Interview | Rapper Marteria über das Angeln - "Der Tarpun ist mein Feindesfisch"

Der Musiker Marteria bei einem Auftritt 2019 während des Lollapalooza-Festivals in Berlin(Bild: imago images/snapshot)
Bild: imago images/snapshot

Als Rapper und Musiker ist Marteria deutschlandweit bekannt, als Angler weniger. Dabei hat der gebürtige Rostocker viel zu erzählen. Zum Beispiel über Vampirfische in Kolumbien, Haie auf den Fidschi-Inseln und einheimische Hechte als Speisefisch.

Die wilden Zeiten von Marteria sind vorbei. Als der Rapper und Musiker am 29. März 2015 nach einem Benefizspiel im Rostocker Ostseestadion ins Krankenhaus eingeliefert wurde, drohte ihm ein Nierenversagen. Nach der erfolgreichen Behandlung änderte der heute 38-Jährige sein Leben. Er zog aus Berlin zurück an die mecklenburgische Ostseeküste und mied für ein Jahr die Öffentlichkeit.

In dieser Zeit entdeckte Marten Laciny, wie Marteria mit bürgerlichen Namen heißt, wieder seine alte Liebe zum Angeln. Wer sich allerdings mit dem Hansa-Rostock-Fan länger übers Fischen unterhält, merkt schnell, dass Marteria ein absoluter Profi-Angler und Weltenbummler ist, der nicht nur exotische Speisefische schätzt.

rbb|24: Sind Sie ein angelnder Rapper oder ein Angler, der rappt?

Marteria: (lacht) Ich bin in erster Linie Musiker. Und ich bin kein Hobby-Angler. Ich bin ein Rostocker Junge und das Fischen liegt in meinen Wurzeln, mein Vater war Seemann, mein Opa ist Fischer. Ich war schon als Zweijähriger auf der Mole in Warnemünde angeln. Das ist bei uns ganz normal gewesen.

Was bedeutet Angeln für Sie?

Ich brauche das. Ich finde, das ist ein sehr schöner Ausgleich. Ich bin der Angelei sehr dankbar, weil sie mich an Orte gebracht hat, die ich sonst nie gesehen hätte. In der Natur zu sein und abends selbst gefangenen Fisch zu essen, ist mit das Schönste, was es so gibt.

Zur Person

Marteria mit blauer Hoodie-Kapuze (Quelle: Fourmusic | William Minke)
Fourmusic | William Minke

- geboren am 4. Dezember 1982 in Rostock als Marten Laciny

- erfolgreicher Rapper und Musiker

- spielte in der Jugend Fußball beim FC Hansa Rostock und war deutscher Jugendnationalspieler

- verdiente als internationales Model von 1999 bis 2003 sein Geld

- lebte von 2003 bis 2015 in Berlin Friedrichshain

- zog 2015 zurück an die Ostseeküste

Das heißt, Sie sind kein Sportangler?

Ich bin kein Freund von der Sportangelei. Angeln ist kein Sport, es geht um Lebewesen. Wer angelt, sollte Respekt vor den Lebewesen haben und nicht die Fische wie eine Packung Cornflakes aus dem Supermarkt-Regal ziehen. Und Ehrfurcht ist wichtig, denn Fische zu töten, ist ein besonderer Moment und kein schöner.

Wie gehen Sie mit Fisch als Nahrungsmittel um?

Ich esse seit über einem Jahr keinen Fisch mehr, der nicht selbst gefangen ist oder von dem ich nicht weiß, wo der herkommt. Ich finde den Lachs- und Thunfischverzehr schrecklich bei uns, dieser ganze Sushi-Wahnsinn wie in den Großstädten, in Berlin, da verliert man total die Bindung und den Respekt vor dem Lebewesen Fisch. Für Thunfisch fahre ich zum Beispiel nach Gibraltar und nehme meinen Fang dann mit.

Und neben dem Fisch, was macht Angeln sonst noch aus?

Dass Angeln so verbindet. Weltweit. Ich kann auf Instagram jeden auf der Welt anschreiben und ich fliege nach Hawaii, Marokko oder Usbekistan und treffe dort Angler. Jeder Angler ist auch irgendwie gleich, alles ein Menschenschlag: Alte Alkoholiker, die mal in Metal-Bands gespielt haben und dann ihre Sucht verlagern. Grummelige Typen mit komischer Haut und leichtem Hang zum Wahnsinn.

Was können denn Nichtangler von Anglern lernen?

Die Ruhe zu bewahren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Deswegen haben Menschen ja ihr Hobby, gehen klettern oder joggen. Denn das sind die Momente, wo sie ihr Gehirn zurecht rücken können und ihr Gedankenchaos ordnen.

Was war denn Ihr spektakulärster Angelmoment?

Ich habe schon unzählige Momente auf dem Wasser erlebt. Zum Beispiel als ich auf den Fidschi-Inseln war, hatte ich einen kleinen Thunfisch am Haken. Den hat mir ein Hai abgebissen. Der schwamm unter unserem kleinen Boot durch und schaute mich dabei direkt an. Das war sehr skurril, weil der auch deutlich größer als das Boot war. Ein bisschen Angst hatte ich auch dabei, aber dann habe ich mich doch wieder sicher gefühlt.

Sie reisen viel, um dort dann zu angeln. Vor allem Südamerika hat es Ihnen angetan. Stimmt das?

Ja, ich war letztes Jahr drei Mal in Kolumbien. Erst war ich eine Woche am Meer im Pazifik fischen. Da gab es wunderbare Fische. Mein Lieblingsfisch ist der Cubera Snapper. Der ist unfassbar rot und kampfstark. Das kann man gar nicht beschreiben. Das ist nicht vergleichbar mit irgendeinem anderen Fisch auf der Welt. Der Biss ist so brutal und man muss so wach sein, um den zu fangen!

Was für Fische haben Sie noch gefangen?

Fast alle Raubfische dort wie Thunfische, Rooster-Fische, Stachelmakrelen oder Mahi Mahis. Nur den Tarpun nicht. Das ist mein Feindesfisch, den hatte ich 75 Mal an der Angel und habe nicht einen davon bekommen. Ich werde deswegen sogar schon ausgelacht. Aber jeder Angler hat so diesen einen Fisch, mit dem er Probleme hat.

Und wo waren sie anschließend?

Im Dschungel, im Orinoco-Delta und da fischt man auf Payaras, das sind diese Vampirfische mit diesen riesigen Zähnen. Dann ging es in die Mangroven zu den Peacock-Barschen, was für mich der schönste Fisch ist, den es so gibt auf der Welt.

Ein Vorbild von Ihnen ist Ernest Hemingway - hat das auch was mit der Fischerei zu tun?

Ich war oft auf Kuba, schon als Kind immer im Urlaub. Dort ist mir mein Künstlername Marteria eingefallen, ich habe viele Texte auf der Insel geschrieben und Ernest Hemingway ist auch Identität dieses wunderbaren Landes und der wunderbaren Menschen, die dort leben. Das ist schon einer der besten Orte dieses Planeten. Ich habe übrigens genau dort geangelt, wo "Der alte Mann und das Meer" spielt.

Wie sieht es denn mit einheimischen Fischen aus, die auch in Berlin oder Brandenburg schwimmen?

Mein Lieblingsfisch ist der Hecht und das wird er auch immer bleiben. Ich versuche zwar immer den Meterfisch zu fangen, aber das klappt selten. So ein Hechtdrill ist ein heroischer und schöner Moment, wo man Ruhe bewahren muss und der Fisch nicht so schnell im Kescher landet. Und ich esse sehr gern Hecht.

Warum - denn der Hecht ist in Deutschland kein so beliebter Speisefisch?

Das liegt bestimmt an den Gräten. Aber der Hecht ist so lecker, ich verstehe das nicht. Das ist so ein tolles und starkes Fleisch. Wichtig ist eben, dass man die Haut entfernt, denn die verursacht diesen modrigen Geschmack, der die Leute stört. Man kann aus Hecht auch Nuggets machen, kleine Filets - und die Konsistenz des Fleisches ist einmalig.

Dieser Text ist eine redigierte Fassung des Angel-Podcasts "Angebissen", Episode 63. Das Gespräch in voller Länge können Sie mit Klick auf den Abspielknopf oben im Titelbild hören und auf Youtube auch sehen. Das Gespräch führten Eric Mickan und Frieder Rößler.

Sendung: Angebissen Episode 63, 01.10.2021

3 Kommentare

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  1. 3.

    Ich kann Ihnen nur zustimmen. Finde das ganze sowieso widerlich. Hört sich genauso an wie Grosswildjagd in Afrika.

  2. 2.

    …den CO2-Fußabdruck, den er für sein Hobby hinterlässt, auch. Tausende von Kilometern an Flugreisen im Coronajahr für Angeln, war da nicht so was wie Lockdown?…oder Reiseverbot?
    Er war „3mal im Jahr in Kolumbien“, als sei es um die Ecke und findet den Lachskonsum und die Sushi-Einstellung der Hauptstädter aber genauso bemerkenswert, wie den mangelnden Respekt der Leute zu Natur und Tier.
    Bei dem ganzen Gefliege ist es mit der Glaubwürdigkeit leider etwas schwierig, finde ich. Man kann auch einfach die Forellen, Saiblinge, Makrelen und Co innerhalb Europas fangen. Die Angel-Vielfalt ist vorhanden, aber Fiji, Kuba, Kolumbien für das Hobby anfliegen, muss in Zeiten des Klimawandels irgendwie nicht sein.

  3. 1.

    Die Einstellung des Herrn Laciny finde ich bewundernswert.

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