Vorwurf der Tierquälerei bei Olympia - Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Fünfkämpferin Schleu und Trainerin Raisner

Annika Schleu und Trainerin Kim Raisner bei den Olympischen Spielen. Quelle: imago images/AFLOSPORT
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Nach einer Anzeige des Tierschutzbundes wegen Tierquälerei ermittelt die Potsdamer Staatsanwaltschaft gegen die Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu und ihre Trainerin. Hintergrund ist der umstrittene Gerten-Einsatz gegen ein Pferd bei Olympia in Tokio.

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft ermittelt nach einer Anzeige des Tierschutzbundes wegen Tierquälerei gegen die Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu und Bundestrainerin Kim Raisner.

"Wir haben nach Feststellung eines Anfangsverdachts Ermittlungen gegen beide aufgenommen", bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Sebastian Thiele, am Montag auf dpa-Anfrage. Die Ermittlungen würden wegen des Wohnorts der Beschuldigten in der Potsdamer Behörde geführt.

Umstrittener Einsatz der Gerte

Der Deutsche Tierschutzbund hatte nach Vorkommnissen bei den Olympischen Spielen Strafanzeige gegen die Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu und Bundestrainerin Kim Raisner gestellt. Wie die Organisation mitteilte, wirft sie Schleu aufgrund der Ereignisse beim Reitwettbewerb Tierquälerei vor und Raisner Beihilfe zur Tierquälerei.

Das Schleu zugeloste Pferd hatte im Parcours in Tokio verweigert, Raisner hatte die weinende Berlinerin mit den Worten "Hau mal richtig drauf!" zum Einsatz der Gerte aufgefordert. Schleu habe in anschließenden Interviews Einsicht vermissen lassen, kritisierte der Tierschutzbund.

In einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" hatte sich Schleu anschließend gegen den Vorwurf gewehrt, ihr Pferd im Wettkampf gequält zu haben. "Ich habe das Pferd nicht extrem hart behandelt. Ich hatte eine Gerte dabei, die vorher kontrolliert wurde. Genauso wie die Sporen. Ich bin mir wirklich keiner Tierquälerei bewusst", sagte die 31-Jährige.

Weltverband der Fünfkämpfer spricht Schleu frei

Der Weltverband der Modernen Fünfkämpfer, UIPM, hatte Schleu bereits freigesprochen. Bundestrainerin Kim Raisner wurde für ihre umstrittenen Handlungen vom Disziplinarausschuss des Weltverbandes angewiesen, ein Trainingsseminar zum richtigen Umgang mit Pferden zu absolvieren.

Sendung: Brandenburg aktuell, 04.10.2021, 19:30 Uhr

31 Kommentare

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  1. 31.

    Ich wundere mich sowieso, warum die Garde der Tierschützer noch nicht gegen den Pferdesport, insbesondere Springreiten vor geht. Kein Pferd würde freiwillig über Hindernisse springen, oder verquere Schrittfolgen akzeptieren. Das wieder spricht der Natur der Pferde.
    Der Vorfall bei Olympia hat doch nur die tägliche Praxis gezeigt.
    Bei Galopprennen werden auch Peitschen eingesetzt, natürlich nur zum Knallen nicht zum Schlagen. Das Tier wird, egal wie man es nennt, Angst gemacht.
    Da wo Profit gemacht werden kann, zählt Tierliebe nicht wirklich.


  2. 30.

    Sie haben vollkommen Recht! Einige der Kommentare machen mich wirklich fassungslos!

  3. 29.

    Vielen Dank für Ihren Pferdeverstand.
    Leistungssport setzt persönliche Leistung voraus, keine Quereleien von Kreaturen.

  4. 28.

    Weiß nicht, was diese Diskussion soll. Sie als Sportreiterin hat sich in meinen Augen normal verhalten. Kein Pferd lässt sich gern und freiwillig durch einen solchen Stress und Parcours treiben. Folglich steckt immer Zwang dahinter. Darum sollte die Kritik, wenn schon, am Leistungssport mit Tieren generell ansetzen. Gewöhnlich fügen sich die Pferde der macht des Reiters. sie wissen schließlich aus Erfahrung, was ihnen sonst droht. Funktioniert in der Herde nicht anderes. Dieses hier nicht. Womöglich Charakter oder Schmerzen. Wer weiß. Aber das lag in diesem Moment nicht in ihrer Hand.

  5. 27.

    Dem ging es gleich nach der Aktion wieder gut. Hatten die Eigentümer berichtet. Keine Schäden.

  6. 25.

    Hat die Staatsanwaltschaft Langeweile oder gibt es nicht genug richtige Straftaten, die verfolgt werden müssen?

  7. 24.

    Beim Kommentieren bitte auch, Dein Vergleich zu einem Amoklauf ist krank. Und die Unterstellungen, die Sportler seien dumm, ebenso. Ich sehe keinen berechtigten Vorwurf der Tierquälerei. Mal sehen, was die Justiz daraus macht. Zum Glück geht es bei solchen Ermittlungen nicht nach dem Bauchgefühl….

  8. 23.

    Finde ich gut, dass Sie das fragen. Ich bitte den Rbb dazu noch einen Bericht zu machen.

  9. 22.

    Das richtet sich an alle hier, die meinen, dass der Tierschutzbund übertreibt. Ich möchte euch auch gern mit einer Gerte auspeitschen und mit Sporen treten oder mit der Faust ins Gesicht boxen! Mal gucken, ob ihr dann immer noch meint, dass das überzogenes Gehabe ist! Ihr denkt auch, dass Mensch die wichtigsten Lebewesen auf Erden sind und alle andere Unterarten einfach schlechter behandelt werden können oder?! Vielleicht solltet ihr mal darüber nachdenken in eurer heilen Welt!

  10. 21.

    Ob es bis zum Gericht gehen wird steht ja noch nicht fest. Die StA ermittelt. Ich gehe eher davon aus, dass dieses Verfahren eingestellt wird. Aber es ist nunmal so, dass der Rechtsweg in Deutschland auch Verbänden zusteht, die nicht betroffen sind. Allerdings haben die Sportgerichte schon geurteilt, so dass es nun immer abstrakter wird. Die ordentliche Gerichtsbarkeit ist grundsätzlich der letzte Weg in solchen Fällen. Und der Tierschutzbund will eben Zeichen setzen. Man kann es gut oder schlecht finden, aber er hat eben seine Ansichten. Die Justiz ist neutral. Abwarten.

  11. 20.

    Der Tierschutzbund überzieht maßlos. Oder will er Tierhaltung generell verbieten?

  12. 19.

    Hier werden immer ortsansässige Pferde gestellt und den Teilnehmern zugelost.

  13. 18.

    "Schleu habe in anschließenden Interviews Einsicht vermissen lassen" und genau dafür, also für ihre überzeugende Dummheit, wird sie zur Rechenschaft gezogen! Wenn 2 Menschen zu dumm sind zu erkennen, dass Geld und Medaille futsch sind und trotzdem weiter aufs Tier eindreschen, gehört Dummheit eben bestraft, damit das nicht wieder passiert. Und nur, weil man eine Gerte in die Hand gedrückt bekam und die Stiefel Sporen hatten, muss man beides nicht benutzen ohne Hirn und Verstand. Drückt MIR jemand ne Waffe in die Hand, geh ich doch auch nicht in die nächste Fußgängerzone und laufe Amok.. nur weil ich's könnte!

    Kopp einschalten ist auch beim Sport erlaubt...

  14. 17.

    Was ist eigentlich aus Saint Boy, dem betroffenen Pferd, geworden?
    Ich hatte gelesen, dass die Schauspielerin und Pferdeliebhaberin Kaley Cuoco das Pferd unbedingt kaufen wollte, um es diesem Umfeld zu entziehen, der Preis war ihr egal. Leider kann ich dazu keine neueren Meldungen mehr finden.

  15. 16.

    Haben unsere Gerichte nichts Wichtigeres zu tun als sich mit so einem Tralala zu befassen? Ein Klatsch mit der Gerte ist doch keine Tierquälerei. Man sollte sich mal an eine Koppel stellen. Da kann man sehen, wir die Pferde ihre Meinungsunterschiede regeln. Als Tierquälerei würde ich eher den Springsport bezeichnen, da das Springen nicht zum natürlichen Bewegungsschema eines Pferdes gehört- Hindernisse werden auf der Flucht umlaufen.

  16. 15.

    Dieses Pferd hätte gar nicht mehr in den Parcours gehen sollen, da es bereits in einer vorhergehenden Runde mit einer anderen Reiterin klar zum Ausdruck gebracht hat, dass es nicht will und nicht kann. Die Schleu hätte einfach früher einsehen sollen, dass alles nichts bringt, sie hätte absteigen sollen und akzeptieren, dass das Turnier gelaufen ist. Ein bisschen hat sie mir aber auch leidgetan, weil auch sie überfordert war, nicht nur das Pferd.

  17. 14.

    Aber die Sportpferde durch die halbe Welt zu Wettkämpfen zu fliegen verstößt nicht gegen den Tierschutz? Wie verlogen ist das eigentlich alles...

  18. 12.

    Zustimmung , und auch die Zoos sollten weltweit abgeschafft werden , die Tiere bekommen dort zwar Nahrung, aber das ist auch alles. Ebenso der Zirkus mit dressierten Tieren zur Belustigung der Zuschauer

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