Interview | Neven Subotic - "Der Sport ist für mich etwas Heiliges"

Ex-Union-Profi Neven Subotic. / imago images/GEPA pictures
Bild: imago images/GEPA pictures

Neven Subotic gewann mit Dortmund Titel und sicherte mit dem 1. FC Union den Klassenerhalt. Aktuell ist der 32-Jährige vereinslos. Er spricht über Karriere-Perspektiven, die Ursprünge seines sozialen Engagements und Kommerz im Sport.

rbb|24: Zuletzt haben Sie ein halbes Jahr in Österreich beim SCR Altach Fußball gespielt. Aktuell sind Sie vereinslos. Ich glaube, nicht nur viele Union-Fans fragen sich aktuell: Was macht Neven Subotic gerade eigentlich?

Neven Subotic: Ich mache viel Stiftungsarbeit (Anm. d. Red.: Die Neven Subotic Stiftung setzt vor allem Brunnenbauprojekte in Äthiopien um). Und eine Neuigkeit kommt - glaube ich - am Dienstag raus. Da stoße ich irgendwo dazu. Es wird vielleicht eine Überraschung für den ein oder anderen werden. Es geht eher in die Wirtschaftswelt. Also: Ich tue und mache, wie man es von mir auch gewohnt ist. Nur momentan weniger auf dem Platz.

Zur Person

Ex-Union-Profi Neven Subotic. / imago images/GEPA pictures
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Neven Subotic wurde am 10. Dezember 1988 in Banja Luka im heutigen Bosnien und Herzegowina geboren, 1990 kam er mit seiner Familie nach Deutschland.

Seine Profikarriere begann bei Mainz 05, ehe er 2008 zu Borussia Dortmund wechselte. Dort feierte er in zehn Jahren große Erfolge. So wurde er mit dem BVB unter anderem zwei Mal Deutscher Meister und stand im Finale der Champions League.

Nach einer Leihe zum 1. FC Köln und einer Saison in Frankreich bei Saint-Etienne kam Subotic zur Saison 2019/20 zum 1. FC Union.

Nach einer Spielzeit wechselte er in die Türkei zu Denizlispor und später zum SCR Altach nach Österreich. Aktuell ist Subotic vereinslos.

Die Fußballkarriere ist also vorbei?

(lacht) So weit würde ich noch nicht gehen. Es gab jetzt im Sommer Möglichkeiten zu wechseln. Ich bin aber mittlerweile 15 Jahre im Geschäft und weiß genau, was ich will. Wenn ich das nicht bekomme, denke ich mir: Dann mache ich es lieber nicht. Es muss auch für den Verein und für mich, für den Trainer und für die Mannschaft passen. Wenn einer dieser Bausteine nicht wirklich so passt, wie das nötig ist, damit der Erfolg auch kommen kann, habe ich bisher auch nicht ja gesagt.

 

Eines Ihrer 15 Jahre im Geschäft haben Sie auch in Köpenick beim 1. FC Union verbracht. Was ist denn aus der Zeit am meisten bei Ihnen hängengeblieben?

Der gemeinsame Erfolg natürlich. Ich hatte vor allem am Anfang eine ganz große Freude, das volle Leben mitzubekommen. Es gab Höhen, wenn ich etwa daran denke, dass wir den BVB am dritten Spieltag daheim geschlagen haben. Als dann später die Corona-Pandemie eingetroffen ist, hat man gemerkt, dass es ein anderer Fußball ist. Das hat atmosphärisch gewissermaßen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir sind dann irgendwie ganz nach unten abgesackt. Nicht in der Tabelle, aber rein emotional - die Fans hatten uns gerade am Anfang der Saison schon richtig getragen. Am Ende war aber der Erfolg da. Das ist das, was bleibt. Wir haben doch noch das kleine Festchen gemeinsam gefeiert. Und sind inzwischen auf der europäischen Bühne zuhause.

 

Sie haben Ihre Stiftung. Sie sind einer der seltenen Sportler, die sich stark engagieren. Wo kommt das denn eigentlich her?

Das ist nicht von heute auf morgen gekommen. Vieles haben mir meine Eltern schon vorgelebt und mitgegeben. Leute in meiner Umgebung haben mich natürlich auch im positiven Sinnen beeinflusst. Ich wollte so werden wie sie - und gewisse Entwicklungen haben wir gemeinsam durchgemacht. Deshalb habe ich jetzt auch begonnen ein Buch zu schreiben, das ab dem nächsten Juni verfügbar sein wird. Einfach um Einblicke zu geben, wie diese Entwicklung über Jahre und Aktionen hinweg kam. Bis ich wirklich zu mir gefunden habe - und für mich definiert habe, was ich in meinem Leben eigentlich machen möchte. Denn das ist wie jedes andere endlich. Und daraus resultiert die Frage: Was mache ich in dieser Zeit?

 

Sie reflektieren ganz viel über den Sport und die Gesellschaft und äußern sich auch kritisch zu Aspekten des Spitzensports. Haben Sie überhaupt noch richtig Spaß am Sport?

Der Sport selbst ist das Wunderschöne an der ganzen Sache. Da kann ich gar nicht lange genug erzählen, was er für mich bedeutet. Unabhängig von dem Geschäft ist der Sport für mich etwas Heiliges, was wir miteinander teilen und was diese Gemeinschaft schafft. Der Sport existiert aber nicht in einem Vakuum, sondern er wird kommerzialisiert. Es geht um viel Geld, von dem auch ich profitiert habe. Ich möchte mich da nicht ausnehmen. Aber es wird natürlich absurder mit jedem neuen Jahr und jedem neuen Transfer.

 

Wir haben auch über den nächsten WM-Gastgeber Katar gesprochen (Anm. d. Red.: In der Sendung "Sportschau Thema" im Ersten, in deren Anschluss dieses Interview aufgezeichnet wurde). Einer der Kollegen (Anm. d. Red.: gemeint ist der katarische Geschäftsmann Nasser Ghanim Al-Khelaifi) ist ja auch der Besitzer von Paris Saint-Germain ist. Dort spielt jetzt Messi. Das fühlt sich irgendwie nicht ganz richtig an. Sport ist viel mehr als nur Geld.

 

Wie sehen Sie Ihre Rolle in diesen Diskussionen?

Ich möchte mich natürlich in diesem Dialog positionieren, um meinen Beitrag zu leisten und auch mal meine Perspektive zu geben. Es lebt durch den Diskurs - und durch eben diesen Diskurs können auch Fans entscheiden, wo sie in dieser Diskussion stehen. Sie können das dann besprechen, kommunizieren und entsprechend Konsequenzen ziehen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Dirk Walsdorff, rbb Sport.

Sendung: rbb UM6, 11.10.2021, 18:15 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ein toller Mensch! Und es freut mich natürlich auch, dass er im Zusammenhang mit dem FCU immer noch von 'wir' spricht.

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