Berliner Motorsport-Talent Luka Wlömer - Ein Rennfahrer geht ins Risiko

Mi 20.10.21 | 11:01 Uhr | Von Shea Westhoff
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Luka Wlömer
Bild: Luka Wlömer

Den 20-jährigen Luka Wlömer kennen bislang nur Motorsportexperten. Nun hat der Berliner die Sprint-Serie im Porsche Sports Cup gewonnen. Nur ein Zwischenschritt, wie er selber sagt. Für sein eigentliches Ziel muss er viel investieren.

Als Luka Wlömer auf dem Hockenheim-Ring mit seinem Porsche 911 GT3 Cup als erster über die Ziellinie fuhr, hatte er Tränen in den Augen. Ihm wurde bewusst, dass er gerade die sogenannte Sprint Challenge des Porsche Sports Cup 2021 gewonnen hatte, den Gesamtsieg nach sechs Renn-Wochenenden. Als einer der jüngsten im Fahrerfeld, in der ersten Saison.

Der große Traum des 20 Jahre alten Berliners ist es, eines Tages Werksfahrer des Stuttgarter Automobilkonzerns zu werden, also ein professioneller Vertrags-Pilot, der für Porsche bei Rennen in verschiedenen Klassen startet. Dafür folgt er einem strikten Karriereplan.

Die Faszination? "Das Adrenalin"

"Ich konzentriere mich zur Zeit voll darauf", sagt er rbb|24. Mit der Schule ist er fertig, setzt alles auf die Karte Profi-Rennfahrer – doch Geld verdient er damit noch keines. "Aber das soll das Ziel sein", sagt Wlömer. "Für mich ist es schon wie ein Beruf, denn ich tue alles, damit ich weit vorne mitfahren kann." So steht die noch junge Karriere von Luka Wlömer auch dafür, wie viel junge Sportler opfern müssen, um sich vom Talent zum Spitzensportler zu entwickeln.

Sechs Stunden täglich trainiere er zu Hause am Rennsimulator. Mit einem Lenkrad sitzt er dann vor drei Computer-Bildschirmen, die die Aussicht des Piloten im Cockpit simulieren sollen. "So bereite ich mich auf die anstehenden Rennen vor, die Strecken sind eins zu eins wie die jeweiligen Strecken", sagt er. Diese Simulation verhalte sich ein wenig wie ein Autorennen auf der Playstation, "aber professioneller: Die Physik dahinter verhält sich realistischer, nur die Fliehkräfte fallen natürlich weg".

Dazu durchlaufe er wöchentlich ein bis zwei Trainingseinheiten mit Kraft- und Cardio-Übungen. Ein großer Aufwand. Doch statt dafür Geld zu verdienen, muss Wlömer für die Wettbewerbe eine Startgebühr entrichten. Auch die Trainingslager und nicht zuletzt die Autos selbst belaufen sich auf hohe Summen. Dafür müssen er und sein Team Joos sich Förderer zusammensuchen. "Das sind Summen, die auf jeden Fall mit Sponsoren abgedeckt werden müssen", sagt er.

Worin liegt für ihn die Faszination beim Rennsport? "Es ist das Adrenalin", sagt er, "und die Aufregung vor den Rennen und dann der Spaß, wenn man fährt. Ich freue mich jedes Mal, wieder zu fahren."

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Von 33 auf 460 PS

Zunächst profilierte sich Wlömer beim Kart, damit flitzte er ab dem fünften Lebensjahr um die Kurven. Auch Formel-1-Legenden wie Michael Schumacher, Ayrton Senna und Sebastian Vettel begannen so ihre Rennsport-Karrieren. Mit 17 Jahren startete Wlömer bei der Deutschen Elektro Kart Meisterschaft (DEKM), wo er zunächst seine Premieren-Saison als Dritter abschloss, in der darauffolgenden Saison Zweiter wurde, bis er 2020 schließlich den Gesamttitel holte.

Er entschied sich, vom 33-PS-Gefährt zu wechseln zum Porsche Sports Cup, und die Pferdestärken zu vervielfachen. Im 460-PS-starken Porsche 911 GT3 startete er im Wettbewerb, der sich an motorsportbegeisterte Porschefahrer unterschiedlicher Leistungsstärke richtet. Für Wlömer ist der Wettbewerb die Hoffnung auf eine Profikarriere. "Wenn man Motorsport-Werksfahrer werden will, muss man einen bestimmten Weg gehen", berichtet Wlömer. Als nächsten Schritt sieht er den noch höher angesehenen Porsche Carrera Cup Deutschland.

Schritt zur internationalen Karriere

Zu seinen Vorbildern zählt er Michael Schumacher, aber auch viele andere große Rennfahrer, "die was Großes erreicht haben". Und irgendwann selbst mal in der Formel 1? "Das ist von allen das Ziel", sagt Wlömer. "Ich muss aber ganz ehrlich sagen, mich reizt das nicht so." Die GT-Touren-Wagen reizten ihn mehr, genauso wie die Formel-E mit ihren elektrisch angetriebenen Motoren, außerdem die 24-Stunden-Rennen. Es sind alles Disziplinen, in denen er als Werksfahrer eingesetzt werden könnte.

Dafür soll sein Sieg beim Porsche Sports Cup 2021 lediglich einen der Zwischenschritte auf Wlömers Karriereweg sein. International, sagt er selbst, ist die Bedeutung seines Sieges nicht so groß. Aber: "Es ist der Anfang von einem Karriereschritt, wo man international fahren kann."

Sendung: Inforadio, 19.10.2021, 18:15 Uhr

Beitrag von Shea Westhoff

2 Kommentare

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  1. 2.

    Cool! Dann mal viel Glück bei der weiteren Karriereplanung und dass du die richtigen Cockpits angeboten bekommst.
    Ich drück die auf jeden Fall die Daumen und vielleicht geht ja schon bald was in Richtung ADAC GT4 oder sogar Masters!

  2. 1.

    Steig ab vom toten Gaul.

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