Füchse vor dem Topspiel gegen Kiel - Alles auf Abwehr

Füchse-Trainer Jaron Siewert (imago images/Felix Schlikis)
Video: rbb24 | 08.10.2021 | Torsten Michels | Bild: imago images/Felix Schlikis

Acht Pflichtspiele, acht Siege. Vor dem Topspiel der Handball-Bundesliga gegen Rekordmeister THW Kiel sind die Füchse Berlin in bester Verfassung. Trainer Jaron Siewert begegnet der Euphorie jedoch mit Vorsicht. Von Ilja Behnisch

Als er auf die aktuelle Erfolgsserie seiner Mannschaft angesprochen wird, auf die acht Siege aus acht Spielen zum Saisonstart, zögert Füchse-Trainer Jaron Siewert (27) keinen Augenblick: "Abwehrspiel!" Die Mannschaft agiere aktiver in der Defensive, das führe zu mehr Ballgewinnen und klareren Aktionen für die Torhüter. "Und daraus resultiert alles andere. Man kommt ins Tempospiel, man hat in der Offensive nicht den Druck, mit jedem Angriff ein Tor werfen zu müssen", so Siewert.

Siewert lobt die Team-Chemie

Auch aufgrund dieser Basis gehen die Füchse selbstbewusst in das Topspiel gegen den THW Kiel am Sonntag (14 Uhr). Selbst wenn die Kieler ebenfalls noch ungeschlagen sind und Siewert vor dem Spiel gegen den deutschen Rekordmeister sagt: "Es entscheiden Kleinigkeiten. Die Mannschaft, die auch nur ein bisschen von ihrem Top-Niveau weg ist, verliert." Dass die Füchse zuletzt immer wieder ihr Top-Niveau abrufen konnten, lag laut ihrem Trainer an "Rhythmus, Selbstvertrauen und einer sehr, sehr guten Team-Chemie". Vor allem das Zusammenspiel lobt Siewert: "Die Jungs glauben in jedem Spiel an ihre Chance und an ihr Können, und das führt zu den ganz guten Ergebnissen."

Das klingt fast schwärmerisch, doch Siewert verzieht zumeist keine Miene, wenn er spricht. Ganz im Gegenteil, als die Rede auf die in der Füchse-Historie einzigartige Sieges-Serie kommt, wirkt er fast schon genervt: "Ich rede extrem ungern über Serien, weil sobald man von Serien spricht, kommt irgendwann der Punkt, dass sie reißen."

Faustpfand Fans

Dabei scheint der Lauf der Berliner nicht nur eine Momentaufnahme zu sein, sondern eine solide Grundlage zu haben. Die Mannschaft hat derzeit keinerlei Verletzungen zu beklagen, bis auf Viran Morros gab es zudem keine Neuzugänge zu integrieren, das Team macht wenig Fehler und spielt, wie Rechtsaußen Hans Lindberg sagt, "einfach guten Handball". Zudem sei "der Trainer nicht mehr neu".

Und genau diesem Trainer rutscht dann doch noch ein Lächeln raus, das fast ein Grinsen wird, da es um die Zuschauer geht. 3.600 werden in der Max-Schmeling-Halle am Sonntag erwartet. Volles Haus also nach aktuellen Corona-Regeln (nur Geimpfte und Genesene). Und ein Faustpfand obendrein: "Die Fans haben uns schon in zwei Spielen aus einer misslichen Lage befreit", so Siewert. Gegen Wetzlar (29:24) und Erlangen (35:30) habe die Mannschaft das Publikum gebraucht. "Jetzt volles Haus gegen Kiel, das kann ein Faktor sein. Ich bin sehr, sehr glücklich über unsere Fans", sagt Siewert und strahlt.

Die Füchse, so heißt es mancherorts, könnten in dieser Saison die Lücke schließen, die zwischen den dominierenden Teams der vergangenen Jahre, die zwischen Kiel, Flensburg und dem Rest der Liga klafft. Der Saisonstart der Füchse und die durchaus selbstbewusste Art vor dem Duell gegen Kiel lassen vermuten, dass es tatsächlich so weit sein könnte.

Aber Siewert warnt auch: "Momentan ist die Lücke nicht da. Wenn sie aber nach 34 Spieltagen genauso groß ist wie im letzten Jahr, dann haben wir trotz gutem Saisonstart nicht so gut gearbeitet, wie wir wollen." Bis dahin hält es Jaron Siewert vermutlich in jeder Hinsicht mit dem Erfolgsgeheimnis seiner Mannschaft: Abwehrarbeit.

Sendung: rbb UM6, 08.10.2021, 18 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

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