch viele Kontakte nach Cottbus. Es war eine tolle Zeit mit tolle Menschen und tollen Fans. Ich hoffe sehr, dass der Verein bald wieder im Profifußball ist.

2013 war Energie noch Achter der zweiten Liga. Da steht aktuell gerade Werder Bremen. Können Sie das erklären, wie der Verein innerhalb von wenigen Jahren so abstürzen konnte?

Ne, und das ist auch überhaupt nicht mehr meine Aufgabe. Es gibt auch nicht den einen Grund, sondern es ist auch immer eine Mischung aus ganz vielen Dingen. Natürlich auch aus der ein oder anderen Fehlentscheidung, die getroffen wurde. Aber nochmal: Ich drücke dem Verein beide Daumen, dass er so schnell wie möglich in die dritte Liga zurückkommt. Energie ist in der Region ein Leuchtturm und der Verein und die Menschen haben es absolut verdient, stabil in den Profifußball zurückzukommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Dexne.

Sendung: Inforadio, 10.10.2021, 13:15 Uhr

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